Das Goldene Gässchen von Prag – eine Reisenotiz

Alchemisten und Goldschmiede haben in der Gasse gewirkt, Kafka hat zwischenzeitlich hier gewohnt und mit viel Fantasie können wir uns Golem vorstellen, wie er in einem der Häuser verschwindet. Wer würde es vermuten, dass diese schmale Gasse mir krummen Häusern und Kopfsteinpflaster etwas Besonderes ist?

Wer an Prag denkt, dem kommen in erster Linie die berühmte Karlsbrücke, der Hradschin oder die astronomische Uhr in den Sinn. Auch die legendären Kaffeehäuser sind gedanklich präsent, historische Begegnungsstätten von Künstler:innen, Politiker:innen und Student:innen. Doch es gibt eine weitere sehenswerte Ecke in der tschechischen Hauptstadt, die inmitten der touristischen Route, kurz vor dem Hradschin, der Prager Burg, liegt. Es ist eine kleine, fast unscheinbare Gasse, die viele achtlos durchqueren. Und doch genießt sie einen sagenumwobenen Status.

Bei meinem letzten Besuch in Prag vor einigen Jahren habe ich das Glück gehabt, einen Moment ohne Menschen zu erhaschen. Kurz vorher und gleich danach hat das Goldene Gässchen vor Besucher:innen nur so gewimmelt.

Im Goldenen Gässchen haben im Mittelalter Alchemisten nach dem Stein der Weisen und der Formel für die Umwandlung von unedlen Metallen in Gold gesucht. Diese Aufgabe hat ihnen der tschechische König Rudolf II erteilt. Er hat zwischen 1576 und 1612 auch als Kaiser des Heiligen Römischen Reichs regiert.

Die Häuser haben im 16. Jahrhundert zunächst als Quartiere für die Burgwachen gedient. Die Gasse ist auch ein Teil der Burgmauer. Nach den Wachen sind einfache Menschen in die windschiefen Häuser eingezogen. Da viele von ihnen Goldschmiede gewesen sind, haben die Prager vermutlich die Gasse nach ihnen benannt. In einem der Häuser wohnte zwischenzeitlich eine Wahrsagerin. Auch Widerstandskämpfer im Zweiten Weltkrieg haben hier ihren Unterschlupf gefunden.

Die Gasse hat mehrere prominente Bewohner:innen gehabt, beispielsweise den Literaturnobelpreisträger Jaroslav Seifert, der dort bis 1929 gelebt hat. Und Franz Kafka hat von 1916 bis 1917 im Haus mit der Nummer 22 gewohnt und gearbeitet. Damals ist er noch bei der Prager Arbeiter-Unfallversicherungsanstalt tätig gewesen. Der Name der Behörde erinnert an eine von Kafkas Erzählungen.

Heute sind in den bunten Häusern der berühmten Gasse Museen, Ausstellungsräume, Cafés und kleine Läden untergebracht. In den oberen Stockwerken sind mittelalterliche Waffen und Rüstungen ausgestellt.

Wir wissen nicht, ob die Alchemisten den Stein des Weisen gefunden oder Metall in Gold umgewandelt haben. Doch das Goldene Gässchen ist bis heute ein bemerkenswerter Ort in der tschechischen Hauptstadt geblieben.

Quellen

Titelfoto: In der Goldenen Gasse, Rechte: Dario Schrittweise
https://prag.de/goldenes-gaesschen-in-prag/ (zuletzt abgerufen am 28.9.24)
https://praguetouristinformation.com/sehenswuerdigkeiten/burg/goldenes-gasschen (zuletzt abgerufen am 28.9.24)

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2 Antworten auf „Das Goldene Gässchen von Prag – eine Reisenotiz

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  1. Ein interessante Begriff ,
    die Stadt ist attraktiv.
    diese kleine Häuser hätte ich gerne sehen.
    Kafka ist auch in Japan sehr bekannt.
    Die Verwandlung habe ich gelesen (auf japanisch)
    Auf Deutsch von dem Titel habe ich auch ein Buch, aber ich lese es leider noch nicht 🙂

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