Die Sinnsucher – 1. Akt

Ein Theaterstück in 3 Akten. Eine Hütte in schneebedeckten Bergen. Mehrere Personen suchen im Gasthaus „Bergkristall“ von Thea Faber Unterschlupf. Die Gäste warten darauf, dass der starke Schneefall nachlässt.

Figuren

  • Erzählerin: Beschreibt die Details, die nicht durch die Figuren genannt werden. Die Erzählerrolle kann auch durch audiovisuelle Inszenierung ersetzt werden.
  • Thea Faber: Wirtin, Besitzerin der Gaststätte in den Bergen. Kurze, graue Haare, einfache, praktische Kleidung.
  • Peter Labor: Businessman, Manager einer großen Firma, trägt exklusive Skikleidung, ansonsten teure Anzüge.
  • Marie Parens: Mutter, Ehefrau von Thomas, fürsorglich, liebt wie ihr Mann ihre Kinder über alles. Dunkelbraune, lange Haare, einfache Winterkleidung.
  • Thomas Parens: Vater, Ehemann von Marie Parens, ihre Kinder sind ihm ein und alles. Kurze, schwarze Haare, Vollbart.
  • Prof. Dr. Hubertus Sanatio: Der ehemalige Universitätsprofessor arbeitet als Tierarzt in der Gegend, er trägt einen einfachen Anzug unter seinem dicken Wollmantel. Braune Haare mit vereinzelten grauen Stellen.

Die Sinnsucher – Akt 1

1. Szene

Erzählerin:
„Der Geschäftsmann Peter Labor macht Pause von Skifahren. Er sitzt in der Berghütte „Bergkristall“ am Tresen und unterhält sich mit der Wirtin Thea Faber, die dabei Tassen und Gläser abwäscht.“

Thea Faber:
„Heute ist doch ein schöner Tag. Draußen schneit es, es ist sonnig. Ein Winter, wie ich ihn mag.“

Peter Labor:
„Sie haben Recht. Doch ich hoffe, dass der Schnee bald aufhört, ich konnte vorhin kaum etwas sehen. Und heute Abend muss ich zurück in meinem Hotel sein, um 20:00 Uhr habe ich noch eine Videokonferenz.“

Thea Faber:
(Überrascht)
„Heute? Heute ist doch Sonntag? Da arbeiten nur Wirtinnen wie ich und Taugenichtse.“

Peter Labor:
(Genervt)
„Wenn Sie nur wüssten. Der internationale Aktienmarkt kennt keine Pausen oder freien Tage. Hier haben Sie keine Internetverbindung?“

Thea Faber:
(lacht)
„Nein, guter Mann, hier gibt es so etwas nicht. Sie könnten Ihren Kollegen sagen, dass Sie den Termin nicht wahrnehmen könnten, weil Sie in den Bergen eingeschneit waren.“

Peter Labor:
(Atmet tief durch)
„Das gilt nicht als Entschuldigung. Was denken Sie, wie lange der starke Schneefall noch dauern wird?“

Thea Faber:
(Blickt aus dem Fenster)
„Schwer zu sagen. Gerade kann man draußen kaum etwas sehen. Die Schneestürme können hier in den Bergen eine Stunde oder mehrere Tage dauern.“

Peter Labor:
„Einen ganzen Tag? Mehrere Tage? Das ist nicht Ihr Ernst? Das hat mir noch gefehlt!“

Thea Faber:
(Schulterzuckend):
„Am besten, Sie akzeptieren die Lage, denn ändern können Sie sie nicht.“

Peter Labor:
„Ich sehe mir das am besten selber an!“

Erzählerin:
„Der Geschäftsmann öffnet entschlossen die Tür der Berghütte. Eine starke Schneewand drückt ihn zurück.“

Thea Faber:
„Was machen Sie für Faxen? Bleiben Sie hier. Am Ende müssen wir sie noch retten. Wir müssen geduldig sein.“

Peter Labor:
„Sie haben Recht, da kommen wir nicht so einfach raus.“

2. Szene

Erzählerin:
„Jemand öffnet die Tür. Eine Frau und ein Mann in Skikleidung treten mit Mühe hinein. Der Schneefall ist sehr stark.“

Marie Parens:
(Mit Nachdruck)
„Komm, Thomas, hier sind wir sicher.“

Thomas Parens:
(Jammernd)
„Ja, ja, ich komme ja schon.“

Peter Labor:
„Na, hat Sie der Schnee auch überrascht?“

Marie Parens:
(Pikiert)
„Überrascht? Nein, nicht unbedingt. Nur waren einige von uns zu langsam.“

