Unvermittelt taucht eine Gleisanzeige vor mir auf. „Gleis 3“ steht auf der Anzeigetafel. Und das Ziel des vermeintlich einfahrenden Zuges ist Bonassole in Ligurien, wie es auf der Tafel steht.
Die Endstation Bonassole ist eine kleine italienische Gemeinde mit weniger als 1.000 Einwohner:innen. Der Ort weckt Fernweh, insbesondere an solchen kalten und nebligen Tagen. Bonassole liegt am Mittelmeer, ein Sandstrand lädt zum Baden ein. Es ist ein Sehnsuchtsort, der für Entspannung und die Dolce Vita, das süße Leben steht.

Der schnurgerade Weg, an dem die Gleisanzeige steht, erinnert auch an Schienen. Kein Wunder, denn hier ist früher eine Strecke der Güterverbindung verlaufen. An dieser Stelle hat sich früher von 1899 bis 2008 der Güterbahnhof Nürnberg Nord befunden. Es ist wirklich ein vergessener Bahnhof.
Die fiktive Gleisanzeige ist eine Aktion des Künstlers Alexander Laner (*1974 in München). Die Installation ist eine Zugziel-Faltblattanzeige aus dem Jahr 2020.
Ich stelle mir vor, wie der Schaffner am Gleis 3 die Passagiere zur Eile mahnt: „Alle einsteigen! Gleich fährt der Zug ab.“ Die imaginären Reisenden steigen in den Geisterzug. Typische Bahnhofsszenen spielen sich ab: Vorfreude über die Urlaubsreise, aber auch der Abschiedsschmerz von Liebespaaren oder Familienmitgliedern begleiten die Abfahrt des Zuges. Am liebsten würde ich ebenfalls in den Zug steigen und mitfahren.
Die Signalpfeife der Dampflok ertönt, der Zug fährt los. Nach wenigen Augenblicken verschwindet er in der Ferne, auf dem Weg nach Bonassole.
Titelbild
Foto: Der vergessene Bahnhof, Rechte: Dario Schrittweise
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