Pilgern für einen guten Zweck [2/2]

Im ersten Teil des Interviews erzählte Annelie Voland, wie ihre Idee entstand, ein Projekt ins Leben zu rufen, mit dem sie mit Krebsbetroffenen eine Pilgerwanderung auf dem Brandenburger Jakobsweg machen und Spenden für die Berliner Krebsgesellschaft sammeln konnte. Annelie beantworte mir im ersten Teil auch die Fragen nach ihren eigenen, persönlichen Erfahrungen mit dem Pilgern, was die Teilnehmer alles beachten müssen und, wie die Pilgerwochen aussehen. Im zweiten Teil des Interviews wird sie uns unter anderem über die Erfahrungen vom letzten Tag ihrer Pilgerwochen berichten, welche Rückmeldungen sie bekommen hat und, was sie jemand raten würde, der ein ähnliches Projekt starten möchte.

Beim Pilgern kommt auch der Spaß nicht zu kurz, Fotorechte: Annelie Voland
Beim Pilgern kommt auch der Spaß nicht zu kurz, Fotorechte: Annelie Voland, privat

Teil 2 des Interviews

Frage 7: Die Ankunft am Brandenburger Tor

Frage:
Am Ende jeder Pilgerwoche findet eine Abschlusswanderung zum Brandenburger Tor statt. An dieser letzten Etappe können auch Familie, Freunde und andere Interessierte teilnehmen. Wie können wir uns die Stimmung bei der Ankunft am Brandenburger Tor vorstellen?

Antwort von Annelie:
Wie ich schon sagte, es ist tatsächlich so, Familien, Freunde und Interessierte sind immer am letzten Tag der Wanderung eingeladen, mit uns eine Strecke durch Berlin zu laufen und gemeinsam am Brandenburger Tor anzukommen. Wir waren jetzt in diesem Jahr 60 Leute, die dort mitgelaufen sind, es war eine Riesengruppe, die ich durch Berlin angeführt habe. Es ist immer etwas sehr Spannendes, weil die ganze Stadt voll mit Touristen ist und wenn du da 60 Personen mit Rucksack und grünen T-Shirts durchführst, ist es schon ein einmaliges Erlebnis. Es macht mich auch unglaublich stolz, dass mir so viele Menschen folgen und wir dort gemeinsam am Brandenburger Tor ankommen können. Wir können dann feiern und uns in die Arme fallen. Wir dürfen uns freuen, viel lachen, das ist einfach nur ein unglaublich tolles Gefühl, vor allem wenn man vorher 7 Tage lang über Wiese, Felder und durch Wald gelaufen ist und dann endlich ankommt mit den Familien, das ist echt ein unglaubliches Gefühl.

Frage 8: Rückmeldung

Frage:
Welche Rückmeldungen hast du bisher von deinen Teilnehmern nach dem einwöchigen Pilgern bekommen?

Antwort von Annelie:
Spannend ist, dass hier auch immer die Weisheit stimmt: „Der Weg beginnt erst nach dem Weg bzw. der Weg beginnt erst dann, wenn du angekommen bist.“ Die Erfahrung während des Jakobsweges ist schon unglaublich, aber die Nachwirkung ist, meiner Meinung nach, bei vielen noch mal viel größer. Erst wenn du nach Hause kommst und realisierst, dass was du da gemacht hast und, wen du kennengelernt hast, was du durchgestanden hast.

Dann kommt glaube ich erst mal noch mal diese innere Befriedigung und dieses innere Glücksgefühl, dankbar zu sein, dass du auf der Welt bist, dankbar, dass du gesund bist, dankbar für deine Familie und man geht einfach ganz anders an deinen Alltag heran.

Ich glaube, dass diese Nachwirkung einfach auch Monate oder sogar Jahre andauern kann, umso länger man auf dem Jakobsweg, umso länger ist die Nachwirkung.