Thomas Parens:
„Puh, du meinst, ich war zu langsam.“

Marie Parens:
„Reg dich doch nicht auf. Es gibt wichtigere Sachen. Unsere Mitzi wartet in unserem Hotelzimmer schon sehnsüchtig auf uns. Sie ist bestimmt ganz traurig.“

Thomas Parens:

(Zu Peter Labor)

„Dürfen wir uns zu Ihnen an den Tisch setzten?“

Peter Labor:
„Aber sicher, nur zu.“

3. Szene

Erzählerin:
„Wieder öffnet jemand die Tür. Ein Mann mit einem dicken Wollmantel tritt herein.“

Thea Faber:
(Erfreut)
„Doktor Sanatio, schön Sie zu sehen. Sie hat es also auch erwischt?“

Prof. Dr. Hubertus Sanatio:
(Schüttelt sich)
„Ja, dieses Wetter … Ich wollte zum Hof der Müllerschmidts. Dann hat mich das Unwetter erwischt und ich bin umgekehrt.“

Thea Faber:
„Was kann ich Ihnen anbieten?“

Prof. Dr. Hubertus Sanatio:
„Das ist ein Tag heute. Ich glaube, ich brauche was Stärkeres. Haben Sie Kräuterschnaps?“

Thea Faber:
(Bringt ein Schnapsglas.)
„Sicher. Bitte sehr.“

Peter Labor:
(Ungeduldig zu Wirtin)
„Werte Frau, können wir hier nichts tun? Mein Meeting fängt bald an.“

Thea Faber:
„Tut mir leid, Sie sehen doch, was hier los ist! Es wird minütlich schlimmer. Wir stecken hier fest. Am besten, Sie machen es sich hier gemütlich.“

Peter Labor:
„Gemütlich, ich soll es mir gemütlich machen? Liebe Frau, ich glaube Sie verstehen nicht, was hier auf dem Spiel steht. Mit jeder Stunde verliere ich bares Geld.“

Marie Parens:
(Bedrückt)
„Ihr Geld ist mir egal. Ich mache mir Sorgen um unsere Mitzi. Unsere arme Tochter. Hoffentlich kommt sie ohne uns klar.“

Prof. Dr. Hubertus Sanatio:
(Mitfühlend)
„Ich hoffe, Ihre Tochter befindet sich in guten Händen?“

Thomas Parens:
„Aber sicher. Sie ist bei der Großmutter.“

Marie Parens:
„Das ist aber nicht dasselbe. Es gibt nichts auf die Wärme des Elternhauses. Haben Sie Kinder, eine Familie?“

Prof Dr. Hubertus Sanatio:
„Ich? Um Gottes willen, nein, dafür habe ich keine Zeit. Die Wissenschaft ist meine Familie, würde ich sagen.“

Thea Faber:
(Anerkennend)
„Unser Professor ist ein hohes Tier. Wenn Sie etwas über die Tierwelt wissen möchten, dann sind sie bei ihm richtig.“

Peter Labor:
„Uff! Hören Sie auf mit diesem Geschwätz. Sagen Sie mir lieber, wie ich diese traurige Schänke verlassen kann.“

Prof Dr. Hubertus Sanatio:
„Diese Hoffnung muss ich Ihnen leider nehmen. Frau Faber hat Recht, wir sitzen hier erstmal fest. Ich komme gerade von da draußen. Alle Straßen sind zugeschneit und man kann nichts sehen. Jetzt rauszugehen wäre verrückt. Bleiben Sie hier sitzen, trinken Sie ihren Jagertee und alles wird gut.“

Erzählerin:
„Die Tür geht auf, das Heulen des Windes ist zu hören. Schneeflocken flattern in die Berghütte. Eine in einen braunen Mantel eingehüllte Gestalt betritt den Raum.“

Der Vorhang fällt. Ende des 1. Aktes.

Titelfoto: Schneelandschaft, Symbolfoto, Fotorechte: Dario schrittWeise

4 Kommentare zu „Die Sinnsucher – 1. Akt

Gib deinen ab

  1. Hallo Dario, ich bin sehr, sehr gespannt, was deine „Sinnsucher“ in dieser grauen, unsinnigen Zeit des Wahnsinns
    finden werden. Ich freue mich schon auf die Fortsetzung.
    LG, und alles Gute,
    Sophie Mai

    Gefällt 1 Person

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