Bom dia, Porto!

Alles begann mit einer kleinen Zeitreise. Nein, das ist keine Science-Fiction-Geschichte. Letzten Mai flog ich nach Porto, weil ich hier den Portugiesischen Jakobsweg beginnen wollte. Zunächst wollte ich aber drei Tage in Porto verbringen, um die Stadt zu besichtigen.

Meine Erlebnisse in der Stadt am Douro hielt ich wieder in kleinen Reisenotizen fest.

Erinnerungen an Portugal

Bom dia, Porto!

Meine Reise nach Portugal begann am 21.05.26 am Flughafen „Albrecht Dürer“ in Nürnberg. Dort kam ich mit einer Passagierin ins Gespräch, die sich auch als Pilgerin entpuppt hatte.

Die Zeitreise

Der Flug selbst war eine kleine Zeitreise. Einerseits, weil ich wieder auf den Jakobsweg zurückgekehrt war und andererseits dank der Zeitverschiebung. In Portugal laufen die Uhren anders und als wir die Landesgrenze überschritten hatten, gewannen wir eine Stunde. Während es in Deutschland 20:00 Uhr war, zeigten die Uhren in Porto 19:00 Uhr an. So sparte ich nach der Landung im Flughafen Porto eine Stunde. Es gibt unangenehmere Arten des Reisens.

Scratchcards

Eine große Freude bereitete mir die Ankündigung der „Scratchcards“ auf dem Hinflug. Ich fand sie sehr kurios. Das waren kleine „Rubbellose“ der Fluggesellschaft. „Scratchcards, Scratchcards!“ war zu hören, wie auf dem Jahrmarkt. Die Flugbegleiterinnen taten mir jedoch leid, weil sie sich ihre Aufgaben vermutlich ursprünglich anders vorgestellt hatten. Aber ich denke, in jedem Beruf gibt es Tätigkeiten, die man nicht so gerne macht. Hier waren es Rubbellose, Parfüm und andere Mitbringsel, die die Flugbegleiter neben Essen und Getränken verkaufen müssen. Sie sind praktisch dauernd auf den Beinen und flitzen hin und her zwischen den Sitzreihen.

Der Flughafen von Porto
Der Flughafen von Porto

Der erste Tag

Azulejos

Überall sah ich die Azulejos, die kleinen, bunt bemalten und glasierten Keramikfliesen oder Wandkacheln. Sie sind typisch für Portugal und Spanien. Oft werden sie zu komplexen Wandbildern zusammengesetzt. Sehenswerte Exemplare können in Porto beispielsweise an und in der Kathedrale „Sé de Porto“ oder im Bahnhof São Bento bewundert werden. Sie begegneten mir aber auch überall in der Stadt. Da die Technik arabischen Ursprungs ist, stammt auch der Name vom arabischen Wort für die (glasierte) Keramik („az-zulaiǧ“) ab.

Azulejos neben der Kathedrale
Azulejos neben der Kathedrale

Die Kathedrale „Sé de Porto

Zu den berühmtesten Gebäuden der Stadt gehört die Kathedrale „Sé de Porto„. Laut einer Infotafel wurde die Kathedrale im 12. Jahrhundert im Stil der Romanik gebaut und später mehrfach umgestaltet, insbesondere während der Gotik. Ich sah mich auch im Inneren um.

Vor der Kathedrale
Vor der Kathedrale

„Ai se eu te pego!“

An einem Nachmittag lauschte ich am Platz vor der Kathedrale dem Gesang einer Straßenmusikerin. Sie sang unter anderem das berühmte portugiesischsprachige Lied „Ai se eu te pego!“ des brasilianischen Sängers Michel Teló, das vor einigen Jahren in den Charts gewesen war.

Die Brücke „Dom Luís I“.

Die bekannteste Brücke der Stadt Ponte „Dom Luís I“ verbindet die beiden gegenüberliegenden Uferseiten des Douros miteinander. Sie ist 385 Meter lang. Von der Brücke sprangen mehrere Jugendliche in den Fluss, als ich dort war, obwohl es offiziell verboten ist. Die schmiedeeiserne Brücke verbindet Porto und die Stadt Vila Nova de Gaia auf der anderen Seite des Douros.

Die Brücke wurde nach dem König Dom Luís I benannt, der in der Bauphase der Brücke über Portugal geherrscht hatte. Sie wurde auch 1886 vom König höchstpersönlich eingeweiht.

Der Architekt der Brücke war Théophile Seyrig, ein Schüler von Gustave Eiffel. In meinem Hotel hing ein interessantes Schwarz-Weiß-Foto der Bauzeit, die zwischen 1881 und 1886 dauerte.

Die Straßenkünstler und Verkäufer

In der Innenstadt begegneten mir viele Straßenmusiker, Verkäufer, Gaukler. Wie dieser Bilderverkäufer vor der Brücke „Dom Luís I“ auf dem Foto oder die Sängerin vor der Kathedrale. Sie machen die Stadt lebendig, wie ich finde.

Ein Bilderverkäufer
Ein Bilderverkäufer

Am Douro

Der Fluss, der sich durch Porto schlängelt, gibt der Stadt den Takt vor. Douro hatte schon seit der Vorzeit als ein bedeutender Transportweg in der Region gedient.

Bekannt sind die Weinsorten, die im Dourotal angebaut werden. Auch der Portwein hat hier seinen Ursprung.