Eine Woche finde ich schon sehr kurz für so ein Projekt, es ist leider nicht anders umsetzbar. Jeder, der sich selbst auf den Weg begibt, sollte sich schon 4 – 5 Wochen Zeit nehmen. Diese Erfahrung ist eine Erfahrung fürs Leben, die sollte man auch so mitnehmen und sich auch die Zeit dafür nehmen, denn es ist eine Bereicherung für viele Jahre und Wochen.

Fotorechte: Annelie Voland, privat
Lange Wege, Fotorechte: Annelie Voland, privat

Frage 9: Auszeichnungen

Frage: Du hast für dein Engagement bereits einige Auszeichnungen erhalten (Familienherz 2018 und 2019, Smart Hero Award 2018). Dieses Jahr warst du erneut nominiert (Deutscher Engagementpreis 2019). Was bedeuten diese Preise für deine Arbeit?

Antwort von Annelie:
Mir geht es nicht darum, diese Preise zu gewinnen, das möchte ich hier an dieser Stelle einmal klar stellen, sondern was ich damit erreichen will ist, dass wir in die Öffentlichkeit kommen, dass das Projekt, alle meine Teilnehmer und das Thema der Krebserkrankung ins Social Media, ins Internet oder ins Fernsehen etc. hingerät. Das Schönste ist natürlich, wenn wir die Preisgelder für die Auszeichnungen bekommen, weil wir damit dann die nächsten Jahre das Projekt weiter umsetzen können.

Zunächst ist es auch eine Wertschätzung natürlich, eine Wertschätzung des Projektes, aber hauptsächlich geht es mir um die Öffentlichkeitsarbeit und dort irgendwie aufzutauchen, zu sagen: „Hey guck mal, wir sind ein cooles Projekt, wir brauchen Unterstützung.“ Das Thema „Krebshilfe“ braucht viel Aufmerksamkeit, oder soll Aufmerksamkeit bekommen. Es sind unglaublich viele Menschen betroffen, ob Angehörige, oder direkt Betroffene. Das ist ein Thema, über das nicht geredet wird, es sollte aber darüber geredet werden, es darf einfach kein Tabuthema sein. Das ist mir ganz ganz wichtig und es bedeutet mir sehr viel, wenn wir da auch die Preise dafür erhalten.

Frage 10: Zukunftspläne

Frage:
Wie sieht die Zukunft deines Projektes aus? Wer wird dich unterstützen? Hast du weitere Pilgerwanderungen und Spendenaktionen geplant?

Antwort von Annelie:
Für das Jahr 2020 ist das Projekt schon komplett durchgeplant, wir laufen vom 03. bis 11. Mai 2020. Die Strecke wird so sein, wie in diesem Jahr: wir werden in Frankfurt/Oder starten und in Berlin am Brandenburger Tor ankommen. Es wird ein Kennenlernwochenende im Januar oder Februar 2020 geben, wenn die Teilnehmer dann feststehen und die offizielle Anmeldung startet ab dem 1. Oktober 2019. Man kann sich gerne schon auf die Warteliste schreiben lassen, weil diejenigen, die sich jetzt schon anmelden, dann Vorrang bei der Auswahl der Plätze haben.

Wer unterstützt mich? Die Berliner Krebsgesellschaft hat seit diesem Jahr die Schirmherrschaft über das Projekt übernommen und die Jakobusgesellschaft Brandenburg/Oder-Region ist der Veranstalter.

Ansonsten sind viele Hände mit dabei, ich habe einige Sponsoren, die uns Sachspenden zukommen lassen, wie die Verpflegung, Riegel, Kekse, solche Dinge. Ich hatte auch jemand, der uns die T-Shirts gesponsert hat, auch Privatspenden. Es sind also viele viele tolle Sachen, die zu uns kommen.

