„Keep Walking“ von Trailhead

Im Rahmen meiner Pilgerschaft durch Frankreich gab es einen Tag, an dem es fast den ganzen Vormittag und einen Teil des Nachmittags ununterbrochen regnete. Meine Kleidung und mein Rucksack waren komplett durchnässt und es galt einige steile Passagen über steiniges und nasses Gelände zu überwinden. Nach mehreren Stunden ohne überdachte Rastmöglichkeit fragte ich mich, warum ich das mache. Jeder von uns kennt wohl solche Momente, ob beim Wandern, beim Sport oder im täglichen Leben.

Das Lied „Keep Walking“ des Singer-Songwriters Tobias Panwitz alias Trailhead erinnerte mich an derartige Situationen. Gerade in diesen Augenblicken, in denen wir alles hinterfragen und kurz davor stehen, unser Vorhaben aufzugeben, sollten wir uns auf unsere Stärken besinnen und die ursprüngliche Motivation ins Gedächtnis rufen, um auch die schwierigsten Hindernisse im Leben meistern zu können.

„Trailhead“ im Stadt Café in Ebermannstadt

Das erste Mal hörte ich von Trailhead auf dem Blog „einfachbewusst.de“ von Christof Herrmann, der über Wandern, Minimalismus, Nachhaltigkeit und vegane Ernährung schreibt. Er veröffentlichte auf seinem Blog eine Video-Version von „Take a Walk „, in der Tobias Panwitz und er die Fotos von Christofs Pilgerschaft auf dem Jakobsweg reinschnitten, die er im Jahr 2016 von seiner Haustür in Nürnberg nach Santiago de Compostela an einem Stück unternahm. Christof ist auch Autor von mehreren Wanderbüchern und schuf eine eigene Alpenüberquerung von Salzburg nach Triest.

Am 06. Oktober besuchte ich das Konzert des Berliner Singer-Songwriters mit dem Künstlernamen Trailhead im Stadt Café in Ebermannstadt bei Forchheim. Den Tipp zur Veranstaltung bekam ich ebenfalls von Christof Herrmann. Mir gefiel das Konzert im kleinen Café mit familiärer Atmosphäre sehr gut. Der in Treptow geborene Musiker zeigte sich gut gelaunt und präsentierte einige ältere und neuere Lieder. Zwischen den Songs erklärte er die Hintergründe seiner tiefsinnigen Texte sowie, wie und wo die Lieder entstanden.

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Ich bat Tobias Panwitz um ein Kurzinterview und er war so freundlich, mir einige Fragen per E-Mail zu beantworten. Darüber hinaus erlaubte er mir auch, ein Foto von seiner Internetpräsenz als Titelbild für den Beitrag zu verwenden, welches die Fotografin Katarzyna Mazur aufgenommen hatte. Die Fotos aus dem Stadt Café stammen wiederum von mir.

Interview mit Tobias Panwitz alias „Trailhead“

Hallo Tobias, danke, dass du dir Zeit für meine Fragen nimmst. Von Zeit zu Zeit veröffentliche ich auf meinem Blog Beiträge über Musiker und Lieder, die mir gefallen. Deine Musik passt sehr gut zu den Themen „Kunst“, „Jakobsweg“ und „Wandern“, über die ich in meinem Blog schreibe.

1) Tobias, erzähle uns bitte ein wenig über dich und deine musikalischen Anfänge.

„Da muss ich weit zurückgehen 🙂 Los gings mit 7 Jahren mit Violinenunterricht! Das habe ich durchgehalten bis ich 14 war und bin dann auf Gitarre & Klavier umgestiegen, was mich einfach viel mehr interessierte. Songs von den Beatles oder Billy Joel zu singen, dafür war die Geige nicht wirklich geeignet! Mittlerweile hole ich sie gern wieder vor und spiel frei darauf herum, was ich früher nie gemacht habe. Gutes Ohrentraining war die klassische Grundausbildung natürlich auch.“

2) Wie würdest du deine Musik stilistisch einordnen? Welche sind deine Lieblingsthemen, über die du in deinen Liedern singst?

„Roadside Folksongs 🙂 Meine Songs entstehen oft beim Unterwegssein. Am freisten wird mein Kopf beim Gehen, so sind über die Jahre sehr viele Walking-Songs entstanden, die nun alle auf meinem aktuellen Album „Keep Walking“ zu hören sind.“

3) Auf dem Konzert in Ebermannstadt hast du erzählt, dass du diese Frage oft hörst, aber meine Leser und ich sind auch neugierig: Wie ist dein Künstlername Trailhead entstanden?

