The full circle [Kerry Way 3/3]

Das letzte Drittel des Kerry Fernwanderweges brachte mich schließlich wieder zurück nach Killarney, wo die Reise begann. „The full circle“ – hier schloss sich sprichwörtlich der Kreis bzw. der Ring (of Kerry). Der Fernwanderweg beginnt und endet in Killarney.

Drei weitere Etappen waren noch übrig. So lief ich von Caherdaniel über Sneem wieder zum Ausgangspunkt.

Unterwegs hatte ich wieder viele angenehme Begegnungen, fantastische Ausblicke, ein unerfreuliches Erlebnis in einem Pub und eine zauberhafte Kaffeepause. Doch lest selbst …

Meine Erinnerungen an Irland

Eine Karte der Wandergegend, die auch als „Ring of Kerry“ bezeichnet wird:

Karte der Kerry-Halbinsel

Etappe 7: Caherdaniel – Sneem

  • Datum: Freitag, 06.05.24
  • Entfernung: 15 Kilometer

Der Morgen war ruhig in Caherdaniel. Ich begann meine Etappe gewohnt gemütlich und nicht zu früh.

Nach dem Verlassen des Dorfes traf ich Pierre, den Wanderer aus Frankreich, mit dem ich mich am Abend im Pub unterhalten hatte. Ich sagte ihm scherzhaft, dass er mich an den Schauspieler Mark Strong erinnerte.

An einer Stelle trennten sich unsere Wege. Pierre nahm den bergigen Abschnitt, ich entschied mich für den Küstenweg, um das Meer im Blick zu behalten.

Später traf ich ein älteres französisches Paar. Ihr Wohnwagen hatte eine Panne und jetzt machten die beiden Spaziergänge in der Umgebung bis sie ihren Weg fortsetzen können.

Einige Kilometer später kam ich zu einer Steinbank, die vermeintlich Wünsche erfüllt. Zumindest laut einer Schiefertafel. Natürlich musste ich die Gelegenheit ergreifen und setzte mich darauf. Ein junges Paar aus Deutschland holte mich ein. Sie schlugen mir vor, ein Foto von mir zu machen, weil sie die Situation mit der Bank ebenfalls amüsant fanden. Ich gab ihnen mein Smartphone und sie fotografierten mich.

Den Rest der Tagesetappe lief ich an einem Stück. Ich überholte das junge Pärchen, das gerade eine Pause eingelegt hatte. Nach einem kurzen Plausch lief ich weiter.

In einem Tal erheiterte mich eine weitere Figur, die jemand auf einem Stein aufgestellt hatte. Es war ein Männlein aus Blumentöpfen und einer Bierdose. Das Männlein hielt eine Tafel, auf der stand, dass es nicht darum geht, mehr Zeit zu haben, sondern der vorhandenen Zeit mehr Gehalt zu geben.

Schließlich kam ich in Sneem an. In dem Ort war es schwierig gewesen, kurzfristig eine Unterkunft zu finden. So musste ich in einer Ferienwohnung oberhalb eines Fish-and-Chips-Imbisses übernachten. Sie entpuppte sich aber als mehr als zufriedenstellend.

Ich spazierte durch den Ort und aß später in einem Fischrestaurant zu Abend.

Etappe 8: Sneem – Kenmare

  • Datum: Freitag, 07.05.24
  • Entfernung: Kilometer

Für den nächsten Morgen verabredete ich mich Madeleine und Hannes. Sie übernachteten in einer Herberge, die sich einige Kilometer vor Sneem befand. Wir trafen uns nach dem Frühstück am Marktplatz von Sneem.

Es war angenehm, in guter Gesellschaft zu wandern. Wir verstanden uns gut und kamen gemeinsam schneller voran.

Kaffeepause mit Einheimischen

Am Nachmittag hatten wir eine besondere Begegnung. Wir haben uns überlegt, dass es schön wäre, in einem Café Pause zu machen. Wir fragten zwei Einheimische, ob sie für uns einen Tipp hätten.

Doch die beiden Freundinnen sagten, dass es auf unserer Strecke keine Gelegenheit geben würde. Kurzerhand haben sie uns angeboten, bei ihnen Kaffee zu trinken. Sie kehrten um und liefen mit uns zu ihrem Haus. Dort spendierten sie uns Kaffee. Wie unglaublich freundlich! Wir wollten ihnen etwas dafür geben, doch sie lehnten strickt ab. Wir hinterließen noch einen Dankeszettel zurück, mit dem Hinweis, dass dies unsere Vorstellung von Irland sei.

Der späte Nachmittag

Die Etappe war sehr lang und wir kamen gehörig ins Schwitzen. Wir liefen am Ufer der Bucht von Kenmare entlang.

Da sich die Etappe sehr hinzog, riefen wir in der städtischen Herberge von Kenmare an, in der wir Betten im Gemeinschaftsschlafsaal reserviert hatten. Wir hatten ein wenig Sorge, zu spät anzukommen und vor der verschlossenen Tür zu stehen. Bei den ausgebuchten Unterkünften in der Umgebung wäre das nicht so gut gewesen.

Am Ende kamen wir tatsächlich ca. 30 Minuten nach dem regulären Schließzeit in Kenmare an. Die Verantwortliche wartete aber freundlicherweise auf uns.

Der Abend in Kenmare

Interessant fand ich eine „Plauder“-Bank („Happy to chat bank“). Auf diese konnte man sich hinsetzen, wenn man Lust hätte, mit jemand zu reden.