Zudem biete ich hier und da noch zusätzliche Pilgerwanderungen an, dieses Jahr am 01.09.19 z. B. noch eine im Grunewald, hier in Berlin. Die Infos findet man auf der Einladung auf meiner Webseite oder auf meiner Facebook-Seite. Ihr seid herzlich eingeladen, dies ist frei, man muss da gar nichts bezahlen, das mache ich gerne ehrenamtlich. Die Spenden, die dort generiert werden, wenn jemand spenden möchte, die würde ich dann gerne auch an eine Organisation spenden, die sich für krebskranke Menschen einsetzt. Das werde ich aber noch entscheiden, welche das genau sein wird.

Fotorechte: Annelie Voland, privat
Gelb bis zum Horizont, Fotorechte: Annelie Voland, privat

Frage 11: Rat an jemand, der ein ähnliches Projekt starten möchte

Frage:
Zum Schluss würde es mich interessieren, was du jemandem raten würdest, der ein ähnliches Projekt starten möchte?

Antwort von Annelie:
Was würde ich jemand raten, der ein ähnliches Projekt starten möchte? Ich würde sehr sehr frühzeitig starten, also am besten ein oder anderthalb Jahre bevor es stattfinden soll, sonst wird’s schwierig und man kommt in großen Stress.

Frühzeitig starten ist also die Nummer eins, dann gute Unterstützer suchen, egal ob auf finanzieller Ebene oder ideeller Ebene. Es ist viel einfacher wenn man irgendeine Organisation dahinterstehen hat. In meinem Fall war es zum Glück die Berliner Krebsgesellschaft und die Jakobusgesellschaft Brandenburg/Oder-Region, die mir dort den Rücken gestärkt haben als Vereine, weil die erstmal die Spenden einnehmen und das Konto verwalten können, das ist nämlich der dritte Punkt: Keine privaten Konten nutzen, sondern wie gesagt, über ein Verein die Gelder laufen lassen, ich habe z. B. keinen Zugriff auf jeglichen Cent, ich kann das Konto auch nicht einsehen, es gibt eine Kassenwartin, die sich darum kümmert, die die Überweisungen macht, wenn ich sie darum bitte, sie schaut auch, welche Gelder rein und rausgehen und schreibt mir das dann immer genau.

Ansonsten: viele viele E-Mails schreiben. Viele Leute sind bereit zu helfen, die Frage ist nur wie und in welchem Umfang. Die meisten Leute helfen, wenn man eine gute Idee hat, die einen Anfang und ein Ende hat. Also es bringt nichts zu sagen: „Ja ich will das und das machen“, sondern klare Ziele setzen: Zu dem den Zeitpunkt, von dann und dann, mit so und so vielen Leuten, habe ich das und das vor. Ich möchte, brauche oder ich wünsche mir von ihnen etwas oder, dass ihr mich unterstützt und dafür mache ich beispielsweise Werbung für Sie. Es ist wichtig, dass man wirklich klare Aussagen treffen kann.

Ich habe bestimmt 100 E-Mails geschrieben und 10 Antworten gekriegt, aber es ist auch ganz normal und voll in Ordnung. Die Arbeit muss man da reinstecken. Da muss man sich dessen bewusst sein, dass so ein Projekt viel Arbeit kostet, aber wenn es einmal steht und dann auch so läuft, wie man sich es vorgestellt hat, ist es ein unglaubliches Gefühl. Ich kann es jedem ans Herz legen, Also, gute Leute suchen, die mitarbeiten, Leute, denen man vertrauen kann und dann sollte so einem Projekt eigentlich nichts im Wege stehen.

Frage 12: Anmeldemöglichkeit für das gemeinsame Pilgern und Kontakt

Frage:
Wie können sich interessierte Menschen für deine Pilgerwanderungen anmelden?

Antwort von Annelie:
Anmelden kann man sich ganz einfach, man geht auf meine Webseite http://www.gemeinsam-gegen-krebs.com oder man schreibt mir eine Nachricht bei Facebook oder eine E-Mail. Also egal wie, man kann sich ganz einfach bei mir anmelden, indem man auf irgendeinem Wege Kontakt zu mir aufnimmt, ich bin ja überall vertreten, auf Facebook, Instagram, Webseite, meine E-Mail Adresse und Telefonnummer. Man findet mich im Internet, wenn man meinen Namen googelt, da ploppe ich schon oben auf, oder „Annelie Voland pilgern“ am besten noch, dann kommt man gleich auf meine Webseite und kann sich einfach dort bei mir anmelden.

