Im Zeichen des Löwen [Goldene Straße nach Bärnau 3]

„Wanderer, kommst du nach Prag, dann berichte dort, dass dich der Böhmische Löwe durch die bayerischen Orte entlang der Goldenen Straße geleitet hat“, diesen Satz sah ich im Rahmen meiner Wanderung auf der Goldenen Straße auf einer Tafel in Altenstadt an der Waldnaab. In der Tat konnte ich mich auch auf meinen weiteren Etappen auf die Ausschilderung des Wanderweges der regionalen Wandervereine verlassen. Zwar führte mich der Böhmische Löwe nur bis Bärnau, doch ich ging durch viele sehenswerte Orte entlang der ehemaligen Handelsstraße. Eine der schönsten Stationen war Weiden in der Oberpfalz, wie ich es auf der sechsten und am Morgen der siebten Etappe feststellen konnte.

Wegweiser

Etappe 6: Hirschau – Weiden in der Oberpfalz

  • Datum: 18.07.2020
  • Entfernung: ca. 30 Kilometer

Am frühen Morgen des 18. Juli kehrte ich mit Zug und Bus nach Hirschau zurück. Es war ein Samstag und da ich für den Abend ein Hotelzimmer in Weiden reserviert hatte, konnte ich meine Etappe gemütlich beginnen. Die Skulptur eines Gänsehirten, die ich am Ende der letzten Etappe fotografiert hatte, erhielt nun brandaktuell einen Mund-Nasen-Schutz.

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Hohlwege und die Urlinie

Das Wetter war angenehm, ich lief an jenem Sommertag gutgelaunt los. Immer wieder erinnerten mich Hinweisschilder daran, dass ich hier der sogenannten Urlinie der Goldenen Straße folge. Damit ist die historische Streckenführung des berühmten Handelsweges gemeint. Heutzutage verläuft die Autobahn Nürnberg – Prag größtenteils über die historische Strecke, doch einige Abschnitte entsprechen noch der ursprünglichen Route.

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Der geschichtlich inspirierte Wanderweg verlief auch teilweise entlang der sogenannten Hohlwege. Es handelt sich um parallel zueinander verlaufende, tief eingeschnittene Radspuren im Boden, die ein Zeugnis der stark befahrenen Handelsroute abgeben. Die damaligen Altstraßen waren Naturwege, die häufig über Höhen verliefen, damit der Boden schneller trocken werden konnte. Noch heute sind die Spuren als Furchen im Boden erkennbar und an vielen Stellen als Bodendenkmal eingetragen. In Deutschland ist nur der Limes ein größerer Bodendenkmal.

Geleitwechsel in Kohlberg

Das Dörfchen Kohlberg kommt heute unscheinbar daher. Zur Zeit jedoch, als die Goldene Straße viel befahren wurde, war die Stadt viel bedeutender, weil hier der Geleitwechsel stattgefunden hatte. Mit dem Geleitschutz sicherten Soldaten den Handelsweg. Täglich legten die Händler und Soldaten ungefähr 25 Kilometer zurück.

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Laut einer Tafel in der Nähe des Rathauses gehörte Jan Hus zu den berühmtesten Reisenden, die auf der Goldenen Straße durch Kohlberg zogen. Der um 1369 in Böhmen (heute Tschechische Republik) geborene Priester weilte am 15. Oktober 1414 im Kohlberg. Jan Hus war ein scharfer Kritiker der damaligen Zustände in der katholischen Kirche. Der Reformator folgte der Einladung des Königs Sigismunds nach Konstanz, wo das 5. Konzil (1414 bis 1418) stattgefunden hatte. In Konstanz wurde Hus gezwungen, seinem Glauben abzuschwören, was er ablehnte, so dass er 1415 nach einem Schauprozess auf dem Scheiterhaufen verbrannt wurde. Sein Tod löste die sogenannten Hussitenkriege aus.

Etzentrich

Kurz vor meinem Etappenziel erreichte ich die kleine Gemeinde Etzentrich. Hier war es wie erwartet ruhig. Amüsant fand ich eine Kiste zum Tauschen von kleinen Spielzeugfiguren. Zumindest ging ich davon aus, dass es eine war. Ich stellte mir vor, dass jeder hier eine Spielzeugfigur mitnehmen kann, wenn er dafür eine zurücklässt.

