Via Podiensis

Meinen nächsten Streckenabschnitt auf dem Jakobsweg werde ich am heutigen Vormittag in Le Puy-en-Velay beginnen. Mein Plan lautet, ungefähr zum Zeitpunkt, in dem dieser vorbereitete Beitrag erscheint, die Kathedrale Notre Dame über die 134 Stufen zu verlassen. Danach werde ich durch die mittelalterlichen Gässchen und Eselstrittstufen der Stadt zum Place de Plot laufen. Hier fängt offiziell der Jakobsweg „Via Podiensis“ an, auf dem ich die kommenden 10 Tage pilgern werde.

Geschichte der Via Podiensis

Im mittelalterlichen Pilgerführer „Liber Sancti Jacobi“ wird unter anderem die Pilgerreise des Bischof Godeschalk von Puy beschreiben. Godeschalk war einer der ersten schriftlich erwähnten Jakobuspilger, die ihre Pilgerschaft in Le Puy-en-Velay begonnen haben. Er war wohl auch einer der ersten Pilger, die ihren Weg nach Santiago außerhalb von Spanien begonnen haben. Seine Reise führte ihn im Jahr 951 über einen Weg nach Santiago de Compostella, der heute als „Via Podiensis“ bekannt ist. Nach seiner Rückkehr aus Santiago im Jahr 962 ließ Godeschalk die Kapelle Saint-Michél auf der Felsnadel Aiguilhe in Le Puy-en-Velay weihen. Heute gilt Via Podiensis als der wohl berühmteste französische Jakobsweg, über den die Pilger bis Saint-Jean-Pied-de-Port laufen. Die Stadt befindet sich in der Nähe der französisch-spanischen Grenze. Hier beginnt der berühmteste spanische Jakobsweg, der „Camino Francés“. Die Entfernung von Le Puy-en-Velay bis Saint-Jean-Pied-de-Port beträgt ca. 750 Kilometer. Bis Santiago de Compostella sind es dann noch weitere 750 Kilometer.

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Jakobswege in Frankreich, Bildrechte: Hk kng (eigenes Werk) Lizenz: GFDL oder CC-BY-SA-3.0 via Wikimedia Commons

Im Jahr 1138 wurde das Sammelwerk „Liber Sancti Jacobi“ herausgebracht, auch „Codex Calixtus“ genannt, ein Buch zu Ehren des Heiligen Jakobus. Der Mönch Aimert Picaut wird als Autor vermutet. Darin hat er unter anderem auch die berühmtesten Jakobswege nach Santiago de Compostella beschreiben, so dass die Schrift auch als eines der ersten europäischen Reiseführer bezeichnet werden kann.[1]

Die Blütezeit der Pilgerreisen nach Santiago de Compostella reicht bis in das 10. und 11. Jahrhundert, in die Zeit der spanischen Befreiungskriege gegen die maurischen Eroberer. Im „Jakobusbuch“ von Picaut wurden auch viele Orte entlang der Jakobswege genannt, die auf eine lange Pilgertradition zurückblicken, wie Conques, Cahors oder Saint-Jean-Pied-de-Port.[2]

Seit dem 15. Jahrhundert ebbte das Interesse an Pilgerreisen nach Santiago ab. Viele Jahrhunderte später, im Jahr 1987, wurde der Weg vom Europarat in der Deklaration von Santiago de Compostella zum ersten europäischen Kulturweg erklärt. 1993 erlangte der berühmteste spanische Jakobsweg „Camino Francés“ den Status „UNESCO-Weltkulturerbe“. Auch einige Teile der französischen Hauptwege und Orte sowie Bauwerke, die mit dem Weg in Verbindung stehen, bekamen diesen Status zugesprochen.[3]

Eine Tafel mit Karte auf dem Place de Plot: „Hier beginnt die Via Podiensis, eine große Straße der Jakobsweg-Pilgerschaft“ (Fotorechte: schrittWeise)

Die besonderen Orte und Bauwerke auf der Via Podiensis

Die geographisch gesehen ersten Stätten des UNESCO-Weltkulturerbes auf der Via Podiensis befinden sich am Ausgangspunkt der Via Podiensis, es handelt sich um die Kathedrale Notre-Dame du Puy und Hôtel-Dieu Saint-Jacques in Le Puy-en-Velay. Der Jakobsweg  beginnt offiziell auf dem Platz de Plot, die meisten Pilger fangen ihre Pilgerschaft jedoch in der Kathedrale Notre-Dame du Puy an. Oft wird der dort täglich um 7:00 Uhr stattfindende Pilgergottesdienst als Beginn ausgewählt.

Kathedrale Notre Dame und Hotel Dieu in Le Puy-en-Velay (Fotorechte: schrittWeise)

Weitere sakralen Gebäude auf dem Weg, die diesen Status besitzen, sind die Kathedrale Saint-Étienne in Cahors, Abtei Saint-Pierre in Moissac, Stiftskirche Saint-Pierre in La Romieu, Klosterkirche Sainte-Foy in Conques sowie die Kirche Sainte-Quitterie in Aire-sur-l’Adour. Auch einige Brücken haben den Titel „Welterbe“ verliehen bekommen: der Pont Valentré in Cahors, die Pilgerbrücke über die Boralde, die alte Brücke in Espalion, Brücke von Artigue, über den Lot in Estaing und in Conques.

Zum UNESCO-Weltkulturerbe entlang der Via Podiensis gehören auch das Hôpital Saint-Jacques in Figeac, der Dolmen von Pech-Laglaire, das Jakobus-Tor von Saint-Jean-Pied-de-Port und auf den Alternativstrecken die Basilika Saint-Sauveur und Krypta Saint-Amadour in Rocamadour, die Kathedrale Saint-Caprais von Agen sowie die Kirche von L’Hôpital-Saint-Blaise.[4]

Eine besondere jedoch eine eher traurige Geschichte vom Weg ist auch der Mythos der Bestie von Sauges, auch „Béte de Gévaudan“ genannt. Der Legende nach soll ein wolfsähnliches Monster im Jahr 1764 viele Frauen und Kinder in der Region um Sauges getötet haben. Niemand konnte die Bestie fangen, erst einem Jäger soll es drei Jahre später gelungen sein, das Untier mit einer Silberkugel zu erschießen. Bis heute ist jedoch unklar geblieben, was oder wer diese Bestie war, welcher ungefähr 100 Menschen zum Opfer fielen. Viele Mythen ranken sich um diese Ereignisse. 2001 drehte der Regisseur Christophe Gans den Film „Pakt der Wölfe“, der auf den wahren Begebenheiten dieser Geschichte basiert.[5]

Via Podiensis Gedenktafel
Eine Tafel, die an die Eckdaten der Via Podiensis erinnert (Fotorechte: schrittWeise)

Quellenangaben

[1] Forst, Bettina: "Französischer Jakobsweg. Via Podiensis von Le Puy-en-Velay bis zu den Pyrenäen", München, S. 22
[2] Forst, S. 22
[3] Forst, S. 24
[4] Engel, Helmut: "Frankreich: Jakobsweg. Via Podiensis, von Le Puy-en-Velay nach Saint-Jean-Pied-de-Port", Welver, S. 10f. und http://whc.unesco.org/en/list/868/ (zuletzt abgerufen am 31.08.17)
[5] Forst, S. 39

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