Mit Riemenschneider unterwegs [Taubertalwanderweg 1]

Auf steilen Weinhängen überragt die mittelalterlich anmutende Stadt ein Tal, durch welches sich ein Fluss schlängelt. Eine markante Steinbrücke überspannt den Flusslauf. Jahrhunderte alte Mühlen nutzen die Strömung des Flusses. Mehrere Wanderwege kreuzen sich in diesem Tal. Diese Bilder kommen mir in den Sinn, wenn ich an den Taubertal bei Rothenburg ob der Tauber denke.

Ich habe schon einige Zeit darüber nachgedacht, einen der bekanntesten Wanderwege zu erkunden, die sich unterhalb von Rothenburg kreuzen: den Panoramawanderweg Taubertal. Letztes Jahr war es endlich so weit. Im Herbst 2020 wanderte ich auf dem Weg, der in Rothenburg ob der Tauber beginnt und in Freudenberg am Main endet. Der 133,4 km langer Fernwanderweg zählt seit 2012 zu den „Qualitätswegen Wanderbares Deutschland“.

Ein weiterer Grund für die Wahl des Weges waren die Kunstwerke, die man entlang der Strecke besichtigen kann. Insbesondere die Kunst von Tilman Riemenschneider fand ich ansprechend. Riemenschneider, der aus Franken stammte und mehrere Jahre im Taubertal lebte und arbeitete, schuf in der Gegend viele Kunstwerke, die heute frei zugänglich sind.

Anreise nach Rothenburg ob der Tauber

Am 19.10.2020 reiste ich aus Nürnberg mit dem Zug an. Es war ein fast vergessenes Gefühl, weil die Reisezeit zu den Ausgangspunkten meiner längeren Wanderungen bisher meistens viel länger dauerte. Doch in diesem Jahr war bekanntermaßen alles anders.

Am Fluss und in der Kirche St. Peter und Paul in Detwang

Da ich mir die Werke von Riemenschneider ansehen wollte, die entlang des Weges gibt, informierte ich mich vorab über die Öffnungszeiten. Drei von vier möglichen waren für mich auf dem Weg frei zugänglich. Nur die Klosterkirche von Rothenburg war zu dem Zeitpunkt nicht geöffnet.

Kirche St. Peter und Paul in Detwang

Am Abend machte ich einen ausgedehnten Spaziergang entlang der Tauber. Hier folgte ich dem Mühlenweg nach Dettwang, wo ich mir in der St.-Peter-und-Pauls-Kirche den Heilig-Kreuz-Altar von Tilman Riemenschneider angesehen habe. St.-Peter-und-Paul gilt als die älteste Kirche des Taubertals. Mehr über die Kirche und den Riemenschneider-Altar habe ich im Blogbeitrag über das Retabel geschrieben.

Danach lief ich durch die Straßen und auf der Stadtmauer von Rothenburg, was Erinnerungen an meine früheren Besuche weckte, insbesondere im Rahmen meiner Pilgerschaft, die mich durch die historische Stadt an der Tauber führte.

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Etappe 1: Rothenburg ob der Tauber – Tauberzell

  • Datum: 20.10.2020
  • Entfernung: 12 Kilometer + Umweg zum Oppidum

Am nächsten Tag begann ich „offiziell“ meine Wanderung entlang der Tauber. Ich sah mich noch einmal in der Altstadt um. Ich lief noch einmal zu einer der bekanntesten Sehenswürdigkeiten von Rothenburg ob der Tauber, dem sogenannten „Plönlein„. Es bedeutet übersetzt „Kleiner Platz am Brunnen“. Das Plönlein besteht aus mehreren Gebäuden, dem Brunnen, dem schiefen Fachwerkhaus dahinter sowie den beiden Türmen, links der Siebersturm und rechts der Kobolzeller Torturm von 1360. Plönlein soll auch als Inspiration für die Architektur in Walt Disneys Zeichentrickfilm „Pinocchio“ (1940) gedient haben.

