Mauern, die trennen

Kalter Wind fegt über die karge, steppenartige Landschaft. Die groben Steinbrocken bilden eine niedrige, jedoch von weitem sichtbare Trennlinie zwischen den einzelnen Feldern. Bunte Flechten und Moose schmücken ihre Oberflache. Das Alter der Steine ist schwer zu bestimmen. Sie können mehrere Jahrzehnte, aber auch Jahrhunderte alt sein. Die Vorfahren der heutigen Besitzer haben sie mühevoll aufeinander geschichtet. Die Mauer soll die Grenzen den landwirtschaftlichen Nutzflächen markieren. Sie trotzt dem rauen Klima. Die alte, windgepeitschte Steinmauer ist jedoch zu niedrig, um die Menschen wirklich voneinander zu trennen. Die Nutztiere können die Grenzen nicht überwinden, die Menschen schon. Sie erlauben Gespräche und gegenseitige Hilfe im Notfall.

Andere Mauern sind hingegen viel höher und breiter. Sie können nicht ohne Weiteres überwunden werden. Diese Mauern trennen Menschen voneinander dauerhaft. Doch die höchsten Mauern befinden sich in unseren Köpfen. Sie werden zu unuberwindbaren Hürden zwischen den Menschen. Wer einen Weg zu anderen Menschen oder sogar zum Frieden sucht, muss diese geistigen Mauern hinterfragen. In den meisten Fällen wird uns klar, dass diese gedanklichen Barrieren unnötig sind. Wir müssen sie einreißen, um unser Gegenüber wieder klar und vorurteilsfrei zu sehen. Nur so kann ein friedliches Miteinander gelingen.

Im Gegensatz zu den Grenzen in unseren Köpfen stehen die Steinmauern zwischen den Feldern. Nur das zischende Pfeifen des Windes und vereinzelte Tierlaute sind zu vernehmen – sofern jemand anwesend ist, um diese zu hören. Die Zeit scheint hier keine Bedeutung zu haben. Dies gilt auch für die Belange der Menschen.


Heute ist der „Internationale Tag des Friedens“ der Vereinten Nationen (UNO). Er fand zum ersten Mal am 21. September 1981 statt und soll den Friedensgedanken zwischen den Menschen und Staaten stärken. Gerade in der heutigen Zeit ist es wichtig, sich ohne Gewalt für eine friedliche Welt einzusetzen. Jeder kann dies mit seinen Möglichkeiten tun. Beispielsweise mit einer wohlüberlegten Stimmabgabe bei der kommenden Wahl.

Titelbild: schrittWeise, 2017

14 Kommentare zu „Mauern, die trennen

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  1. Zum Frieden gehören immer mindestens Zwei. Bloss wenn eine Partei sich ungerecht behandelt, nicht verstanden, nicht respektiert etc. fühlt, kann es lange dauern bis Frieden eintritt. Wenn die Mauern, bzw. die Unterschiede zwischen zwei Ideologien zu gross sind, quasi diametral gegenüberstehen, muss sich evtl. auch irgendwann eine durchsetzen wenn es nicht genug Platz gibt. Die Mauer würde dann vom jeweils stärkeren niedergerissen. Das wäre dann im Sinne der Evolutionstheorie. Wenn die Mauern noch nicht so hoch sind, halte ich es jedoch auch für das wahrscheinlichste das eine Verständigung alles klären kann und die Mauern einfach verschwinden. Hokus Pokus Fidibus. VG, AB

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    1. Hallo Aliboo, danke dir für den guten Kommentar mit wertvollen Gedanken. Ich finde, dass es immer möglich ist, einen Weg zum Frieden zu finden, unabhängig von der Höhe der Mauern. Man muss nur dazu bereit sein. Liebe Grüße 🙂

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  2. Liebende Seele weisen Schreitens

    Jetzt da ich mit mir
    Wer mit wem
    Inneren Frieden gefunden habe
    Ist jeder Tag Weltfriedenstag
    Denn ich kann der Welt
    Und allem Leben nur das
    Sein und geben
    Was ich zutiefst
    Ja selber bin

    Dankend für Dein anrührendes Befrieden
    Dir Joaquim von Herzen

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  3. Mein erster Gedanke zu deinem Titel war: „Mauern, die trennen (und) Mauern, die verbinden“, ohne den Text vorher gelesen zu haben. 😉
    Ja, es ist richtig, nicht alles an sich heranzulassen, da stimme ich euch zu. Jedoch weiß ich auch, dass Grenzen oder „Mauern“, wie du sie nennst, nur in unseren Köpfen existieren. Wir bauen sie uns selbst auf und verhindern dadurch so manches Mal unsere (Weiter)Entwicklung. Doch dies ist in Ordnung. Alles hat seine Zeit und vielleicht dauert es ein wenig länger, weil wir „schrittweise gehen“.

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  4. …feine Worte…und doch, denke ich, Mauern können auch schützen, sowohl die Mauern im Kopf, wie auch die Windschutzmauern im Garten…Offenheit ist gut und notwendig, aber ich darf nicht alles in mich hineinlassen, es gibt sehr verletzende Menschen und auch Gemeinheit und Manipulation, da halte ich gern einige Mauern auf Vorrat bereit…ich kann ja dann nach und nach schauen, ob ich sie vielleicht langsam abbauen kann…

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    1. Hallo TeggyTiggs, danke für deine Gedanken. Ich finde es sehr klug, nicht alles an und in sich zu lassen. Wir sollten auch nie vorschnell handeln, sondern immer abwägen, wo Mauern notwendig sind und an welche Stelle dies nicht der Fall ist. Oft bauen wir allerdings Mauern auf, bevor wir die Gelegenheit hatten, uns ein vollständiges Urteil zu bilden.

      Liebe Grüße 🙂

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