„Nach dem Gymnasium habe ich für mehrere Monate im Nordkalifornischen Redwood Nationalpark gearbeitet. Ich war Teil der Trailcrew, die neue Wege angelegt oder alte instand gesetzt hat. Jeder Tag begann somit an einem Trailhead, dem Startpunkt. Meist mit Parkplatz und großem Schild, das auf den jeweiligen Trail hinwies. Ich mochte den Begriff sehr und da meine Songs wie erwähnt oft unterwegs entstehen, passt der Name für mich gut.“

4) Woher nimmst du die Inspiration für deine Lieder? Kannst du uns ein Beispiel nennen?

„Das Laufen habe ich ja bereits erwähnt. Es kann alles sein, was mich bewegt oder Gedanken auslöst. Im Sommer bin ich von Salzburg nach Triest über die Alpen gelaufen. das war inspirierend genug für ein ganzes Album! Mal sehen, vielleicht wird das ein „Keep Walking“2, nur diesmal über die Berge!“

5) Wir haben eine Gemeinsamkeit, auch du schreibst auf deinem Blog „unterwegs“ über deine Reisen und Wanderungen, u. a. auf dem Jakobsweg. Welche Erfahrung hast du mit den Jakobswegen gemacht? Kannst du uns eine Anekdote von deinen Reisen erzählen?

„Wenn man an Jakobswege und Spanien denkt, haben die meisten Leute die Hitze und spanische Sonne vor Augen. Während meiner einmonatigen Wanderung auf der Via de la Plata hat es allerdings fast nur geregnet. Der Enthusiasmus ging da irgendwann flöten und ich hab mir die Zeit beim Laufen im Regen damit vertrieben, mir Songs auszudenken. Auf diese Weise sind „Take a walk“ und mein Durchhaltesong „Keep walking“ entstanden. „Too many people (on the Camino)“ entstand durch die Erfahrung, die ich mit einigen „Pilgern“ machen musste, für die die Wanderung mehr ein Lifestyle-Erlebnis war, das ihrem Anspruchsdenken zu genügen hatte. Wenn da mal die Heizung im Refugio nicht funktionierte, wurde gleich ein Fass aufgemacht, dass das ja mal wieder „typisch Spanien“ sei. Mit Minimalismus, Demut und dem Unterwegssein als Pilger hatte das in meinen Augen nichts zu tun. Andererseits kommt irgendwann immer wieder die Sonne raus oder man trifft Menschen, die sich als Freunde fürs Leben herausstellen. Und man hat Zeit für Gedanken, über Stunden und Tage, die neue Fragen stellen oder alte beantworten können. Das sind für mich die wichtigsten und schönsten Dinge, die mir dort passiert sind.“

6) Mir gefällt das Lied „Keep Walking“ von deinem gleichnamigen Album, das am 16. März 2018 erschienen ist. Ich finde die Botschaft sehr positiv und optimistisch, der Text erinnert mich an die Erleichterung nach schwierigen Tagen auf dem Jakobsweg. Könntest du uns etwas über das Lied sagen? Wie ist es entstanden?

„In der letzten Frage bin ich darauf ja schon etwas eingegangen. Aus diesem Moment, in dem ich mir mit den Songs die öde Regenzeit vertreiben wollte, ist eine Hymne ans Durchhalten geworden, die für mich auf alle Momente passt, um die es keinen Weg herum gibt. Wo man einfach durch muss. Ein Schritt nach dem anderen. Es ist nicht wichtig, wie schnell man etwas bewältigt, aber dass man nicht stehen bleibt, sondern weiterläuft. Irgendwann hat man’s dann immer geschafft. In den Alpen ging mir das oft durch den Kopf. ich hatte zwar einen tollen Wanderführer, aber die Höhenmeter hat der mir nicht abgenommen. Und die waren echt hart zwischen Salzburg und Triest. 2000 Meter hoch, 1000 wieder runter, an einem Tag. Die Arkenberge, die höchste Erhebung Berlins, sind 120 Meter hoch. ich bin weiß Gott kein Bergmensch. Aber wenn man nur an den nächsten Schritt dachte und nicht an alles, was noch vor einem lag, dann gings. Irgendwann war man immer an der nächsten Hütte. Und ein großartiger Tag lag hinter einem.“

Tobias, Dankeschön für die Beantwortung meiner Fragen.

Keep Walking

Videoinformationen
  • Am 15.03.2018 veröffentlicht
  • Provided to YouTube by CDBaby
  • Keep Walking · Trailhead
  • © 2018 Tobias Panwitz, trailheadmusic.com

Das Lied „Keep walking“ befindet sich auf dem gleichnamigen Album von Trailhead, zusammen mit einigen anderen „Walking Songs“, wie Tobias Panwitz sie nennt. „Keep walking“ ermutigt zum Weitermachen in schwierigen Augenblicken, beim Reisen oder, wenn wir uns von unseren Mitmenschen auf die Probe gestellt fühlen.