Am Plönlein

Zwischendurch stattete ich der Jakobskirche einen Besuch ab. Hier bewunderte ich das prächtige Heilig-Kreuz-Altar von Riemenschneider. Dieses Mal musste ich für den Eintritt in die Kirche bezahlen. Ich erinnerte mich an meinen Besuch als ich als Pilger auf dem Jakobsweg von Nürnberg nach Konstanz in die Kirche gekommen bin. Damals durfte ich kostenlos eintreten.

Ich ließ mir am Vormittag recht viel Zeit in Rothenburg, denn ich hatte insgesamt nicht viel Eile. Die Stadt verließ ich durch den Burggarten. Ich lief über den bekannten Steig nach Dettwang, wo offiziell der Panorama Wanderweg Taubertal beginnt. In Dettwang traf ich zwei Wanderinnen, die vor der verschlossenen Kirche standen. So wäre es mir ergangen, wenn ich nicht am Tag zuvor hingegangen wäre.

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Ab hier folgte ich weitestgehend dem Fluss Tauber, welcher ungefähr 15 km südwestlich von Rothenburg in Baden-Württemberg entspringt. Nach 131 km und ca. 30 Höhenmeter mündet der Fluss bei Wertheim in den Main. Am Fluss wurden im Laufe der Zeit viele Mühlen und Triebwerke gebaut, alleine rund um Rothenburg ob der Tauber habe ich mehrere gesehen.

Keltisches Oppidum

Am Nachmittag hatte ich noch Zeit, um mir die Reste des keltischen Oppidums anzusehen, was eine zusätzliche Schleife bedeutete. Dafür verließ ich den offiziellen Weg zwischen Tauberscheckenbach und Tauberzell, im Creglinger Stadtteil Finsterlohr. Ich lief auf die Muschelkalkhochebene, auf welcher sich einst die Stadtanlage aus der spätkeltischen Zeit befand. Sie gilt mit einer Ausdehnung von 123 ha als eine der größten keltischen Anlagen westlich der Alpen. Die Höhepunkte sind die rekonstruierte Pfostenschlitzmauer und das Keltenhaus. Die Ausgrabungsstätte erkundete ich auf einem historischen Lehrpfad von 2,5 Kilometer.

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Am späten Nachmittag erreichte ich den Weinort Tauberzell, in dem noch vor 800 Jahren Weinbau betrieben wurde. Die kleine Siedlung besteht aus einer Handvoll Fachwerkhäusern, Hecken- und Straußenwirtschaften, von dem ich die Hautschenmühle am interessantesten fand. Die Bewohner:innen errichteten ein Denkmal für die regionale Autorin Gertrud Schubart. Ein Zitat neben der Skulptur einer Müllerin erinnert an ihr Werk:

„Das Räderspiel der Mühle ist verstummt, kein Korn, kein Mehl wird mehr getragen, nur noch der Mühlbach – eingemoost – träumt von den längst verklungenen Tagen“

Gertrud Schubart

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In Tauberzell übernachtete ich in einem Gasthof, der in einem ehemaligen Bauernhof untergebracht ist. Wegen des Feiertags musste ich in Absprache mit den Servicekräften einen Code eingeben, um mein Zimmer zu beziehen.

Etappe 2: Tauberzell – Creglingen

  • Datum: 21.10.2020
  • Entfernung: 12 Kilometer + Abstecher zur Herrgottskirche

Am nächsten Morgen frühstückte ich im Gasthof. Ich freute mich, dass ich den Tag nicht ganz alleine beginnen muss. Auch für den zweiten Tag hatte ich eine kurze Etappe geplant, weil ich in Creglingen noch einen kleinen Umweg von ca. 4 Kilometern bis zur Herrgottskirche eingeplant hatte.

Mit einem eher herbstlichen Wetter verließ ich Tauberzell. Die Tagesetappe war vergleichsweise einfach, mit einem gleichmäßigen Profil. Nach einigen gemütlichen Stunden kam ich bereits zu einer Anhöhe, von welcher ich einen guten Blick auf Creglingen hatte.

