„Wasliestdieda?“ – ein Interview mit Silke Siegel

Silke Siegel ist eine Sprecherin und Podcasterin aus Leidenschaft. Ihr Repertoire umfasst beispielsweise Hörbücher, Voice Overs, Werbung, Ansagen, Imagefilme etc. 2020 hat sie den Podcast „Wasliestdieda?“ angefangen. Schreibende können ihr eigene Kurzgeschichten zuschicken, die sie kostenlos in ihrem Podcast als eine eigene Folge einspricht. Zwei Folgen mit meinen Geschichten sind bereits in ihrem Podcast „Wasliestdieda?“ erschienen, eine weitere ist in Arbeit. Eine der Geschichten könnt ihr in meinem Blogbeitrag und eine in Silkes Podcast hören. Ich habe Silke gebeten, mir einige Fragen zu beantworten, weil ich ihr Projekt faszinierend finde.

Weitere Interviews in meinem Blog

Mein Interview mit Silke Siegel

1. Erzähle uns bitte ein wenig über dich und deinen Hintergrund. Diesen ersten Part überlasse ich gerne dir.

Hallo Dario, danke, dass du meinen Podcast hier in deinem Blog featurest. Das freut mich sehr. Was soll ich über mich sagen? Puh, das ist immer schwer. Also, ich war mal 10 Jahre Radiomoderatorin bei einem Stadtradio und spiele bereits seit über 25 Jahren Improvisationstheater. Ich habe eine Leidenschaft für die Kunst, male auch selbst und habe auch schon Bücher geschrieben. Viele dieser Themen kamen zu mir, ohne dass ich auf der Suche gewesen wäre, und es macht mir viel Spaß, der Kunst, sei es auf der Bühne, hinter dem Mikro oder im Atelier, in meiner Freizeit zu frönen.

2. Wie hast du beschlossen, Sprecherin zu werden?

Das ist aus dem Podcast heraus entstanden. Das Feedback war sehr gut und die Autor/-nnen sehr dankbar, dass ihre Geschichten nun eine andere Plattform bekommen und bekannter werden. Mir hat es so viel Spaß gemacht, dass der Schritt, auch andere Dinge am Mikro zu machen, klein war. Ich habe angefangen, Voice Overs zu machen, Werbung zu sprechen, zu synchronisieren und natürlich Hörbücher einzulesen. Und nach wie vor macht es mir großen Spaß.

3. Wie ist die Idee entstanden, den Podcast „Wasliestdieda?“ zu machen?

Letztendlich kam ich zum Podcasten, weil ich selbst viele Podcasts höre und den künstlerischen Background habe. Aufgrund meiner künstlerischen Basis habe ich 2021 den Podcast WASLIESTDIEDA? gestartet. Alles fing mit einer Umfrage auf Facebook an, ob dafür bei potentiellen Autor/-innen überhaupt Bedarf besteht. Das Feedback war überwältigend und innerhalb weniger Tage hatte ich genug Geschichten, um zu starten. Und dann habe ich quasi einfach losgelegt. Im ersten Jahr erschienen noch zwei Geschichten pro Woche und dann musste ich es auf eine Geschichte wöchentlich aus Zeitgründen reduzieren. Denn über den Podcast bin ich auch zum Sprechen gekommen und da brauchte ich mehr Zeit für die anderen Projekte, wie z.B. Hörbücher. Inzwischen sind schon fast 300 Folgen erschienen und jeder, der mag, darf mir gerne eine Geschichte einreichen.

Silke Siegel, Fotorechte: Silke Siegel
Silke Siegel, Fotorechte: Silke Siegel

4. Du hast fast 300 Folgen in deinem Podcast veröffentlicht. Gibt es eine Geschichte, die dich besonders berührt oder zum Lachen gebracht hat?

O ja, da gibt es einige. Die Autor/-innen geben sich immer viel Mühe, schöne Geschichten zu schreiben. Ich als Sprecherin maße mir nicht an, zu beurteilen, welche Geschichte in meinem subjektiven Blick schöner oder weniger schön ist. Ich fordere die AutorInnen immer auf, mir ihre Lieblingsgeschichte zu schicken. Manchmal sind es biografische Erlebnisse, manchmal frei Erfundenes. Es ist auch jedes Genre erlaubt. Ich persönlich mag knackige Dialoge, überraschende Wendungen und auch Geschichten, die eine Tiefe haben.

