Fernweh: griechische Insel Chrysi

Hinter dem Horizont erhebt sich eine einsame Insel im Libyschen Meer, unweit von Kreta gelegen. Dunkelblaue Wellen umtosen den goldenen Strand, auf dem vor einigen Hunderten von Jahren Schmuggler und Piraten regelmäßig ihre Waren ausgeladen haben. Möwen umkreisen den Schiffslandungssteg auf der Suche nach Beute und scheinen die Neuankömmlinge mit ihren charakteristischen Schreien zu begrüßen.

Holzpfade auf der Insel Chysi (Fotorechte: schrittWeise)
Holzpfade auf der Insel Chysi (Fotorechte: schrittWeise)

Jeder von uns kennt Orte oder Reisewege, die für ihn einen besonderen Reiz ausüben. Diese Reiseziele ziehen ihn magisch an. Für viele sind es Städte wie Paris, Rom oder Venedig, für andere Wege wie der Jakobsweg, Seidenstraße oder eine Rucksackreise im Amazonas-Dschungel. Ich möchte euch einige meiner persönlichen Fernweh-Ziele vorstellen, die es in ihrer ursprünglichen Form vielleicht so gar nicht mehr gibt.

Für viele Reisende stellen Inseln Reiseziele der Sehnsucht dar. Heute ist es nur noch sehr wenigen vergönnt, eine völlig unbewohnte und einsame Insel zu betreten. In den meisten Fällen sind es dann auch nur wenige Augenblicke, die der Besucher alleine auf der Insel verbringt. Nach dem ersten Fernweh-Beitrag über „Orient Express“ möchte ich euch dieses Mal eine paradiesische Insel im Mittelmeer vorstellen. Chrysi ist zwar nicht menschenleer, dafür unbewohnt und kommt dem Ideal einer „Robinson-Crusoe-Insel“ auf ihre Weise sehr nahe. Meine Freundin und ich sind im Sommer 2014 im Rahmen unserer Kreta-Reise auf die Insel Chrysi gefahren.

Ierapetra, die südlichste Stadt Europas

Der einfachste Weg, die Insel Chrysi zu erreichen, ist die Stadt Ierapetra auf Kreta als Ausgangspunkt zu nehmen. Von dort aus bringen Ausflugsschiffe Besucher auf die Insel und wieder zurück.

 Festung Kales in Ierapetra (schrittWeise)
Venezianische Festung Kales in Ierapetra (Fotorechte: schrittWeise)

Eines der markantesten Gebäude in Ierapetra ist die venezianische Festung Kales am Eingang des Stadhafens. Die viereckige Festung ist die einzig erhaltene Befestigungsanlage der Südküste Kretas und stammt aus der venezianischen Epoche zwischen dem 13. und 15. Jahrhundert. [0]

Chrysi – ehemaliges Piratennest und Naturschutzgebiet

Die kleinen und wendigen Schiffe erreichen Insel Chrysi, die ungefähr 13 Kilometer von Kreta entfernt ist, in wenigen Minuten. Die Inselbesucher können über Sandpfade im weißen Kalksand und Holzstege das unbewohnte Eiland erkunden. Die Insel wird, je nach Schreibweise, auch Chrissi oder Hrisi genannt.

Neben der wunderschönen Natur stellt die Kirche des Heiligen Nikolaos aus dem 13. Jahrhundert die einzige Sehenswürdigkeit der Insel. Auf Chrysi fanden die Forscher auch eine alte Salzgewinnungsanlage, einen Hafen und Überreste einiger einfachen minoischen und römischen Häusern. [1]

Früher nutzten Piraten und Schmuggler die Insel als Versteck und Warenumschlagplatz. In Kriegszeiten suchten die Bewohner von Ierapetra auf der Insel Zuflucht. Der kleine Berg Kefala ist mit ca. 30 Metern der höchste Punkt der Insel und befindet sich auf der Ostseite.[2]

