„Die schönsten Bauwerke sind die, in denen die Stile mehrerer Jahrhunderte ineinanderfließen, wie bei den Kathedralen beispielsweise.“
Friedensreich Hundertwasser
In diesem Satz spiegelt sich treffend das Konzept des Künstlers wider. Ich habe ihn als meinen Gedanken des Monats Juli festgelegt. Ihr findet den Gedanken im unteren Teil meines Blogs oder in der Übersicht der bisherigen Gedanken des Monats.
Das Hundertwasserhaus in Wien
Bei einem Aufenthalt in Wien im April 2023 habe ich das künstlerisch wertvolle Bauwerk bewundern können. In der Bauweise der Fassade ist die Ablehnung von Hundertwasser gegenüber geraden Linie und 90-Grad-Winkel deutlich erkennbar. Die Formen sind geschwungen und verspielt. Sie erinnern an ein Haus aus einem Märchen oder einem Fantasy-Roman. Es gibt viele schiefe Ecken und Kanten, die Farben sind vielfältig, die Säulen haben unterschiedliche Formen und Größen.
Das Gebäude wurde in den Jahren 1983 bis 1985 im 3. Wiener Gemeindebezirk unter Mitarbeit der Architekten Josef Krawina und Peter Pelikan errichtet. Die Fassade ist sehr grün, überall wachsen Bäume und Sträucher, auch die Anwohner:innen haben ihre Fenster und Balkons mit Zierpflanzen geschmückt. Vor dem Eingang ziert ein Brunnen die Straße.
Ich konnte auch eine gewisse Verbindung zum Jugendstil, Art Deco oder Modernisme aus Katalonien erkennen. Antoni Gaudi, ein wichtiger Vertreter des Modernisme, soll einer seiner Vorbilder gewesen sein.
Das Hundertwasserhaus steht nicht für sich alleine, sondern ist ein Teil von mehreren Gebäuden, die gemeinsam eine Art Dorf oder Viertel im Viertel bilden.
Der soziale Hintergrund
Neben dem künstlerischen und ökologischen gibt es auch einen sozialen Aspekt. Der Gebäudekomplex ist nicht als Museum konzipiert worden, sondern es beherbergt auch Sozialwohnungen. In einem der Eingänge erinnert eine Tafel daran, dass hier Menschen wohnen und deswegen Ruhe und Respekt angebracht sind.
Für Hundertwasser ist es wichtig gewesen, dass benachteiligte Menschen berücksichtigt werden. Er hat das Haus der Stadt Wien vermacht, unter der Bedingung, dass in dem Haus Menschen mit niedrigem Einkommen wohnen dürfen.
Kunst Haus Wien
Wenige Gehminuten vom Hundertwasserhaus entfernt, befinden sich eine Markthalle und das Kunst Haus Wien, die ebenfalls vom berühmten Künstler stammen. Sie gehören zum Gebäudeensemble des Hundertwasserhauses.
Im Kunst Haus Wien ist ein Café und das Hundertwasser-Museum untergebracht. Auch hier wiederholen sich die gestalterischen Elemente vom Hundertwasserhaus, wie wackelige Linien und unterschiedlich gestaltete Säulen. Die Schwarz-weiß-Muster der Fassade erinnern mich an ein Schachbrett. Interessant ist auch ein Brunnen mit einer Spiralenform als Symbol des Lebens und des Todes
Friedensreich Hundertwasser
Der Künstler hat 1928 in Wien als Friedrich Stowasser das Licht der Welt erblickt. Er hat seinen Namen in Friedensreich Hundertwasser übersetzt. Ein Jahr nach der Geburt ist er Halbweise geworden. Berühmt ist seine Idee von den fünf Häuten des Menschen gewesen: „Epidermis, Kleidung, Behausung, soziale und globale Umwelt“. Auch hat er die gerade Linie als „eine feige Linie“ bezeichnet. In der Hochschule in Hamburg, wo er als Dozent gearbeitet hat, hat er mit seinen Student:innen eine „unendliche Linie“ über die Hochschulwände gezogen. Daraufhin wurde seine Dozentur von der Hochschulverwaltung beendet.
Seine ungewöhnlichen Ideen haben auch häufig bei seinen Architektenkollegen für Ablehnung gesorgt. Sie haben ihm vorgeworfen, seine Bauweise sei ein reines „Behübschen“.
Und trotzdem gibt es heute viele Bauwerke, die er entworfen hat. Viele befinden sich in Österreich, wie die Müllverbrennungsanlage Spittelau, die Katholische Kirche in Bärnbach (Steiermark), der Österreichbrunnen in Zell am See oder in Deutschland wie die Grüne Zitadelle von Magdeburg, ein Wohnhaus in Plochingen „Wohnen unterm Regenturm“, der Hundertwasserbahnhof in Uelzen und das Hundertwasserhaus im Gragapark in Essen. Seine Arbeit ist auch international gefragt gewesen, was beispielsweise Bauwerke wie die Markthalle Altenrhein am Bodensee (Schweiz), Kids Plaza in Osaka (Japan) und Quixote Winery im Napa Valley (USA) bezeugen.
Der im Jahr 2000 gestorbene Künstler gilt heute als einer der innovativsten und originellsten Künster.
Meine Eindrücke
Den sozialen Gedanken von Hundertwasser finde ich sehr nobel, lobens- und nachahmenswert, obwohl er nicht unumstritten gewesen ist. Die verschnörkelten Linien und bunt-verspielten Fassaden der Häuser wirken wie einem Märchen oder Comic entsprungen.