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Weiden in der Oberpfalz

Am Nachmittag kam ich in Weiden an und ging gleich in das Hotel, welches ich am Vortag reserviert hatte. Hier erfrischte ich mich und zog mich um. Ich nutzte den langen sommerlichen Tag für einen ausgedehnten Spaziergang durch die Innenstadt.

Weiden in der Oberpfalz wurde 1241 erstmals urkundlich erwähnt und kam im Jahr 1360 unter die böhmische Herrschaft, womit die wirtschaftliche Blüte der Stadt begann. Einer der bekanntesten Söhne der Stadt war der Komponist Max Reger (1873 – 1916). Heute wird Weiden deswegen häufig auch als Max-Reger-Stadt bezeichnet. Die Oberpfalz galt im Mittelalter als das Ruhrgebiet Deutschlands. Auch Industrie war für die Region prägend, so dass auch Weiden bekannt für seine Textil- und Porzellanherstellung war.

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Der Marktplatz ist sehr auffällig, ich würde es als das Herzstück der Stadt bezeichnen, was in diesem Fall sehr zutreffend ist. Das Rathaus befindet sich in der Mitte des Marktplatzes und teilt diesen in den Oberen und Unteren Markt. Mit diesem Aufbau erinnert der Markt an die die Zeit der Goldenen Straße mit den typischen Orten dieser Handelsroute, die ebenfalls das Rathaus in der Mitte hatten. Hinter dem Rathaus erinnern Kanonenkugeln an die Hussitenkriege.

Ich setzte mich in ein Restaurant vor dem Rathaus, aß zu Abend und beobachtete das geschäftige Treiben um mich herum. So ließ ich den Tag entspannt ausklingen.

Etappe 7: Weiden in der Oberpfalz – Püchersreuth

  • Datum: 19.07.2020
  • Entfernung: 15 Kilometer

Den nächsten Tag begann ich mit einem ausgiebigen Frühstück. Ich hatte vergleichsweise genug Zeit dafür, weil einerseits die Etappe mit 15 Kilometern nicht sehr lang war und andererseits, weil ich in Püchersreuth, meinem Tagesziel, das Ruftaxi erreichen musste, aber ausreichend Zeit dafür hatte. Ich ging noch einmal durch die Altstadt, über den Marktplatz, vom Oberen zum Unteren Markt.

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Durch das Untere Tor verließ ich Weiden in der Oberpfalz. Im Prinzip begann meine kurze Tagesetappe erst zu diesem Zeitpunkt.

In Altenstadt an der Waldnaab

Die Städte Weiden in der Oberpfalz, Altenstadt und Neustadt an der Waldnaab sind so dicht beieinander, dass sie fast zusammenwachsen sind. Kaum habe ich Weiden verlassen, schon sah ich die ersten Dächer von Altenstadt.

In Altenstadt fand der Geleitwechsel zwischen den Orten Bärnau und Kohlberg statt. Durch das Geleit sicherte der Kaiser die Goldene Straße. Hier lösten die Wachleute von der Burg Störstein die Soldaten von der Burg Parkstein ab und übernahmen den Schutz der Reisenden bis Bärnau.

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Neustadt an der Waldnaab

Wo eine „alte“ Stadt ist, darf eine „neue“ nicht fehlen, könnte man meinen, wenn man einige Kilometer später in die Stadt mit der entsprechenden Bezeichnung kommt. Die Stadt ist bekannt für ihre Porzellan- und Glasindustrie. Rohstoffvorkommen in der Gegend begünstigten ihre Entwicklung.

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In Neustadt hat mir am besten der Barockgarten gefallen. Fast hätte ich ihn übersehen. Eine Treppe führte durch einen schmalen Durchgang mit dem Wappen des Landkreises in den Garten. Das Schmuckstück war ein kleiner Turm im unteren Bereich der Anlage.

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Am Ausgang aus Neustadt traf ich einen Anwohner, der mich fragte, ob ich auf dem Wanderweg „Goldene Straße“ unterwegs sei, denn der Wanderweg verläuft an seinem Haus vorbei. Außerdem wanderte er selbst immer wieder auf der Goldenen Straße.

Begegnung mit einem Stubentiger bei Störstein.

Bei der kleinen Gemeinde Störstein kam mir ein kleiner, verspielter Stubentiger entgegen, der sich von mir streicheln ließ. Die verschmuste Katze blieb eine Weile bei mir, ich musste dann weiter. Eine Frau, die vorbeigekommen ist, wunderte sich darüber, dass die Katze außerhalb des Ortes war, weil sie wusste, wem die Samtpfote gehöre.