Chrysi ist eine der 81 unbewohnten Inseln rund um Kreta im Libyschen Meer und wird auch Gaidouronisi, die „Insel der Esel“ genannt. Viele Fossile kamen bei Ausgrabungen im vulkanischem Stein aus der Zeit zwischen 350.000 bis 70.000 Jahren v. Chr. zutage, als die Insel noch unter dem Meer lag.[3]

Wacholderbaum auf Chrysi (Fotorechte: schrittWeise)

Die bedeutendste Flora der Insel besteht aus Phönizischem Wacholderwald und Großfrüchtigem Wacholder, auch „libanesischer Zeder“ genannt, die ein durchschnittliches Alter von 200 Jahren und eine Höhe von bis zu 7 m besitzen. Chyrsi steht deswegen unter besonderem Naturschutz und wurde ins „Natura-2000-Netz“ der Europäischen Union aufgenommen. [4]

Die Besucher dürfen offiziell nicht auf der Insel übernachten oder campen, ich bin mir aber sicher, dass es immer wieder Menschen gibt, die es versuchen und teilweise auch schaffen, dort auch über Nacht zu bleiben.

Dünenlandschaft (Fotorechte: schrittWeise)

Einsame Inseln und Robinsonaden

Der berühmteste Roman, der das Leben eines Gestrandeten auf einer von der Zivilisation abgeschotteten Insel beschreibt, ist „Robinson Crusoe“ von Daniel Defoe, 1719 erschienen. Darin beschreibt der Autor das Leben oder Überleben des Schiffbrüchigen Crusoe auf einer scheinbar von Menschen verlassenen Insel. Nach dem Werk von Defoe werden alle Romane, Filme und andere Kunstwerke, die das isolierte Leben auf einer einsamen Insel oder einer verlassenen Region beschreiben, als „Robinsonaden“ bezeichnet.

Auch die Irrfahrten des Odysseus von Homer kommen in Ansätzen dem Motiv vom Leben eines Gestrandeten nahe. Einige der weiteren Romane, die das Leben auf einer einsamen Insel thematisieren, sind „Die geheimnisvolle Insel“, ein Abenteuerroman von Jules Verne aus dem Jahr 1874 und „Herr der Fliegen“, ein zivilisationskritisches Werk von William Golding (1954). „Herr der Fliegen“ soll die US-Mystery-Serie „Lost“ (2004 – 2010) von J. J. Abrams inspiriert haben, die ebenfalls von gestrandeten Personen auf einer Insel handelt. Erwähnenswerte Film-Robinsonaden sind die beiden Verfilmungen von „Herr der Fliegen“ von Peter Brook (1963) und Harry Hook (1990) sowie „Cast Away“ (2000) von Robert Zameckis mit Tom Hanks in der Hauptrolle.

Inselträume

Die wunderschönen karibisch anmutenden Strände der Insel Chrysi lassen die Besucher von Leben auf verlassenen Inseln und Abenteuern in der Südsee träumen. Die sanfte Brise und rauschende Wellen entspannen den Geist. Wer die Augen schließt und für einen Augenblick alles um sich herum vergisst, kann sich gedanklich durch die Zeit versetzen lassen und beinahe das Gelächter der Freibeuter sowie das Knarren vom Tauwerk eines vor Anker liegenden Segelschiffes vernehmen.

Traumhafte Kulisse von Chrysi (Fotorechte: schrittWeise)

Quellenangaben:

[0] http://www.ierapetra.gr/index.php/en/history-culture/byzantine-venetian-period/265-venetian-fortress-kales (zuletzt abgerufen am 12.07.2017)
[1] http://www.ierapetra.net/de/chrissi.html (zuletzt abgerufen am 12.07.2017)
[2] http://www.ierapetra.net/de/chrissi.html (zuletzt abgerufen am 12.07.2017)
[3] http://www.ierapetra.gr/index.php/en/nature/137-gaidouronisi (zuletzt abgerufen am 12.07.2017)
[4] https://de.wikipedia.org/wiki/Chrysi (zuletzt abgerufen am 12.07.2017)

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