Regnerische Reise – eine Skizze

Der Tag neigt sich dem Ende entgegen. Regentropfen perlen von der Glasscheibe des Zugabteils ab. Sie klingen wie kleine Kristalle, die sacht gegen das Fenster klopfen.

Keynan war in Gedanken vertieft. Er fühlt sich alleine im Zug. Nur die Schaffnerin hat seine Gedanken unterbrochen, als sie vor einer Stunde seinen Fahrschein kontrolliert hat. Oder ist mehr Zeit vergangen?

Zu Beginn der Zugfahrt hat Keynan einen Roman gelesen, den er für die Fahrt mitgenommen hat. Doch bald hat er das Taschenbuch zur Seite gelegt. Jetzt liegt es auf der kleinen Ablagefläche zwischen den beiden Sitzreihen. Das Buch ziert eine Landschaft als Titelbild.

Der Nachdenkliche blickt aus dem Fenster und beobachtet die vorüberziehende Landschaft mit den verschlafen wirkenden Ortschaften. Hinter dem Horizont verschwindet die Sonne. Das rhythmische Trommeln des Regens beruhigt ihn.

Durch das Fenster sieht Keynan die Spiegelung des Abteils. Sein gedoppeltes Eigenbild erschreckt ihn fast. Er fragt sich, wann er so alt geworden ist. Sein Spiegelbild scheint ihn anzulächeln.

Fließend ersetzen die Sterne das Abendblau am Himmel. Der Reisende sieht nach oben, lässt seinen Blick schweifen. Er betrachtet den zunehmenden Mond eine Weile.

Die Durchsage der Schaffnerin weckt Keynan aus seiner Träumerei. Der Zug hat seine Endstation erreicht. Er tritt mit anderen Passagieren auf den Bahnsteig. Doch er fragt sich, ob er auch am Ziel seiner persönlichen Reise angekommen ist.

Titelfoto: "Regen während einer Zugfahrt", Fotorechte: Dario schrittWeise

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