Petrus, Sixtus und Michelangelo – Vatikanische Reisenotizen

Der Vatikan gehört zu den kleinsten europäischen Ländern. Es ist ein kurioses Gefühl, in einer Stadt eine Landesgrenze zu überqueren. Aber es ist tatsächlich so, der Vatikan ist ein souveräner Staat innerhalb Italiens. Wir haben auch erfahren, dass es nicht so einfach ist, in den Petersdom zu kommen, doch am Ende ging es schneller als befürchtet.

Unsere Erlebnisse habe ich in mehreren Reisenotizen, kleinen literarischen Skizzen, festgehalten.

Vatikanische Reisenotizen

Insgesamt sind wir während unseres Rombesuches zwei Mal im Vatikan gewesen, weil das Gelände einfach riesig ist. An einem Tag sind wir in den Vatikanischen Museen und in der Sixtinischen Kapelle und am nächsten im Petersdom gewesen.

Das Heilige Jahr

Wir sind 2025 in Vatikan gewesen und das ist das sogenannte Heilige Jahr oder das „Jubeljahr“ gewesen, das alle 25 Jahre stattfindet. Unter Erfüllung bestimmter Bedingungen wird den Gläubigern in einem Heiligen Jahr die vollkommene Absolution der Sünden gewährt. Daher kommt auch der Ausdruck „alle Jubeljahre“.

Zu den wichtigsten Schritten der Heiligen Jahre sind die Pilgerreise nach Rom und das Durchschreiten einer der Heiligen Pforten der vier Patriarchalbasiliken. Neben dem Petersdom zählen dazu auch die Santa Maria Maggiore, Sankt Paul vor den Mauern und die Lateranbasilika. Das nächste ordentliche Jubeljahr findet 2050 statt.

Vatikanische Museen

Mein Begleiter und ich haben uns eine Führung durch die Vatikanischen Museen und in der Sixtinischen Kapelle gegönnt.

Die Museen sind in einem großen Palast untergebracht, wir sind mit unserem Führer vom Raum zum Raum gegangen. Er hat uns aber nur die Höhepunkte vorgestellt, weil es sehr viel zu sehen gibt. Das Angebot an Kunstschätzen hat unendlich gewirkt.

In den vatikanischen Museen haben wir einige der bedeutendsten Werke der Kunstgeschichte gesehen, wie die Laookon-Gruppe, die Meisterwerke von Raffael wie „Die Schule von Athen“ und der anderen Größen der Kunstgeschichte. Zum Schluss der Führung sind wir fast achtlos an einigen modernen Gemälden vorbeigegangen. Beim näheren Hinsehen haben sie sich als Werke wichtiger Künstler herausgestellt, für die es im Rahmen der Führung schlicht keine Zeit gegeben hat.

Über das Wandgemälde „Geburt Christi“ („Natività“) von Bernardino di Betto di Biagio genannt Pinturicchio (1452 – 1513), habe ich bereits in einem früheren Beitrag geschrieben. Das Gemälde befindet sich im Saal der (Glaubens-)Geheimnisse in den sogenannten Borgia-Gemächern der Vatikanischen Museen. Die Gemächer umfassen neben dem Saal der Mysterien fünf weitere große Säle.

Die Sixtinische Kapelle

Am Ende der Führung durch die Vatikanischen Museen sind wir in der Sixtinischen Kapelle angelangt. Hier ist es verboten gewesen, Fotos aufzunehmen. Die Kapelle an sich habe ich als sehr einfach empfunden. Das Besondere daran sich die Gemälde von verschiedenen Künstlern, unter anderem von Michelangelo, die einige der wichtigsten Szenen der Bibel festhalten. Andere Bilder stellen Heilige oder die Päpste dar.

Es handelt sich im Prinzip um einen großen Raum mit den genannten Bildern auf der Decke und an den Wänden. Der Raum ist in zwei Teile gegliedert, der eine ist für die Kurie und der andere für das einfache Volk, die Laien, vorgesehen.

Die Gemälde in der Sixtinischen Kapelle gehören zu den wichtigsten Werken der Kunstgeschichte. Darin malten die Künstler in mühsamer Detailarbeit beispielsweise die Menschwerdung oder die Vertreibung aus dem Paradies.

Die Gärten, Ägyptische und Etruskische Kunst

Nach dem Besuch der faszinierenden Sixtinische Kapelle haben wir uns noch selbstständig die Abteilungen mit den Ägyptischen und Etruskischen Kunstwerken angeschaut.

Der Führer hat uns noch empfohlen, durch die Vatikanischen Gärten zu schlendern, aber dafür haben wir nicht genug Zeit gehabt. Wir haben beschlossen, eines Tages wiederzukommen, weil es hier noch viel zu entdecken gibt.

Der Petersplatz

Der Petersplatz ist scheinbar ständig zugänglich. Es ist ein riesiger Platz vor dem Petersdom, halbkreisförmig umringt von Säulenkolonnaden. Hier finden verschiedene Veranstaltungen statt, meistens religiöser Natur. Am bekanntesten sind die Ansprachen des Papstes wie die Rede „Urbi et Orbi“.

Auf dem Weg zum Petersplatz sahen wir Ordensleute der Tempelritter, die auf die Pilger:innen und Besucher:innen aufgepasst haben.

