Hugo Pratt und Corto Maltese in Siena

Corto Maltese, der Kapitän ohne Schiff, Weltreisender und der ewige Abenteurer. Die berühmte Comicfigur ist der Feder des italienischen Zeichners, Szenaristen und Illustrators Hugo Pratt entsprungen.

Nach meinem Aufenthalt in Rom bin ich am 08.10.2025 weiter nach Siena in der pittoresken Toskana gefahren. Dort habe ich mir die Ausstellung „Hugo Pratt. Geografie der Fantasie“ angesehen.

Gleichzeitig habe ich natürlich auch Siena besichtigt, weil ich vor vielen Jahren schon einmal dort gewesen bin und mich erinnert habe, dass mir die Stadt sehr gut gefallen hat.

Italienische Erinnerungen

Hugo Pratt und Corto Maltese in Siena

Hugo Pratt ist untrennbar mit der Stadt Venedig verbunden. Der 1927 in Rimini geborene Comiczeichner, Illustrator und Autor ist viel herumgereist, was auch in der Ausstellung dargestellt wurde. Er kehrte aber immer wieder nach Venedig zurück.

Viele Menschen sehen in Corto Maltese ein Alter Ego des berühmten Künstlers. Corto ist ebenfalls ein Vielreisender gewesen wie sein geistiger Vater.

Die Ausstellung im Palazzo della Pappese

Die Ausstellung „Hugo Pratt. Geografie der Fantasie“ hat im Palazzo della Pappese stattgefunden. Der Palast ist eines der alten Herrenhäuser im Zentrum der stolzen Stadt in der Toskana.

Das Renaissance-Gebäude ließ Caterina Piccolomini, die Schwester des Papstes Pius II. errichten. So hat der Palast den ungewöhnlichen Namen bekommen. Piccolomini betraute den Lieblingsarchitekten ihres Bruders mit dem Bau. Im Palazzo soll sogar der in Florenz geborene Galileo Galilei übernachtet haben. Seit Ende der 1990er-Jahre finden im Gebäude internationale Ausstellungen statt.

Planmäßig sollte die Ausstellung „Hugo Pratt. Geografie der Fantasie“ vom 11.04.25 bis 19. Oktober 2025 dauern, sie wurde sogar bis 02.11.25 verlängert, weil sie so beliebt gewesen ist. Kuratiert wurde die Ausstellung von Patrizia Zanotti und Patrick Amsellem und gestaltet vom Architekten Giovanni Mezzedimi. In der Ausstellung zum 30. Todestag des 1995 gestorbenen Künstlers wurden mehr als 300 seiner Originalwerke gezeigt, beispielsweise Skizzen, Tuschezeichnungen und Aquarelle. Die Veranstalter haben Pratts Kunst als „gezeichnete Literatur“ bezeichnet.

Die Ausstellung fand ich sehr beeindruckend. Die Besucher:innen haben viel über das Leben und die künstlerische Tätigkeit von Pratt erfahren. Wir haben seine Vorbilder und die Reisen kennengelernt, die ihn zu seinen Comics inspiriert hatten. Ein Schwerpunkt der Auswahl ist seine Comicfigur Corto Maltese gewesen.

Das Café des Palazzo hat auch Tische und Stühle im pittoresken Innenhof, hier lief eine Präsentation mit Bildern von Pratt und seinen Comics. Jede Woche haben sich die Veranstalter:innen einen besonderen Thementag einfallen lassen, z.B. Workshops, Konzerte, Filme etc., die insbesondere im Innenhof stattgefunden haben.

Corto Maltese

Corto Maltese ist eine ikonische Comicfigur, die weit über die Landesgrenzen Italiens populär ist. Es gibt mehrere Comicalben, die Corto quer durch die Welt geführt haben.

Den ersten Auftritt hatte er im Comic „Die Südseeballade“ gehabt, der 1967 erschienen ist. Darin ist Maltese noch eine der Nebenfiguren. Danach ist er aber bei den Leser:innen so populär geworden, dass er eine eigene Serie bekommen hat.

