Lirum larum – Fränkische Skizzen

Im Alltag erlebt man die besten Geschichten. Einige sind derart haarsträubend, dass sie kaum zu glauben sind. Auch vor der Haustür passieren allerlei Sachen. So ist es mir in Nürnberg und Umgebung ergangen. Oder auch nicht, denn, es bleibt euch überlassen, zu entscheiden, was davon wahr und was frei erfunden ist.

Miniaturen und Textfunken aus Franken

In der Binghöhle

An jenem heißen Sommertag betrat Manuel die Höhle unweit des Dorfes Streitberg. Die Höhle empfand er als eine willkommene Abkühlung an diesem heißen Tag. Er nahm an eine Führung teil, die im hinteren Teil der Höhle begann.
Die Führerin erklärte den Besuchern, wie der Höhle aufgebaut war und wie Sie erschlossen wurde.
Manuel bewunderte die Gebilde der Tropfsteinhöhle. Die dezente Beleuchtung der Höhle erzeugte Schatten und fantastische Farben.
„Schöne Formen“, stellte jemand hinter ihm fest.
Manuel drehte sich um.
Ein Junge betrachtete eine Reihe von Stalagmiten.
„Läufst du ganz alleine durch die Höhle oder gehörst du zu einer Gruppe?“, fragte Manuel.
„Keine Sorge“, erwiderte der Junge. „Ich bin oft hier und kenne die Höhle in- und auswendig.“
„Hast du keine Angst, so alleine?“ Manuel sah ihn skeptisch an.
„Ach, ich komme schon klar. Aber hören Sie lieber zu, sonst verpassen Sie die ganze Führung.“ Der Junge lief weiter und verschwand in einem Seitenarm der Höhle. Er pfiff leise ein Lied.
Manuel widmete sich wieder der Führung.
„Und bei der Erschließung der Höhle hat 1905 ein dreizehnjähriger Junge geholfen“, erzählte die Führerin. „Er ist klein genug gewesen, um durch eine schmale Öffnung hindurchzupassen. So wurde der dritte und längste Abschnitt der Höhle entdeckt.“
Merkwürdig, ob diese Geschichte etwas mit seiner Begegnung mit dem Jungen zu tun hatte?
Vermutlich spielte Manuel nur sein Geist einen Streich. Die Hitze trübte manchmal die Sinne.
Am Ende der Führung glaubte Manuel ein leises Pfeifen aus der Höhle zu vernehmen.

Leihgeschäfte im Knoblauchsland

Simone fuhr nach Großgründlach bei Erlangen. Sie bog in die Einfahrt des Gehöfts der Familie Müller-Albricht ein.
Bevor sie aus dem Wagen stieg, prüfte sie auf dem Flyer, ob sie hier richtig war. „Die Verleiher Ihres Vertrauens. In Großgründlach, genau zwischen Nürnberg und Erlangen.“
Mal sehen, was sie hier erwartet. Sie stieg aus dem Auto und ging auf das Haupthaus zu. Sie klingelte.
Ein Mann mittleren Alters öffnete die Tür und grüßte sie.
„Guten Tag“, erwiderte Simone den Gruß. „Sind Sie der Verleiher vom Knoblauchsland?“
„Ja, der bin ich. Was möchten Sie ausleihen?“
„Ich bin an einem Schaf interessiert.“
„Da haben Sie Glück. Wir haben mehrere geeignete Prachtstücke“, erwiderte der Verleiher. „Kommen Sie mit.“ Er ging voran und deutete auf eine Wiese.
„Herrlich“, sagte Simone.
Mehrere Schafe grasten im Schatten eines Lindenbaumes.
„Gertrude zum Beispiel ist etwas stärker und braucht viel Auslauf. Und Elfriede hier ist eher genügsam.“ Er tätschelte ein schmächtiges Schaf, das ruhig unter dem Baum döste.
„Elfriede würde mir gefallen“, erwiderte Simone.
„Darf ich fragen, wofür Sie ein Schaf benötigen?“
„Für meinen Garten. Ich bin zu bequem zum Rasenmähen. Ein Schaf kann mir dabei helfen.“
„Ungewöhnlich, aber Elfriede hilft Ihnen gern. Viel Spaß.“ Der Mann half Simone, das Schaf auf die Ladefläche zu befördern.

Lirum – Larum oder der magische Pümpel von Nürnberg

„Expeliarmus!“, rief plötzlich ein Mann in der Nürnberger U-Bahn-Linie 2. „Hex – hex!“ Er wedelte dabei mit einem Pümpel wie mit einem Zauberstab.
Was machte er da bloß? Ich drehte mich um, konnte aber zunächst nur andere Passagiere erkennen. Sie wirkten teilnahmslos und uninteressiert.
„Hokus pokus!“ Seine Zaubershow ging weiter. Die magische Saugglocke hörte nicht auf zu kreisen.
Viele Fahrgäste stiegen am Hauptbahnhof aus. Jetzt sah ich, wem die Zaubersprüche galten.
Ihm gegenüber saß eine Frau mit einem Baby auf dem Schoß. Vermutlich seine Familie. Das Kind freute sich über seine Zauberkünste.
Na dann, dachte ich mir, es ist ein kleiner Zauberlehrling. Mir kam das Lied „Lirum Larum Löffelstiel …“ in den Sinn. Ich verließ an der nächsten Haltestelle die U-Bahn und lächelte beim Gedanken an den magischen Pümpel.

Titelbild

Foto: In der Binghöhle, Rechte: Dario Schrittweise

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