Der Platz des Heiligen Petrus wurde vom Architekten Gian Lorenzo Bernini von 1656 bis 1667 im Auftrag von Papst Alexander VII. gebaut. Berninis Idee bestand darin, dass die Säulengänge gewissermaßen den Platz umarmen. Sie bilden gleichzeitig die Grenze zu Italien.

Wartezeit für den Petersdom

Wir haben zwar bevorzugte Tickets gehabt, doch mussten trotzdem warten, weil viele auf die gleiche Idee gekommen sind.

Eine unschöne Szene hat sich in den Säulengängen ereignet, als sich ein Aufpasser bei einem der Wartenden bemerkbar machen wollte. Er hat den Wartenden regelrecht laut angemotzt und vor seinem Gesicht mit den Fingern geschnipst. Klar, manchmal muss man klare Anweisungen geben und bei so vielen Menschen muss man aufpassen, dass es zu keinen gefährlichen Zwischenfällen kommt. Aber in dieser Situation habe ich es respektlos gefunden, wie der Aufpasser mit dem Mann umgegangen ist. Schließlich sind wir alle Besucher und keine Mitglieder seines Wachtrupps, der Polizei oder der Schweizer Garde gewesen.

Nach der nervenaufreibenden Wartezeit sind mein Freund und ich endlich in den Petersdom gelangt.

Der Petersdom und die Heilige Pforte

Die Freude ist bei uns groß gewesen, als wir endlich im Petersdom angekommen sind. Es ist eine beeindruckende Kirche mit viel Kunst und Geschichte. Wir nennen sie „Petersdom“, doch offiziell heißt sie „die Päpstliche Basilika des Hl. Peters“.

Wie eingangs erwähnt, sind wir an einem heiligen Jahr im Vatikan gewesen. Somit ist auch die sogenannte Heilige Pforte offen gewesen, durch die wir hindurchgegangen sind. Sie ist sehr kunstvoll verziert und strahlt Bedeutung sowie Geschichte aus.

Im Inneren befindet sich gleich links nach der Heiligen Pforte die berühmte römische Pietà, die Michelangelo gestaltet hat.

Die Basilika ist enorm und sehr prunkvoll. Sie gehört zu den herausragenden Kunstwerken der Menschheit. Und doch ist sie kein Museum, weil hier regelmäßig Gottesdienste und liturgische Veranstaltungen stattfinden.

Weitere bedeutende Kunstwerke sind beispielsweise der Hochaltar, der Petrus-Baldachin von Bernini, der Grab des Heiligen Petrus und die Dachkuppel von Michelangelo Buonarotti. Und das ist nur eine kleine Auswahl.

Die Bauzeit des jetzigen Petersdoms dauerte von 1506 bis 1626, verschiedene Baumeister sind in den 120 Jahren daran beteiligt gewesen, unter anderem Bramante, Michelangelo, Raffael oder Carlo Maderno, der die Basilika größtenteils vollendet hat.

Dieses Jahr, 2026, wird das 400-jährige Jubiläum der Weihe des Petersdoms gefeiert.

Der Vatikan ist in meinen Augen ein sehenswerter Ort mit vielen bedeutenden Schätzen der Kunstgeschichte. Ich werde hoffentlich eines Tages wieder dorthin zurückkehren können.

Quellen

Titelfoto: Im Vatikan, Rechte: Dario Schrittweise
https://www.dbk.de/themen/heiliges-jahr-2025/ueber-das-heilige-jahr (zuletzt aufgerufen am 21.06.26)
https://www.basilicasanpietro.va/en/san-pietro (zuletzt aufgerufen am 21.06.26)
https://www.srf.ch/kultur/gesellschaft-religion/glaube-und-groessenwahn-400-jahre-petersdom-ein-meisterwerk-zwischen-licht-und-schatten (zuletzt aufgerufen am 21.06.26)
https://www.planet-wissen.de/kultur/religion/petersdom_kathedrale_der_christenheit/index.html (zuletzt aufgerufen am 21.06.26)

Entdecke mehr von Dario Schrittweise

Melde dich für ein Abonnement an, um die neuesten Beiträge per E-Mail zu erhalten.

4 Antworten auf „Petrus, Sixtus und Michelangelo – Vatikanische Reisenotizen

Add yours

  1. Ein spannender Bericht, in dem sich vieles wiederfindet, was ich in den Vatikanischen Museen erlebt und gesehen habe. Der Kunstschatz ist tatsächlich unendlich reichhaltig. Besonders gefällt mir auch Raffaels „Transfiguration Christi“, das letzte Bild, an dem er arbeitete. Michelangelos Pietà ist ebenfalls anrührend und auch die Cathedra Petri. Ich war bereits mehrfach dort und werde sobald wie möglich wieder nach Rom reisen. Es gibt ja auch so viele „versteckte“ Schätze. Die Caravaggios in Santa Maria del Popolo oder das Juliusgrabmal. Ich bekomme Fernweh!

    Gefällt 1 Person

    1. Hallo Jens-Philipp, es lohnt sich, mehrmals nach Rom zu reisen, man kann immer wieder etwas Neues entdecken. Mir geht es ähnlich, ich würde gerne bald zurückfahren. 🙂 Sommerliche Grüße, Dario 🌞

      Like

Schreibe mir gerne einen Kommentar :-)

Diese Seite verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden..

Erstelle eine Website oder ein Blog auf WordPress.com

Nach oben ↑