Die Werke von Pratt sind poetisch und gründlich recherchiert. Seine berühmtesten Comics handeln von Corto, einem Abenteurer und „Kapitän ohne Schiff“. Seine Reisen lassen ihn fantastische Abenteuer überall auf der Welt erleben. Er reist beispielsweise in die Südsee, nach Irland, nach Äthiopien, Samarkand, Sibirien und China. Er tanzt Tango in Argentinien und liest Hermann Hesse in der Schweiz. Auch die Heimatstadt von Pratt, Venedig, darf natürlich nicht fehlen. Die Geschichten sind voller Magie, Mythen, Poesie und historisch fundiert.

Der berühmte italienische Schriftsteller Umberto Eco ist ebenfalls ein Verfechter von Pratts Comics gewesen. Er hat sinngemäß gesagt, dass er Engels liest, wenn er entspannen will, und Corto Maltese, wenn er etwas Ernstes braucht.

Weitere Comics von Hugo Pratt

Hugo Pratt hat viele weitere Comicfiguren ersonnen, beispielsweise die Wüstenskorpione, Fort Wheeling oder Indian Summer, eine Graphic Novel, die er mit dem Comicautor Milo Manara gestaltet hat. Spannend fand ich in der Ausstellung ein mir unbekanntes Werk, seine Interpretation der Odyssee.

Corto Maltese heute

Die Graphic Novels und Comics von Hugo Pratt haben ganze Generationen von Künstler:innen beeinflusst. Es gibt Comics, Bücher und Filme mit Anspielungen auf Hugo Pratts Werk.

Mittlerweile gibt es sogar Comicalben mit Corto Maltese, die von anderen Künstler:innen stammen. Ich habe mich noch nicht an die neuen Comics getraut. Es geht um die Jugendjahre des Comichelden. Auf der Ausstellung habe ich mit einer älteren Italienerin gesprochen, die auch die ursprünglichen Comics mag. Sie hat mir gesagt, dass für sie nur die Versionen von Pratt die richtigen sind.

Reale Vorbilder

Die Veranstalter:innen haben versucht, sich den Ursprüngen der Comics anzunähern. Pratt hat für seine Alben aufwendige Recherchen angestellt. In der Ausstellung haben sie afrikanische und ozeanische Masken sowie ein Boot aus Papua-Neuguinea ausgestellt.

Bemerkenswert fand ich auch die Verbindung zu anderen Kunstrichtungen und Medien wie Pop-Art, Film und Literatur. Auch seine Comic-Vorbilder waren vertreten, beispielsweise Milton Caniff.

Die italienischsprachige Führung

Leider hat es keine englischsprachige Führung gegeben. Doch durch einen glücklichen Zufall hielt ich mich im Innenhof auf, als die Führung auf Italienisch begonnen hatte. Da noch ein anderer ausländischer Gast anwesend gewesen ist, fasste die Führerin für uns das zuvor gesagte auf Englisch zusammen. So bin ich ganz gut mitgekommen.

Siena

In einem weiteren Beitrag werde ich ausführlicher über meine Erlebnisse in Siena schreiben. Aber auch schon im Palazzo konnte ich erste Eindrücke der Stadt gewinnen.

Im Rahmen der Führung haben wir auch sonst geschlossene Bereiche des Palazzo della Pappese sehen können. Von einer Dachterrasse haben wir einen guten Blick auf die Stadt erhaschen können. Von dieser Terrasse soll Galileo Galilei den Mond für seine wissenschaftlichen Arbeiten beobachtet haben.

Quellen

Titelfoto: Die Projektion von Hugo Pratt und Corto Maltese in Siena, Rechte: Dario Schrittweise
https://www.srf.ch/kultur/kunst/kunst-charmant-belesen-zerrissen-der-haudegen-corto-maltese(zuletzt aufgerufen am 26.08.26)
https://cortomaltese.com/de/hugo-pratt/(zuletzt aufgerufen am 26.08.26)
https://www.tagesspiegel.de/kultur/comics/comic-kunst-im-palast-der-papstinnen-grosse-ausstellung-in-italien-ehrt-hugo-pratt-13528360.html(zuletzt aufgerufen am 26.08.26)
https://palazzodellepapesse.it/en/the-palace/(zuletzt aufgerufen am 26.08.26)
https://operalaboratori.com/en/area-stampa/opera-laboratori-acquires-palazzo-delle-papesse-in-siena/(zuletzt aufgerufen am 26.08.26)
https://palazzodellepapesse.it/en/mostra/hugo-pratt-geografie-immaginarie/(zuletzt aufgerufen am 26.08.26)

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