Am Douro
Am Douro

In der Stadt gibt es viele Gelegenheiten, um entlang des Flusses zu flanieren oder am Ufer zu essen. Am Abend nach der Straßenbahnfahrt saß ich in einem neueröffneten Restaurant in Ufernähe. Sie hatten einen hervorragenden Portwein.

Auf dem Fluss sah ich viele historische Rabelo-Schiffe, die ursprünglich für die Transporte von Waren verwendet wurden, insbesondere von Portweinfässern. Ein Rabelo-Schiff fuhr beispielsweise unter der Brücke „Dom Luís I“ hindurch, als ich das Titelfoto aufgenommen hatte.

Die historische Straßenbahn

Durch Porto fährt die historische Straßenbahn. Drei Linien verbinden unterschiedliche Teile der Stadt miteinander. Sie erinnern an die elektrische Straßenbahn aus dem 19. Jahrhundert.

Ich nahm eine dieser Straßenbahnen entlang des Douros bis an die Atlantikküste. Bei meinem ersten Besuch in Portugal vor mehreren Jahren fuhr ich bereits mit der historischen Straßenbahn durch Lissabon.

Die historische Straßenbahnen
Die historische Straßenbahnen

Beeindruckende Wellen des Atlantiks

Am Ende der Straßenbahnfahrt machte ich einen Spaziergang am Atlantik entlang. An jenem Nachmittag Ende Mai 2026 war kein Mensch im Wasser, weil es noch zu kalt war.

Die Wellen des Atlantischen Ozeans hatten eine beruhigende Wirkung auf mich. Der Wind zerzauste mein Haar und ich konnte das salzige Meereswasser riechen und fast schmecken. Später zog ich meine Schuhe und Socken aus, um den feinen Sand spüren zu können.

Wellen
Wellen

Pastéis de nata

Was auch nicht in Portugal fehlen darf, sind die Pastéis de nata. Es handelt sich um kleine Törtchen aus Gebäck und Sahne. Es gibt sie in verschiedenen Varianten.

Sie hatte ich auf meiner ersten Reise nach Portugal vor ungefähr 15 Jahren entdeckt. Damals war ich mit einem lieben Freund dort und wir haben diese kleinen Gepäckstücke häufiger gegessen. Sie wecken in mir Erinnerungen an die Strände bei Peniche, die vielen malerischen Gassen von Lissabon, den Ausflug zum Märchenschloss Sintra und an das Ende der Welt bei Cabo da Roca.

Ein Pastel de Nata
Ein Pastel de Nata

Der zweite Tag

Die Stadtführung

Am zweiten Tag schloss ich mich einer Stadtführung an. Der ungefähr 30-jährige Stadtführer entpuppte sich als ein Deutscher, der mit 16 mit seiner Familie nach Portugal eingewandert war.

Die Markthalle Mercado do Bolhão

In der Markthalle des Mercado do Bolhão ließen wir uns vom Trubel treiben. Der Stadtführer gab uns eine halbe Stunde, damit wir uns umsehen konnten. Die Markhalle fand ich recht groß, mit vielen Ständen und Verkäufern.

In der Markthalle
In der Markthalle

Der Bahnhof São Bento

Sehr sehenswert fand ich auch den Bahnhof São Bento mit den typischen Azulejos. In der Vorhalle hatte der Maler Jorge Colaço in 200.000 Keramikfliesen die Geschichte der Stadt Porto gestaltet. Die Zeitschrift „Geo“ hatte den Bahnhof São Bento zu den 10 schönsten Bahnhöfen der Welt gewählt.

Zwei Möwen

In der Nähe der Kathedrale Sé de Porto beobachtete ich eine skurrile Szene. Zwei Möwen kämpften um etwas – ja, um was denn? Sie zogen und zerrten mit ihren Schnäbeln daran. Ich kam näher und sah einen Kamm, um den die beiden Vögel stritten. Einerseits bizarr, aber gleichzeitig auch traurig, dass Tiere den menschlichen Abfall mit Essen verwechseln.

In den Gassen der Ribeira

Ich spazierte gerne durch die Gässchen der Stadt. So konnte ich immer wieder neue Ecken entdecken. Insbesondere das Altstadtviertel Ribeira fand ich sehenswert. Es ist ein Teil der Freguesia São Nicolau, des historischen Zentrums der Stadt, das seit 1996 zum UNESCO-Weltkulturerbe gehört. Einige Häuser waren allerdings in keinem guten Zustand, als ich dort war.

Abendlichter

In Porto gibt es mehrere Aussichtspunkte, die Miradouros, von welchen aus man den Sonnenaufgang oder -untergang bewundern kann.

Ein beliebter Ort für die Beobachtung der Sonnenuntergänge ist die Nachbarstadt Vila Nova de Gaia, die zu Fuß über die Brücke „Dom Luís I.“ erreicht werden kann.

Das Foto nahm ich in der Nähe der Kathedrale Sé de Porto auf.

Porto ist eine sehenswerte Stadt und ich beschloss, nach meiner Pilgerschaft nochmal zurückzukehren. Später werde ich in einem weiteren Beitrag über meine Erfahrungen in Porto schreiben.

Quellen

Titelfoto: Die Brücke Dom Luís I mit einem Rabelo-Schiff, Rechte: Dario Schrittweise
https://www.geo.de/reisen/top-ten/bahnhof-porto-s%C3%A3o-bento--portugal_30139214-30167178.html(zuletzt aufgerufen am 09.08.26)

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