Den Abend ließen wir in einem Pub ausklingen. Hier trafen wir eine Gruppe englischer Motorradfahrer, die in Irland eine Tour am Ring of Kerry gemacht haben. Bisher hatte ich nur positive Erfahrungen in den irischen Pubs, doch leider war das an dem Abend nicht so. Die Gruppe war ziemlich aufdringlich und ordinär, so dass wir uns bald verabschiedeten. Ohnehin waren wir alle müde vom langen Tag.

Etappe 9: Kenmare – Killarney

  • Datum: Freitag, 08.05.24
  • Entfernung: 25 Kilometer

Am letzten Morgen auf dem Kerry Way frühstückte ich in Ruhe in der Innenstadt von Kenmare. Dort traf ich auf der Straße einen der Motorradfahrer, die wir gestern im Pub kennengelernt hatten. Wir grüßten uns knapp und gingen unserer Wege.

Eine spezielle Notiz zog meine Aufmerksamkeit. Damit wollten die Urheber:innen auf eine Initiative für Hilfe bei Selbstmordgedanken hinweisen. Traurig fand ich den Teddybären, der daneben hing. Was wohl die Geschichte hinter dieser Initiative war?

Beim Verlassen des Ortes traf ich Hannes. Ich lief den großen Teil des Tages mit ihm. Wir mussten noch einen Umweg machen, weil der Wanderweg an einer Stelle wegen Bauarbeiten gesperrt war.

Hannes erzählte mir von seiner großen Liebe für Irland. Sein Traum wäre es, eines Tages nach Irland zu ziehen und eine Reiseagentur zu eröffnen.

Wieder im Killarney National Park

Hannes und ich begegneten im Killarney National Park einem Fernwanderer, der sich für besondere Plätze in Irland interessiert hatte. Er erzählte uns von Menhiren und Steinkreisen, von alten Grabhügeln und Burgen der Kelten, die er auf seiner Fernwanderung durch Irland gesehen hatte. Hannes berichtete ihm von seinen Erlebnissen und ich von New Grange.

Unterwegs holten wir Madeleine und Braden ein. Madeleine lief mit ihm, weil er sie nach Cork mit seinem Auto mitnehmen würde und dort wollte sie die Fähre nach Frankreich nehmen. Den Rest der Strecke legten wir gemeinsam zurück.

Kurz vor dem kleinen Wasserfall, an dem ich bereits am ersten Tag vorbeigekommen war, trafen wir eine geführte Wandergruppe. Wir unterhielten uns mit der Gruppenleiterin über den Wanderweg.

Wir machten später natürlich ein obligatorisches Gruppenfoto vor dem großen Torc-Wasserfall.

Das Anwesen und die Ruine des ehemaligen Klosters Muckross Abbey

Im Anwesen Mucross House machten wir eine Pause. Nach einem kleinen Spaziergang durch die riesige Gartenanlage setzten wir uns in das Café des Anwesens. Das ehrwürdige Gemäuer erinnerte mich an die britische Serie Downtown Abbey.

Nach der Pause verabschiedeten Hannes und ich uns endgültig von Madeleine und Braden, weil Madeleine ihre Fähre in Cork erwischen musste.

Hannes und ich gingen zur Klosterruine Muckross Abbey, die sich in der unmittelbaren Nachbarschaft befand. Wir nahmen uns Zeit für die Besichtigung. Am beeindruckendsten fand ich den riesigen alten Baum im Innenhof des ehemaligen Franziskanerklosters. Hier sieht man, wie die Natur sich ihren Lebensraum zurücknimmt, wenn ihr der Mensch nicht mehr oder nur teilweise im Weg steht.

Die Rückkehr nach Killerney

Von der Klosterruine war es nicht mehr weit bis Killarney. Ich verabredete mich mit Hannes zum Abendessen und wir gingen jeweils in unsere Hotels, um uns frischzumachen.

Im Hotel bekam ich meine Sachen zurück, die ich dort vor neun Tagen zur Aufbewahrung abgegeben hatte. Das gehört zu den Vorteilen von Wanderwegen, die im gleichen Ort enden, wo sie beginnen.

Am Abend traf ich Hannes in einem Pub in Killarney. Wir aßen gemeinsam zu Abend und schauten, fast schon klischeehaft, ein Fußballspiel mit deutscher Beteiligung. Später verabschiedeten wir uns voneinander, weil wir beide unterschiedliche Reiseziele und Abfahrtszeiten hatten.

Am nächsten Tag kehrte ich mit dem Zug nach Dublin zurück. Mit dem Bus konnte ich leider nicht fahren, denn der Busfahrer erklärte mir, dass er dieses Mal nur Leute nehmen könnte, die online gebucht hatten, was ich zwar seltsam fand, jedoch nicht ändern konnte.

Eine der Geschichten, die ich in der irischen Hauptstadt erlebt hatte, könnt ihr in diesem Beitrag lesen.

The Kerry Way

Den Kerry Way fand ich insgesamt abwechslungsreich. Durch den Bekanntheitsgrad ist unterwegs viel los, auch wenn man außerhalb der Hauptsaison wandert. Die Infrastruktur ist gut ausgebaut, ich empfehle jedoch eine Vorreservierung, je früher desto besser. Manche Wander:innen hatten mehrere Monate vorher gebucht.

Für den Monat Mai hatte ich vergleichsweise Glück mit dem Wetter, denn ich hatte mit viel mehr Regen gerechnet.

Der Kerry Wanderweg ist gut machbar, es gibt mehrere Steigungen, aber ich fand es nicht übermäßig schwierig. Wer es gemütlich mag, dem kann ich empfehlen, der Gesamtstrecke ein bis zwei Etappen zu den empfohlenen 9 Tagesetappen hinzuzufügen.

Quellen

Titelfoto: Unterwegs auf dem Kerry Way, Rechte: Dario Schrittweise

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