Der Löwenmensch von der Schwäbischen Alb

Mischwesen wie Drachen, Basilisken, Meerjungfrauen oder Werwölfe haben seit Jahrtausenden die Fantasie der Menschen beflügelt. So ist es auch bei der Figur des Löwenmenschen gewesen, die in einer Höhle oberhalb der Lone auf der Schwäbischen Alb entdeckt wurde.

Ich habe im Juni das Pfingstwochenende in Ulm verbracht. An jenem langen Wochenende hat es geregnet, damit ist es eine ideale Gelegenheit für einen Museumsbesuch gewesen. Derzeit ist die Figur noch vorübergehend in der Kunsthalle Weishaupt ausgestellt, weil das Ulmer Museum zum Zeitpunkt meines Besuches noch umgebaut wurde.

Der Löwenmensch

Die meisten Ausstellungsstücke in der Kunsthalle Weishaupt in der Ulmer Innenstadt sind in erster Linie modernere Kunstwerke, der Löwenmensch ist schon eine Besonderheit. Für mich ist es überraschend gewesen, wie klein die Figur ist. Sie ist gerade einmal ungefähr 31 cm hoch. Gleichzeitig zählt sie zu den größten Kunstwerken der Eiszeitkunst weltweit. Und in der Tat, die Kunstwerke im Urzeitlichen Museum in Blaubeuren sind viel kleiner. Erstaunlich finde ich auch, dass die Figur ungefähr 40.000 Jahre alt ist. Dabei ist sie sehr feingliedrig und detailliert gestaltet.

Ich habe mir den Löwenmenschen genau angeschaut. Er ist in einer Glasvitrine ausgestellt, so dass die Figur von allen Seiten betrachtet werden kann.

Die Entdeckung des Mischwesens

Der Löwenmensch wurde im Tal des Flusses Lone, unweit von Ulm, entdeckt. Damals haben die Forscher viele kleine Splitter aus Mammutelfenbein entdeckt, die sie zu diesem Mischwesen zusammengesetzt haben. Erst 2009 haben sie in der gleichen Höhle weitere Teile der Skulptur gefunden.

Heute wird die Figur als Indiz für die Entwicklung der menschlichen Kreativität bezeichnet. Für manche gilt die Figur sogar als der Ursprung der Kunst.

Der Löwenmensch wurde am 25.08.1939 bei den Ausgrabungen in der Stadel-Höhle am Hohlenstein im Lonetal auf der Mittleren Schwäbischen Alb gefunden. Entdeckt haben die Figur, bzw. zunächst deren Fragmente, Otto Völzing und Robert Wetzel. Doch die wahre Bedeutung des Fundes wurde erst ca. 30 Jahre später erkannt. Die Fragmente wurden am letzten Tag der Grabungen entdeckt. Die Arbeiten wurden wegen des Zweiten Weltkriegs beendet.

Erst 2009 wurden weitere Bruchstücke der Figur entdeckt. Erwähnenswert ist, dass in der Stadel-Höhle keine Alltagsgegenstände, Werkzeuge oder Abfälle gefunden wurden, während die anderen Fundorte voll davon gewesen sind. Deswegen geht die Forschung davon aus, dass die Höhle und die Figur eine besondere Bedeutung für die Eiszeitmenschen gehabt haben sollen.

Heute gilt die Stoßzahnfigur als die älteste bekannteste plastische Darstellung eines Mensch-Tier-Wesens.

An dem Wochenende bin ich noch in Blaubeuren gewesen. Dort habe ich mir das sehenswerte Dörfchen, die berühmte Karstquelle Blautopf und das Urzeitliche Museum angesehen. Im Museum können weitere Figuren besichtigt werden, wie die „Venus vom Hohle Fels“, die als die älteste Menschendarstellung der Welt gilt.

Die Figur und die Eiszeitmenschen

Ich habe mir überlegt, wie es wohl sein müsste, als eine eiszeitliche Künstlerin oder ein Künstler die Figur aus einem Mammutzahn geschnitzt hat. Der Fundort ist eine Höhle gewesen. Haben sich unsere Vorfahren darin um diese und ähnliche Figuren versammelt und sich Geschichten darüber erzählt?