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Creglingen

In Creglingen ging ich zuerst in die Herrgottskirche, um mir das Marienaltar von Til Riemenschneider anzusehen. Da sich die Kirche ein wenig außerhalb des Ortes befindet, lief ich noch ca. 2 Kilometer hin und wieder zurück. Den Besuch des sogenannten Creglinger-Altars sehe ich als den Höhepunkt der zweiten Etappe an. Gegen 13:30 Uhr kam ich in der Herrgottskirche an. Sie befindet sich im Tal des Herrgottsbaches. Wer zuerst diesen Namen bekommen hat, ob die Kirche oder der Bach, ist mir nicht bekannt.

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Da ich über den Marienaltar aus der Herrgottskirche noch einen Beitrag machen möchte, werde ich hier nicht viel dazu schreiben. Das Marienretabel gehört zu den bedeutendsten Schnitzarbeiten von Tilman Riemenschneider. Darin werden um die Marienfigur herum in mehreren kleineren Bildern die Hauptstationen aus dem Leben Mutter Jesus Christus erzählt.

Nach dem Aufenthalt in der Herrgottskirche machte ich eine kleine Pause im Café gegenüber. Dort stellte sich heraus, dass der Besitzer ein Mann mit Sehbehinderung ist, der durch Berichterstattung in Medien überregionale Berühmtheit erreicht hatte.

In der Nähe der Herrgottkirche lädt das Fingerhutmuseum zum Verweilen ein. Ich zog es jedoch vor, wieder zurück nach Creglingen zu laufen.

Creglingen habe ich mir etwas größer vorgestellt, aber dennoch gefiel mir das sehenswerte Städtchen. Die Altstadt besteht im Grunde aus wenigen Straßen und Plätzen, die im Tal der Tauber zusammenkommen und die anderen Stadtteile sind auf den umliegenden Bergen verteilt. Ich übernachtete in einer Ferienwohnung.

Bisher lief ich durch Franken auf der bayerischen Seite. Kurz vor Creglingen überquerte ich die Verwaltungsgrenze zwischen Bayern und Baden-Württemberg. Doch ich befand mich weiterhin in Franken.

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Am Abend sah ich mich in Creglingen um. Creglingen ist eine kleine Stadt im Landkreis Main-Tauber-Kreis. Die Gemeinde mit ungefähr 2500 Einwohnerinnen und Einwohnern stand meistens im Schatten ihrer Nachbarstadt Rothenburg ob der Tauber. Im Jahr 1349 erhielt Creglingen Stadtrechte.

Früher umringte eine Mauer die Stadt. Davon zeugen heute noch drei Wehrtürme und einige Überreste der Stadtmauer. Zwei der Türme können als Ferienwohnungen gemietet werden. Leider hatte ich das erst im Ort herausgefunden, als ich bereits meine Ferienwohnung für die Nacht bezogen hatte, sonst hätte ich bestimmt versucht, in einem der Türme zu übernachten.

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Zu den Höhepunkten meiner Besichtigung gehörten die Reste der historischen Stadtmauer mit den Türmen, mehrere Fachwerkhäuser, die Alte Apotheke sowie das Romschlößle mit der Stadtbibliothek und einem Rosengarten.

Als ich in der Stadt Fotos gemacht hatte, fragte mich ein Mann, ob ich daraus Postkarten oder Kalender machen würde. Er hielt einen anderen Mann, der zufällig zur gleichen Zeit Fotos machte, und mich für ein Team. „Es hätte ja sein können …“, fügte er hinzu, als ich leicht verwundert, doch mehr belustigt, wissen wollte, wie er darauf kommen würde.

Nach einem leckeren Abendessen in einer Pizzeria kehrte ich schließlich in meine Ferienwohnung zurück.

Quellen

Titelfoto: In Rothenburg ob der Tauber, Fotorechte: Dario schrittWeise
https://www.rothenburg-tourismus.de/entdecken/top10-sehenswuerdigkeiten/das-ploenlein/ (zuletzt abgerufen: September 2021)
https://www.liebliches-taubertal.de/Staedte-Gemeinden/Adelshofen.html (zuletzt abgerufen: September 2021)
https://www.creglingen.de/de/tourismus-freizeit/sehenswertes-auflugsziele/sehenswuerdigkeiten-museen/herrgottskirche-creglingen (zuletzt abgerufen: September 2021)

10 Kommentare zu „Mit Riemenschneider unterwegs [Taubertalwanderweg 1]

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