In der letzten Fortsetzung fiel Alrond mehrere Meter tief in den Abgrund und landete auf einem Felsvorsprung. Sein Freund Wad verschwand in den Rauchschwaden unter ihm. Alrond konnte ihn nicht retten. Der Lavastrom stieg und er rettete sich in einen unterirdischen Höhlentunnel. Auf der anderen Seite gelangte er in ein Höhlengewölbe mit einem unterirdischen Lavasee. Mehrere Männer und Frauen in sonderbaren Rüstungen arbeiteten auf einer Insel im Lavasee. Er beschloss, die Rüstung eines Arbeiters als Verkleidung zu nehmen.
Die Erzählung „Die Halle der Eisglut“ ist der sechste und letzte Teil der Reihe „Geschichten aus dem Blauen Nebelgebirge“.
Was bisher geschah
- Übersicht
- Das Schwarzfeuer [5.5.]
- Die Halle der Eisglut [6.1]
- Die Halle der Eisglut [6.2]
- Die Halle der Eisglut [6.3]
Die Halle der Eisglut: Kristallsphäre [6.4]
Alrond griff nach einem Stein. Sobald der Arbeiter an seinem Versteck vorbeilief, warf er den Stein auf den Mann. Der Stein prallte vom Helm ab. Doch der Schlag reichte nicht aus.
„Verdammt!“, fluchte der Arbeiter. „Wer war das?“ Er drehte sich um. In seiner Hand hielt er einen Hammer. Er suchte die Höhle ab.
Das war wohl zu schwach. Alrond seufzte. Der Helm bot dem Arbeiter guten Schutz. Alrond sprang auf ihn. Der Gepanzerte fiel um.
„Du Elender!“ Der Mann schlug im Liegen mit dem Hammer um sich. Doch er sah unbeholfen aus, wie eine Schildkröte, die auf den Rücken gefallen war. „Ich kriege dich!“
Geschickt wich Alrond den Schlägen aus. Mit einem Fußtritt schlug er seinem Gegner sein Werkzeug aus der Hand. Er griff nach dem Helm.
Der Arbeiter traf Alrond mit der Faust in die Magengegend.
Ein Schmerz durchfuhr Alrond. Jetzt nicht nachlassen. Dem nächsten Schlag wich er aus. Er zog seinem Kontrahenten den Helm aus.
Der kahlköpfige Mann blickte ihn wütend an. „Na, warte, dich kriege ich noch!“ Er versuchte aufzustehen.
Mit voller Wucht schlug Alrond mit dem Helm gegen den Kopf des Arbeiters.
„Du Mistkerl!“, schrie der Getroffene.
Erneut holte Alrond aus. Der nächste Schlag saß. Der Mann fiel um und rührte sich nicht mehr. Alrond lauschte auf dessen Atem. Der Mann atmete regelmäßig. Alrond wollte sicherstellen, dass er nur bewusstlos war. Er zog ihn aus und schlüpfte in den Panzer des Arbeiters. Ein wenig zwickte er hier und da. Und dieser Schweißgeruch erst! Doch jetzt war keine Zeit für Befindlichkeiten.
Seine Bewegungsfreiheit war durch die Rüstung stark eingeschränkt, doch er konnte gut damit laufen. Mit jedem Schritt klapperten die Platten. Alrond kehrte in das Höhlengewölbe zurück. Er folgte dem Pfad, der um den Lavasee führte. Die Luft war heiß. Die Seeoberfläche blubberte.
Der Weg endete unvermittelt. Vor ihm war eine Barke am Ufer angebunden. Er stieg hinein. Jetzt bloß die Balance halten. Er stach mit dem Paddel in die Lava. Was war das für ein Material, das dem geschmolzenen Gestein trotzte?
„Hey! Wo gehst du hin? Zurück an die Arbeit!“ Die Maskerade funktionierte wohl zu gut. Eine Kollegin hielt ihn für den Bewusstlosen. „Du wolltest nur eine kurze Pause machen. Wir haben noch viel zu tun.“
„Gleich“, murmelte er undeutlich, um sich nicht zu verraten. Er paddelte weiter. Das Boot schaukelte auf dem brodelnden Magma.
„Dann aber schnell!“ Die Arbeiterin sah ihm kurz nach und widmete sich gleich wieder ihrer Tätigkeit.
Leise atmete er tief durch. Fast hätte sie ihn entlarvt. Hoffentlich würde er ohne Probleme weiterkommen.
Er erreichte die andere Uferseite. Geschickt sprang er aus dem Boot auf den Boden, der aus dem abgekühlten Lavasediment bestand. Hinter einem Felsen sah er ein Tor.
Was war das? Alrond sah den Faden von Ariadne. Wenn er dem Faden folgte, dann würde er hoffentlich seine Begleiter treffen. Wenn sie noch lebten. Er hob den Faden auf. Er leuchtete in der Dunkelheit.
Alrond erreichte eine riesige unterirdische Kammer. Sie bestand aus zwei gegenüberstehenden Reihen von Säulen. Die Wände waren über und über mit Kristallen übersät. Sie waren unterschiedlich groß.
Diese Säulen, sie glommen. Alrond berührte fasziniert eine der durchsichtigen Pfeiler. War das die Halle der Eisglut, die sie gesucht hatten?
In der Mitte des Raumes schwebte eine durchsichtige Kristallsphäre mehrere Zentimeter über den Boden. Wie ein Diamant breitete sie sich vor seinen Augen aus. Sie flog langsam nach oben. In der Sphäre sah er schemenhafte Umrisse. Waren es Lyssea und die anderen? Er musste es herausfinden. Der Rote Faden der Ariadne endete in einer Öffnung der Sphäre.
Plötzlich hörte er hinter sich Stimmen. Die Arbeiter entdeckten wohl ihren bewusstlosen Kameraden.
„Da ist der Eindringling!“, rief der halbnackte Arbeiter. Alrond bereute es, ihn nicht kräftiger erwischt zu haben. So ist er zu schnell wieder zu sich gekommen. „Ergreift ihn!“
Fünf Arbeiter stürmten in die Halle. Sie hielten ihre Werkzeuge bedrohlich in den Händen.
Jetzt bloß weg hier! Geistesgegenwärtig fing Alrond ein Ende des Zaubergarns und ließ sich von der Sphäre hochziehen. Er hing in der Luft. Hoffentlich konnte er sich gut festhalten.
Seine Verfolger schrien unter ihm, konnten ihn jedoch nicht mehr erreichen. Ein Hammer verfehlte knapp seinen rechten Fuß.
Der Zauberfaden glühte unter seinen Händen. Zentimeter für Zentimeter kletterte Alrond hinauf.
Aus einer Öffnung in der Kristallsphäre beobachtete ihn der Mann mit der Ledermaske. „Du schon wieder! Du hättest nicht kommen dürfen.“ Er entstieg aus der fensterartigen Öffnung, ergriff den Faden und kletterte Alrond entgegen. „Wir werden sehen, wie gut du dich festhalten kannst.“
Die Kristallsphäre stieg höher und höher. Sie näherte sich der Krateröffnung. Darüber konnte Alrond den Himmel erkennen.
Fortsetzung folgt
Titelbild
Foto: Die Kristallsphäre, Rechte: Dario Schrittweise
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