Spatzenfrühstück am Lago di Tenno [Im Trentino 4]

Die Frühlingssonne näherte sich zunehmend dem Horizont und der ereignisreiche Samstag dem Ende entgegen. Ich bedauerte, dass ich den größten See Italiens wieder verlassen musste. Während meines Aufenthaltes in der Region wurde ich mehrmals positiv überrascht. Doch als ich mich dem Bus näherte, fühlte ich, dass ich an jenem Wochenende noch weitere schöne Momente erleben würde. Ich wurde nicht enttäuscht.

Wegweiser

  1. Beitrag: „….immer einige Schritte weiter“ [Im Trentino 1]
  2. Beitrag: Sonnendurchflutete Olivenhaine und verlorene Schafe [Im Trentino 2]
  3. Beitrag: Riva del Garda mit Seeblick [Im Trentino 3]

Während der Busfahrt von Riva del Garda zum Tennosee unterhielt sich der Fahrer angeregt mit den beiden Mitfahrerinnen, die sich in die vordersten Reihen setzten. Ich saß ebenfalls in dem Bereich, um rechtzeitig die Ortschaft erkennen zu können.

Die Fahrt verlief ziemlich ruckelig. Die Straße schlängelt sich vom Ufer des Gardasees an den Bergterassen entlang, mit dem Blick auf den großen See, aber auch in den Abgrund. Trotz des intensiven Plausches mit den beiden Damen, schaffte es der Busfahrer erstaunlicherweise sicher zu fahren. Ich hatte dabei ein mulmiges Gefühl, weil er gefühlt mehr seine Fahrgäste im Blick behielt, als die kurvenreiche Bergstrasse. Der Busfahrer kannte jedoch die Strecke scheinbar wie seine Westentasche und konnte so beim Fahren problemlos seine weiblichen Fans zum Lachen bringen.

Die Serpentinen und der Gardasee (Fotorechte: Dario schrittWeise)

Ich fragte eine der beiden Damen mit Händen und Füßen, wann der Ort Lago di Tenno kommen würde. Sie verstand mich dabei vermutlich genauso wenig wie ich sie, aber „Lago di Tenno“ war uns beiden ein Begriff. In ihrer Antwort wiederholte sie den Namen des Ortes, so dass ich mir sicher sein konnte, dass sie mich einigermaßen verstand. Sie deutete auf den Busfahrer und ich glaubte zu verstehen, dass er den Ort rechtzeitig ansagen würde. Aus Ungeduld drückte ich trotzdem die Haltewunschtaste und der Bus hielt in einer Ortschaft vor Lago di Tenno. Meine Mitreisenden bemerkten meinen Irrtum und wir lachten gemeinsam darüber. Der Tag war zu schön, um sich über unnötige Sachen aufzuregen.

Am Lago di Tenno

Wenige Minuten später hielt der Bus an der richtigen Haltestelle und ich stieg aus. Der Busfahrer und die beiden mitreisenden Damen verabschiedeten mich freundlich und setzten ihr Gespräch munter fort. Der Zeitpunkt meiner Rückkehr konnte besser nicht sein, denn meine Freundin kehrte vor wenigen Minuten von ihrer Weiterbildung in unsere Ferienwohnung zurück. Wir aßen gemeinsam zu Abend und machten einen Spaziergang um den Lago di Tenno.

Der Weg zum Lago di Tenno

Lago di Tenno liegt in 570 Metern Höhe und hat eine besondere türkisblaue Farbe, die mich an die Südsee, den Blautopf oder die Plitvicer Seen erinnerte. Über mehrere alte Steinstufen kamen wir zum Uferweg. In der Mitte des Bergsees befindet sich eine kleine Insel, die im Sommer von den Badegästen aufgesucht wird. Je nach Wasserstand verwandelt sie sich auch in eine Halbinsel. Der Tennosse gilt als einer der saubersten Seen Italiens und wird deshalb und wegen seiner intensiven Farbe auch „Lago Azurro“ (dt.: „der blaue See“) genannt. Das türkisblaue Wasser verdankt der See dem weißen Gestein auf seinem Grund und den Bäumen am Ufer, die sich auf der Wasseroberfläche spiegeln.[1]

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Der See erstreckt sich über einen viertel Quadratkilometer. Nach der Hälfte des Uferpfades versperrte uns ein kleiner Fluss den Weg, Rì Sec, der Zufluss des Tennosees. Wir kletterten über einen herabhängenden Baum, um trockenen Fußes auf die andere Seite zu gelangen. Langsam wurde es dunkel und nach der Umrundung des Sees liefen wir wieder zurück.[2]

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Spatzenfrühstück

Am nächsten Morgen frühstückte ich entspannt im Café des Hotels, zu dem unsere Ferienwohnung gehörte. Nach einiger Zeit kamen einige Spatzen hinzu, um von meinem Frühstück zu kosten. Ich ließ sie gewähren und erfreute mich an ihrer Gesellschaft. Die Szene erinnerte mich an den bekannten Spruch von Don Bosco (1815–1888): „Fröhlich sein, Gutes tun und die Spatzen pfeifen lassen!“ Nur die guten Taten fehlten noch.