Richtig klar ist es bis heute nicht, wofür die Löwenmenschfigur verwendet wurde. Vermutlich sind es künstlerische, spirituelle, religiöse oder rituelle Zwecke, die in Frage kommen. Oder eine Mischung aus allen genannten.

Wenn ich an diese Figur denke, stelle ich mir vor, wie die Menschen in der Höhle sitzen und sich Geschichten erzählen. Sie malen vielleicht Szenen aus ihrem Alltag an die Wände und spielen auf Instrumenten aus Mammutzahn. In der Mitte der Höhle könnten Figuren wie der Löwenmensch oder die Venus vom Hohle Fels aufgestellt gewesen sein.

UNESCO-Weltkulturerbe

Der Löwenmensch gehört seit 2017 zum UNESCO Weltkulturerbe „Höhlen und Eiszeitkunst der Schwäbischen Alb“. Dazu zählen auch weitere Fundstücke und die sechs Höhlen der Schwäbischen Alb, in welchem neben dem Löwenmenschen eine große Reihe weiterer Kunstfiguren und Musikinstrumenten aus der Eiszeit gefunden wurde.

 

 

Im Urzeitlichen Museum in Blaubeuren sind die Umstände der Fundorte ausführlich beschrieben.

Wissenschaftler:innen sehen in der Skulptur des Löwenmenschen ein Zeugnis der Kunstentwicklung. Die Figur gehört zu den frühesten Kunstwerken, die weltweit gefunden wurden.

Mein Eindruck

Der Löwenmensch hat mich sehr beeindruckt. Die filigrane Figur wirft ein anderes Licht auf die Eiszeitmenschen, die vermutlich empfindsamer gewesen sind, als wir uns das vorstellen. Ich habe versucht, mir bildlich vorzustellen, wie unsere Vorfahren die Figur verwendet haben. Auf jeden Fall regt das Mischwesen die Fantasie der Betrachter:innen an.

Nur leider ist der Raum, in dem es gerade ausgestellt wird, in meinen Augen etwas unpassend für die Skulptur, auch wenn die anderen Kunstwerke ebenfalls sehenswert sind. Da ist die Lage im Urzeitlichen Museum in Blaubeuren besser. Ich freue schon darauf, wenn der Löwenmensch im renovierten Museum Ulm im vollen Glanz erstrahlt.

Weitere Schätze in Deutschland

Wer sich für andere Kulturschätze interessiert, findet vielleicht auch diese sehenswert:

Quellen

Titelfoto: Die Skulptur des Löwenmenschen, Rechte: Dario Schrittweise
http://www.loewenmensch.de/entdeckung.html (zuletzt aufgerufen am 13.9.25)
https://nationalgeographic.de/tiere/2023/08/majestaetische-raubkatzen-warum-man-in-deutschland-ueberall-loewen-sieht/(zuletzt aufgerufen am 13.9.25)
https://www.ulm.de/tourismus/sehensw%C3%BCrdigkeiten/l%C3%B6wenmensch (zuletzt aufgerufen am 13.9.25)
https://www.unesco.de/staette/hoehlen-und-eiszeitkunst-der-schwaebischen-alb/ (zuletzt aufgerufen am 13.9.25)
http://www.lonetal.net/ (zuletzt aufgerufen am 13.9.25)

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4 Antworten auf „Der Löwenmensch von der Schwäbischen Alb

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  1. Im langen Wochenende hat es geregnet, war es schade, aber der Besuch vom Museum sieht auch sehr wertvoll aus.
    Ich besuche Museum für die Kunstwerke oder alte Schätze sehr gerne.
    Ist Ulm von dir weit weg?
    Hoffentlich kannst du bald die nächste Gelegenheit, die Stadt im hellen Tag zu sein.
    Schönes Wochenende!

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    1. Hallo Rumiko, Ulm ist eine sehr schöne Stadt, ca. 2 bis 3 Stunden von Nürnberg entfernt. Ich war schon mehrmals dort, freue mich aber immer wieder, wenn ich die Zeit finde, nach Ulm zu fahren. Und der Löwenmensch ist leider nicht so populär, obwohl die Figur ein wichtiges Kunstwerk aus der Eiszeit ist. Ich wünsche dir ein schönes Wochenende und liebe Grüße, Dario 🙂

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