Das Dorf Störstein bekam den Namen von der gleichnamigen Burg, welche Soldaten für den Geleitschutz der Händler gestellt hatte, wie bereits erwähnt.

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Gespräch mit einem Wegwart

Jener Nachmittag war voller interessanter Begegnungen, denn wenige Kilometer danach traf ich einen Mann, der sich um den Weg kümmerte, genauer um einen Wegweiser. Ich kam mit ihm ins Gespräch. Der Wegwart erkundigte sich danach, wie mein Tag war und wie meine Etappenplanung sei. Er wollte auch wissen, ob ich mit dem Zustand der Wege zufrieden sei. Ich bejahte es und erzählte ihm von einem kleinen ausgeblichen Zeichen, der einzigen Ausnahme der ansonsten tadellosen Wegemarkierung im Zeichen des Böhmischen Löwen. Zum Abschied schenkte mir der Wegpate noch einen Aufkleber mit dem Löwensymbol.

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Das Wetter meinte es weiterhin gut mir mir und überall konnte ich mich an sommerlichen Beeren und Früchten bedienen: Himbeeren, Brombeeren, Blaubeeren usw. waren überall zu finden.

Püchersreuth

Am Nachmittag erreichte ich plangemäß Püchersreuth. Hier konnte ich eine kurze Pause machen, bis mich das regionale Ruftaxi gegen 14:30 Uhr abgeholt hatte. Ich war der einzige Mitreisende.

Die Tagesetappe nach Püchersreuth war meine vorletzte auf der Goldenen Straße bis Bärnau. Ein Wegweiser in Püchersreuth erinnerte mich daran, dass ich bis Bärnau noch ungefähr 21 Kilometer zu laufen hatte. Bis es so weit war, dauerte es einige Wochen. So werde ich auch über meine Erlebnisse der letzten Etappe in einigen Wochen schreiben.

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Quellen

Titelfoto: Oberes Tor in Weiden in der Oberpfalz, Fotorechte: Dario schrittWeise
https://www.planet-wissen.de/geschichte/mittelalter/leben_im_mittelalter/pwiedaskonstanzerkonzileinweltereignis100.html
www.weiden.de

9 Kommentare zu „Im Zeichen des Löwen [Goldene Straße nach Bärnau 3]

Gib deinen ab

  1. Hallo Dario,

    vielen Dank für diesen Artikel!

    Ich kann alles Fotos sehen und den Text lesen. 🙂

    Die Goldene Straße würde mich auch mal reizen, kenne bisher nur paar Abschnitte „hinter“ Nürnberg.

    Ich hoffe aber doch, dass Du weiter bis nach Prag läufst. Vielleicht ist die Stadt heuer weniger von ausländischen Touristen besucht als sonst.

    Liebe Grüße, bis bald

    Christof

    Gefällt 1 Person

    1. Hallo Christof, danke dir, ja manchmal scheint es zu funktionieren und dann wieder nicht. Ich werde es mir genauer anschauen.

      Der Wanderweg „Goldene Straße“ eignet sich auch hervorragend für kürzere Ausflüge, wenn man in der Nähe wohnt.

      Und was die anderen Abschnitte anbelangt – die Goldene Straße reicht ja theoretisch von Luxemburg bis Breslau – die habe ich zwar im Hinterkopf, doch da sind auch noch andere Ideen und Ziele und die Zeit ist begrenzt 😉

      Liebe Grüße, Dario 🍀

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    1. Hallo Poetin, danke für deinen Hinweis. Ich muss Mal schauen, woran es liegen könnte. Vermutlich entweder an der Anzahl der Fotos oder an der Browser-Version. Ich habe jedenfalls nichts anderes gemacht, als sonst. Gibt es eine Änderung, wenn du die Fotos länger laden lässt oder einen anderen Browser verwendest? Liebe Grüße, Dario

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          1. danke dario. also vorher hatte ich das noch nicht bei dir auf der seite, dass die fotos nicht sichtbar waren. auch nicht auf anderen seiten. vielleicht ist seitens wp irgendwas neu programmiert worden. vielleicht war es ja auch nur eine einmalige sache. liebe grüße, poetin

            Gefällt 1 Person

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