„When they’re pointing fingers at you
Shake their heads, don’t get what you do
Keep walking, keep walking

Oh, and when your feet get stuck in the mudd
When your tiredness is all that you got
Keep walking, keep walking.“

Trailhead, „Keep walking“ (Auszug)

Tobias Panwitz‘ Musik ist zwischen Folk, Country, Singer-Songwriter und Americana anzusiedeln. Er selbst bezeichnet seine Lieder als „Roadside Folksongs“. Die Texte handeln oft vom Reisen, Wandern, Bergsteigen und Pilgern, sie lenken aber auch den Blick auf unseren Alltag und in unser Inneres. In einem Interview für „Folknews.de“ erklärte er, dass er am liebsten Songs mag, „die nicht zu konkret sind und viel Platz für eigenes Kopfkino lassen.“ Musik soll für ihn idealerweise „das Persönliche ins Universellere […] wenden, so dass Andere ihre eigenen Empfindungen darin gespiegelt sehen.“ Wenn er als Musiker nicht als Trailhead auftritt, singt er manchmal auch im Berliner Dialekt, wie man auf seiner „Berlin Brandenburg EP“ hören kann.[1]

Auf seinem „Walking-Song“-Album „Keep Walking“ befinden sich mehrere Lieder, die unter anderem Spanien und den spanischen Jakobsweg thematisieren, wie „Walking round Madrid“, „Walking the Camino“, „Road to Salamanca“ oder „City of the Saint“. Bemerkenswert finde ich auch Tobias‘ Beschreibung zum Lied „Volcano Ground“, wonach es darin „um die Lebendigkeit“ gehe, die „man findet, sobald man alle Sicherheit hinter sich lässt“. Der Song „White Flag“ handelt hingegen vom Abenteuer, Berge wie den Mount Everest zu besteigen. Vom Album gibt es in der Zwischenzeit auch eine Vinyl-Version, was heute sehr selten ist. Diese besondere nostalgische Note passt aber in meinen Augen gut zur Gesamtstimmung des Albums.[2]

Tobias Panwitz möchte mit seinem Song „Keep Walking“ die Zuhörer motivieren, in schwierigen Zeiten durchzuhalten, weil auf Regen wieder sonnige Tage folgen. So fand auch mein eingangs erwähnter verregneter Tag in Frankreich ein versöhnliches Ende. Nach einer lagen und anstrengenden Etappe kam ich in meiner Unterkunft im Dörfchen Mars an. Dort wurde ich sehr warmherzig empfangen und lernte freundliche Mitpilger kennen. Somit hatte sich mein Durchhalten mehr als gelohnt.

Quellen/Rechte

Titelfoto: Katarzyna Mazur
Lied: "Keep walking", alle Rechte: Tobias Panwitz alias Trailhead, trailheadmusic.com
[1] https://folknews.de/im-gespraech-trailhead/ (zuletzt abgerufen am 11.12.2018)
[2] http://www.trailheadmusic.com/walking-songs (zuletzt abgerufen am 11.12.2018)

11 Kommentare zu „„Keep Walking“ von Trailhead

Gib deinen ab

  1. Hallo Dario,
    herzlichen Dank für Deinen runden, harmonischen Musikbeitrag.
    Ich habe mir „Keep Walking“ als Lesezeichen im Browser gespeichert, Der Titel umreisst ein Lebensprinzip, das mir gut gefällt. Denn wenn wir es ignorieren, bleiben wir einfach erstmal stehen.

    Liebe Grüße vom Paul

    Gefällt 1 Person

  2. Hallo Dario, hallo Tobias,

    das ist ein sehr schönes und interessantes Interview geworden. Ich mag die Musik von Trailhead sehr und kann auch die Konzerte nur empfehlen. Bin auf die Songs gespannt, die auf der Alpenüberquerung Salzburg – Triest entstanden sind. Ob es das Album auch wieder auf Vinyl geben wird?

    Ach ja, besten Dank fürs Verlinken meines Blogs 😉

    Viele Grüße

    Christof

    Gefällt 1 Person

    1. Hallo Christof, danke für deinen Kommentar und für den Tipp 🙂 Das Konzert hat mir auch sehr gut gefallen. Ich stelle mir den Rhythmus der Songs zu einer Alpenüberquerung anders als zum Pilgern auf dem Jakobsweg. Beste Grüße, Dario 🙂

      Liken

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