Wichtig ist nur, die Wanderung ist tatsächlich nur für krebsbetroffene Menschen, ich kann keine Angehörigen mitnehmen, da das Projekt über Fördergelder läuft und das Projekt auch so ausgerichtet ist, dass es für Krebspatienten gestaltet ist. Aber am letzten Tag jeder Wanderung kann die ganze Familie mitkommen, das ist noch wichtig zu sagen.

Okay, ich hoffe, ich konnte erstmal alle Fragen beantworten, ansonsten erreicht ihr mich immer über meine Webseite oder bei Facebook „mehr Bewegung und Sport bei Krebs“. Bei Facebook könnt ihr die Beiträge gerne liken, ansonsten könnt ihr meine Webseite http://www.gemeinsam-pilgern.com folgen. Ihr könnt mir auch eine E-Mail an Annelie Voland[at]web.de schreiben oder über meine Webseite das Kontaktformular nutzen.

Fotorechte: Annelie Voland, privat
Gelbe Stille, Fotorechte: Annelie Voland, privat

Ansonsten, wie sagen wir es so schön: „Der Weg wird dir das bringen, was du brauchst.“ Der Jakobusgeist ist immer mit uns. „Buen Camino!“, wünsche ich noch allen und einen wunderschönen Tag für euch, tschüss.

Dank und Abschied

Vielen herzlichen Dank Annelie, dass du dir die Zeit genommen hast, meine Fragen zu beantworten. Ich wünsche dir viel Erfolg für dein Projekt und deine Promotion. Buen Camino!

Einige ausgesuchten Antworten als Audiodateien:

Ich fand die Antworten von Annelie, die sie mir im Audioformat zugeschickt hatte, sehr lesenswert, aber auch sehr hörenswert. Aus diesem Grund möchte ich einige Ausschnitte mit euch teilen. Achtet bitte auf die Lautstärke.

Erfahrungen mit dem Jakobsweg

Dauer: 2:03 Minuten

Ausblick 2020

Dauer: 0:37 Minuten

Rat an jemand, der etwas Ähnliches ins Leben rufen möchte

Dauer: 2:37 Minuten

Abschied

Dauer: 0:49 Minuten

Kontakt auf einen Blick

Fotorechte: Alle Fotos in diesem Beitrag, auch das Titelfoto, hat mir freundlicherweise Annelie Voland zur Verfügung gestellt.

2 Kommentare zu „Pilgern für einen guten Zweck [2/2]

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  1. Hallo Dario, deine hoffnungweckende Geschichte, die du in Form eines Interviews erzählt hast, hat mich sehr begeistert und nachdenklich gemacht. Man muss schon einen besonderen Sinn für Ungewöhnliches haben, um so eine fantastische Idee als etwas Wertvolles zu erkennen und würdigen zu wollen. Man soll sich vorstellen können, welche Überzeugungskraft und Vertrauen die Projektleiterin aufbringen musste, um die Krebsbetroffene zu motivieren und zu animieren. Sie hat eine Vision und Überzeugung, dass dieses „Unmögliche“, sehr wohl möglich ist. Du hast dieser Vision, die fast einem fantastischen Traum ähnlich ist, durch deine Fragen eine sichtbare Form und Klarheit verschafft, so dass sogar andere Interessierte diesem wunderbaren Beispiel folgen können. Da hier wiederum die Rede von Begeisterung, Visionen und Träumern ist, erinnere ich mich an den Gedanken von Oscar Wilde:
    „Ja, ich bin ein Träumer, denn nur Träumer finden ihren Weg durchs Mondlicht und erleben die Morgendämmerung, bevor die Welt erwacht.“
    LG, Sophie Mai

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