5. Könntest du uns ein wenig hinter die Kulissen deines Podcasts nehmen? Wie entsteht eine Folge?

Alle Geschichten, die den Weg zu mir finden, kommen in einen Redaktionsplan. Da schaue ich, dass ich möglichst bunt bin. D. h., die Genres wechseln sich ab, die Autor/-innen wechseln sich ab. Die Geschichte sollte auch in sich geschlossen sein. Ich lese also keine Buchkapitel, es sei denn, es macht Sinn. Wenn der Redaktionsplan für die nächste Zeit steht (eigentlich ist das ein fortlaufender Prozess), lese ich die Geschichten in meinem Homestudio ein und die Folge erscheint dann an einem vordefinierten Termin (immer freitags). Da ich Phasen habe, in denen die Zeit knapp ist, produziere ich die Folgen oft im Voraus, und sie werden automatisch durch den Provider gelauncht.

6. Derzeit machen sich viele Künstler/-innen und insbesondere Sprecher/-innen aufgrund der Entwicklung der KI verstärkt Gedanken über die Zukunft Ihres Berufes. Wie siehst du die aktuelle Entwicklung der KI? Ist es eher eine Chance oder eine Gefahr für die Kunst?

Es ist nie alles schwarz oder weiß. Die KI ermöglicht inzwischen viele Dinge, die wir vor Kurzem noch für unmöglich gehalten haben. Noch mögen wir echte Stimmen lieber, aber ob das so bleibt, weiß ich nicht. Ich denke aber auch, unser Verständnis dafür wird sich wandeln. Wir dürfen alle mit wachem Auge schauen, was in der Zukunft passiert.

7. Was würdest du jemandem raten, der gerne Sprecher/-in werden möchte?

Ich würde tatsächlich raten, es nicht zu tun, denn die KI wird viel übernehmen. Und es ist auch nicht einfach. Du entscheidest nicht heute, ab morgen wirst du Sprecher/-in. Es kostet zum einen einiges an finanziellen Mitteln (Technik, Knowhow), aber auch Training und gute Coaches und damit Zeit. Ob sich das alles noch für Neueinsteiger lohnen wird? Who knows! Die bekannten Stimmen aus dem Showbiz sind davon nicht in Gefahr, sondern vor allem die Massen an „unbekannten“ Stimmen.

8. Woran arbeitest du aktuell? Hast du derzeit noch andere Projekte neben dem Podcast?

Ich habe ständig andere Projekte. Derzeit entsteht ein neues Hörbuch – eigentlich ständig. Ich bin nicht auf Voice Over fokussiert, aber da kommt auch immer wieder was rein. Für mich ist es ein Nebenjob und das wird auch so bleiben.

9. Welche Arten von Geschichten suchst du für deinen Podcast? Wer kann alles mitmachen?

Jeder, der mal eine Kurzgeschichte geschrieben hat, ist willkommen. Ich grenze nur zwei Genres aus: Kindergeschichten (da gibt es viele andere tolle Podcasts und es ist eine komplett andere Zielgruppe) und Gewalt gegen Frauen (weil ich es ethisch nicht vertreten will). Alle anderen Genres lese ich gerne – egal was. Die Geschichten sollten zwischen 600 und 6000 Wörter haben. Weitere Voraussetzungen gibt es nicht.

10. Wo kann man dich am besten erreichen?

Danke, dass du fragst. Und ich hoffe, es finden sich ein paar Autor:innen, die Lust auf eine Podcastfolge haben. Ich bin erreichbar unter mail@wasliestdieda.de und ich freue mich über jeden neuen Kontakt! Und wer den Podcast noch nicht kennt: http://wasliestdieda.de.

Vielen Dank Silke, dass du dir die Zeit genommen hast, meine Fragen zu beantworten.

Titelbild

Beide Fotos im Beitrag: Silke Siegel, Rechte: Silke Siegel

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2 Antworten auf „„Wasliestdieda?“ – ein Interview mit Silke Siegel

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  1. Lieber Dario, du hast uns wieder ein sehr interessantes, informatives Interview über eine ganz besondere Person geschenkt. Was für eine Lebensenergie und Freude am Leben, große künstlerische und schöpferische Kraft, die förmlich aus deiner ungewöhnlichen Gesprächspartnerin heraussprudelt. Auf deine klare, interviewfreundliche Art und Weise hast du ein eindrucksvoller Gesprächsportait sehr glaubwürdig und meisterhaft dargestellt. Silke Siegel ist offensichtlich eine selbstlose Person, die andere Menschen ermutigt, authentisch zu sein. Außerdem schafft sie es auch auf eine besondere Weise, sogar beim Schreien eine gute Figur zu machen. So, lieber Dario.
    Herzlichen Dank für die Freude, die ich beim Lesen erleben durfte. LG, Sophie Mai

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