Mich haben die Farben und die geschwungenen Formen sehr beeindruckt. Ich finde, es sollte mehr solcher Projekte geben, die nicht nur Profit und effizienten Hausbau im Mittelpunkt haben, sondern auch Ästhetik und soziale Aspekte.
Quellen
Titelfoto: Vor dem Hundertwasserhaus, 2023, Rechte: Dario Schrittweise https://www.deutschlandfunk.de/vor-20-jahren-gestorben-friedensreich-hundertwasser-100.html (zuletzt abgerufen: 30.06.2024) https://www.wien.info/de/sehen-erleben/sehenswuerdigkeiten-a-z/hundertwasserhaus-wien-348488 (zuletzt abgerufen: 30.06.2024)
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Hallo Dario, das ist wirklich ein toller Beitrag über die Bedeutung der Kunst, über die Künstler und den Neid, über die Visionen und Visionäre. Besonders hat mich die Behauptung von Hundertwasser über die gerade Linie als eine „feige“ Linie beeindruckt. Es stimmt! Gerade Linien führen auf sichere Weise auf allgemein bekannten Wegen. Nur kein Risiko!!! Dass er diese Meinung und Einstellung auch im Bereich der Architektur angewandt hat, bedeutet für mich eine Überzeugung in die eigene Autorität. Warmherzige Farben und Formen der Welt von Hundertwasser berühren und begeistern diejenigen, die meiner Meinung nach „mit dem Herzen sehen können“ und selbst bereit sind, neue Wege zu suchen und zu gehen. Herzlichen dank, lieber Dario.
LG und noch einen sonnigen Nachmittag.
Sophie Mai
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Hallo Sophie, danke dir für deine Gedanken. Ich finde auch, dass es in der Kunst wichtig ist, die bekannten Wege zu verlassen und Risiken einzugehen. Nur dann kann etwas Neues und Originelles entstehen. Liebe Grüße, Dario 🙂
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Hallo Dario,
Das Hundertwasserhaus im Wien gefällt mir gut .
Ich intererssiere mich daran, wie die Innere des Hauses ist.
Schönen Sonntag noch!
Liebe Grüße aus Japan.
Rumi
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Hallo Rumi, danke dir für deinen Kommentar. Im Inneren des Hauptgebäudes war ich leider noch nicht, habe aber gelesen, dass es da auch in den Gängen schiefe Ebenen gibt. Vermutlich gibt es spezielle Besichtigungszeiten. Allerdings kann man die Innenarchitektur problemlos in den kleinen Läden, die dazugehörigen, und im Kunst Haus Wien sehen. Darf ich fragen, wo du genau in Japan wohnst? Liebe Grüße aus Nürnberg und ebenfalls einen schönen Sonntag, Dario 🙂
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Hallo Dario, danke für deine Antwort.
In den Gängen gibt es schiefe Ebenen.. hmm, interessant!
Ich wohne mit meiner Familie in Fukuoka , die größte Stadt auf Kyusyu Insel, die sud-westlich in Japan liegt.
https://www.japan.travel/de/de/japanbucketlist/fukuoka-kyushu/
Die Stadt ist am Meer also können wir leckere Fische ziemlich preiswert bekommen.
Kennst du da?
Ich glaube, dass Nürnberg eine schöne Stadt mit alte Gebäude ist.
Vielen Dank, dir schöne Sommertage!
Liebe Grüße aus sehr heiße Japan
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Hallo Rumi,
ich kenne Fukuoka nicht, aber die Stadt sieht sehr schön aus. Hoffentlich kann ich eines Tages nach Japan reisen. In Nürnberg gibt es auch viel zu sehen. Auch die Natur ist sehenswert. Ich schreibe immer mal wieder über Nürnberg und die Umgebung. Hier ist es gerade auch sehr warm.
Sommerliche Grüße aus Nürnberg,
Dario 🙂
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Das Hundertwasserhaus in Wien war das erste der vielen sehr sehenswerten Gebäude dieses Kunstlers, das ich besuchte und seitdem war ich absoluter Fan von dieser Hundertwasser-Architektur sowie Kunst! Ein sehr schöner und informativer Beitrag ist das wieder, Dario!
Liebe Grüße, Hanne
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Hallo Hanne, mir hat das Hundertwasserhaus auch sehr gefallen. Danke dir und liebe Grüße, Dario 🙂
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Danke, Dario, für die Vorstellung und Gedanken dazu, Bernd
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Guten Abend Bernd, es freut mich, dass dir mein Beitrag gefällt. 🙂 Einen angenehmen Abend und liebe Grüße, Dario
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Hallo Nati, in Essen gibt es ja auch ein Haus von ihm, das finde ich interessant. Zufälle gibt es immer wieder, wobei ihr auch in anderen Städten wart, wenn ich mich recht erinnere, was die Chancen erhöht. 🙂 LG
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Das Haus in Essen an der Gruga ist auch hübsch, ja.
In ein/zwei Orten haben wir weitere gesehen. Kann jetzt allerdings nicht genau sagen wo es war. 😊
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Hallo Dario
Die Hundertwasser Häuser finde ich stets sehenswert.
Vielen Dank für die Hintergrundinformationen.
Letztes Jahr auf unserer Donau Fahrt besuchten wir dieses Haus, im Rahmen einer Stadtführung, auch kurz. Welch ein Zufall, waren wir doch im Mai dort.
Liebe Grüße,
Nati
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PS. Siehe meinen Kommentar unten, ich habe mich „verklickt“. 😉
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