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Während die Spatzen fröhlich umhersprangen und von meinen Krümeln aßen, ließ ich mein Wochenende gedanklich Revue passieren. Ohne große Erwartungen kam ich in diese schöne Gegend in den Dolomiten. Die Anreise war zwar etwas beschwerlich, aber wir ließen uns davon unsere Laune nicht verderben.

Wenn ich die vier Beiträge mit den Jahreszeiten vergleichen sollte, wäre der erste Beitrag der Winter: Wir kamen in der Nacht an und ich suchte am nächsten Morgen noch etwas verschlafen die Orientierung. Im mittelalterlichen Dorf Canale di Tenno beschloss ich, weiterzugehen, weil ich sonst zu lange auf den Bus warten müsste und ich etwas Bewegung brauchte. Diese Aufbruchstimmung begleitete mich weiter zu den Olivenhainen und Schafen des zweiten Beitrags, wie ein Frühlingserwachen. Die Ankunft in Riva mit dem spektakulären Blick auf den von Bergen umgebenen Gardasee war für mich der Höhepunkt des Tages, den ich in meinem Vergleich mit dem Sommer gleichsetzen würde. Und schließlich meine Rückkehr und der Uferspaziergang waren noch ein besonderer Augenblick, den ich wegen des farbenfrohen Wassers und der untergehenden Sonne mit dem Herbst vergleichen möchte.

Rückfahrt

Nach dem Mittagessen verließen wir den Ort. Kurz nach dem Tennosee fuhren wir an einem weiteren schönen See, Lago di Toblino, dem Toblinosee im Valle dei Laghi vorbei. Der Bergsee ist umgeben von einem Schilfdickicht, in dem viele Zugvögel und Fischarten heimisch sind.[3]

Der Toblinosee mit dem Castel Toblino (Fotorechte: Dario schrittWeise)

Auf einer kleinen Landzunge liegt das Castel Toblino, eine Seeburg aus dem sechzehnten Jahrhundert. Einer Legende zufolge sollen in der Burg Feen gewohnt haben, denen sogar von den Einheimischen ein kleiner Tempel gewidmet wurde. An dem Toblinosee sind wir bereits auf der Hinfahrt vorbeigefahren, nur war es damals zu dunkel, um mehr erkennen zu können.[4]

Die Dolomiten auf der Rückfahrt (Fotorechte: Dario schrittWeise)

Die Autofahrt nach Nürnberg verlief viel entspannter als die Hinfahrt, dafür war sie weniger abenteuerlich. Wir genossen die italienische und österreichische Berglandschaft. Wir wussten, dass wir gerne wiederkommen würden und beschlossen, das nächste Mal mehr Zeit für Erkundungstouren einzuplanen.

Quellen

[1,2] https://www.italien.de/seen/tennosee (zuletzt abgerufen am 10.07.2018)
[3,4] hhttps://www.visittrentino.info/de/guide/natur/seen/toblinosee-eine-perle-im-valle-dei-laghi_md_2278 (zuletzt abgerufen am 10.07.2018)

12 Kommentare zu „Spatzenfrühstück am Lago di Tenno [Im Trentino 4]

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  1. Hallo Dario,

    du hast uns von deiner Reise wieder einen spanenden Bericht mit tollen Fotos mitgebracht. Obwohl ich noch nie am Lago di Tenno war, kann ich mir diese türkis-, fast petroleumblaue Farbe gut vorstellen. Aber noch mehr hat mir deine Sprache „mit Händen und Füssen“ gefallen. Da ist in Verbindung mit dem Lachen eine ganz besondere Form der Kommunikation entstanden. So kann man sehr schnell erkennen, dass die vermeintlich Fremden gar nicht so fremd sind. Einfach toll!

    LG, Sophie Mai

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    1. Hallo Sophie,

      danke dir für die schönen Worte. Der Bergsee ist wirklich sehr schön und ein Besuch lohnt sich, auch wenn man nur wenig Zeit hat. Zum Thema Kommunikation stelle ich immer wieder fest, dass auch ein Wille und vorurteilsfreie Herangehensweise nötig ist, sein Gegenüber zu verstehen, dann geht fast alles, notfalls auch „mit Händen und Füssen“ 😉

      Sonnige Grüße und noch einen schönen Sonntag,
      Dario 🙂

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    1. Hallo Nati, danke, ich bin relativ intuitiv auf die Idee gekommen, die vier Beiträge haben sich thematisch fast von alleine ergeben und die Farben und die Tagesabschnitte haben mich dann auf die Jahreszeiten gebracht (Nacht, Morgen, der Aufbruch, der Nachmittag am See, der türkisblaue Bergsee mit dem Sonnenuntergang…). LG, Dario

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