Kurzhörspiel „Das Artefakt“ [3/4]

Im zweiten Teil des Hörspiels „Das Artefakt“ brachten Art und Dana das unbekannte Zahnrad zu Klara Polikova, einer Kryptologie-Expertin. Sie glaubt, einen Weg gefunden zu haben, um die unverständliche Inschrift auf der Innenseite des Fundstücks zu entziffern.

Kurzhörspiel „Das Artefakt“

Teil 3: Im Bostoner Athenaeum

Stimmen

Simon Finn: Ingenieur am MIT, ein Freund von Art
Art Masterson: Besitzer einer Werkstatt, übernimmt manchmal auch kleinere Überwachungsaufträge für Jack
Dr. Dana Figuera: Literaturwissenschaftlerin, eine Freundin von Art
Dr. Klara Polikova: Linguistin, Kollegin von Dana
Jack Holland: Anwalt, ein Freund von Robert und Art
Robert Jenkins: Kunstrestaurator
Joan Timor: Radiomoderatorin, Wetteransagerin
Eine Mitarbeiterin des Athenaeums

Übersicht

Szene 5: Im Bostoner Athenaeum

(Geräuschkulisse der Besucher im Bostoner Athenaeum, leise Musik im Hintergrund, Vorschlag: Julie Londons „Fly me to the moon“, Youtube, 2:33 Minuten)

Art Masterson: „Hallo Simon, ich weiß die alte Bibliothek und die reiche Kunstsammlung des Atheneaum zu schätzen, aber warum treffen wir uns hier und nicht bei dir am MIT?“
Simon Finn: (gehetzt, um Ruhe ringend) „Hallo Art, ich freue mich auch, dich zu sehen. Zum einen waren meine Kollegen schon sehr neugierig, weil ich einen Gegenstand untersucht habe, den ich vorher nicht in unserer Datenbank registriert habe. (Pause) Dann hat es noch einen Zwischenfall mit unserem Rechenzentrum gegeben.“
Art Masterson: (besorgt) „Was für einen Zwischenfall?“
Simon Finn: (nervös) „Das könnte ich dich fragen. Seitdem du mich in diesen Fall hineingezogen hast, bekomme ich dauernd Probleme. Jemand hat gestern versucht, in unsere Systeme einzudringen.“
Art Masterson: (überrascht) „Wie das? Konntet ihr die Angreifer ergreifen?“
Simon Finn: (leicht verärgert) „Nein, er konnte fliehen. Wir verzeichnen zwar immer wieder Fälle von Betriebsspionage, weil wir mit einigen renommierten Unternehmen zusammenarbeiten…“
Art Masterson: (vervollständigt seinen Satz, Böses ahnend) „…aber nicht in diesem Ausmaß, wolltest du bestimmt sagen.“
Simon Finn: „Genau das. Wir mussten dieses Mal sogar unsere Systeme für mehrere Stunden herunterfahren. Noch ist unklar, was die Eindringlinge angestellt haben.“
Art Masterson (lächelnd): „Lass mich raten, eure Computerabteilung arbeitet mit Hochdruck daran.“
Simon Finn (mit leicht mürrischem Unterton): „Wie ich sehe, hast du deinen Sinn für Humor noch nicht verloren. Du kannst dir gar nicht vorstellen, wie schwer es ist, diese riesigen Rechner zu warten.“
Art Masterson: „Entschuldige, aber die letzten Tage waren sehr zermürbend.“
Simon Finn: „Kein Problem, Art. Ich bin mir zwar sicher, dass dieser Fall von Betriebsspionage etwas mir dir und diesem seltsamen Zahnrad zu tun hat, aber deswegen sind wir nicht hier. Ich habe die Untersuchungsergebnisse hier. Konntest du etwas bei deiner Bekannten, der Sprachwissenschaftlerin erfahren?“
Art Masterson (fröhlich): „Das sind gute Nachrichten! Toll, dass du es doch geschafft hast. Zeig mir schnell deine Unterlagen und dann erzähle ich dir, was wir bei Klara herausgefunden haben.“
Simon Finn: „Gut, dann lass uns in einen ruhigeren Bereich der Bibliothek gehen, wo wir ungestört sein können.“

(Eine Durchsage ertönt und unterbricht ihr Gespräch.)

Eine Mitarbeiterin des Athenaeums: (liest die Durchsage über eine Sprechanlage vor) „Ein Telefonanruf für den Besucher Art Masterson. Herr Masterson, kommen Sie bitte zum Empfang. Ein Telefonanruf für Herrn Masterson.“

Art Masterson: (leise sprechend) „Entschuldige mich bitte kurz, Simon, ich muss mich melden. Vermutlich ruft mich mein Auftraggeber an. Es scheint dringend zu sein.“
Simon Finn: (verständnisvoll) „Klar, das verstehe ich. Gerade herrschen besondere Umstände.“

(Art entfernt sich und nimmt am Empfang den Anruf entgegen)

Robert Jenkins: (gehetzt) „Hallo Art, entschuldige bitte die Störung. Es war wichtig, dich zu erreichen. Du hast mir Dana Figuera als Kontakt genannt. Sie wusste, dass ich die im Athenaeum finden kann.“
Art Masterson: (besorgt) „Hallo Robert, klar. Worum geht es?“
Robert Jenkins: „Jack und ich haben uns zunächst in unauffälligen Hotels aufgehalten, wie du uns geraten hast “
Art Masterson: „Das war wichtig. Und dann?“
Robert Jenkins: „Jack hat mich gestern angerufen, um mir zu erzählen, dass er einem wichtigen Hinweis auf der Spur sei.“
Art Masterson: (atmet tief durch) „Das klingt nicht gut. Wir haben doch vereinbart, dass ihr untertauchen werdet, bis ich die Herkunft des Artefaktes herausgefunden habe.“
Robert Jenkins: (entschuldigend) „Ja, ich weiß, aber er sagte, es sei wichtig und wir sollten uns im Isabella Stewart Gardner Museum treffen. An einem öffentlichen Ort, um nicht aufzufallen.“
Art Masterson: „Das ist Jack ähnlich. Er kann nicht untätig herumsitzen.“
Robert Jenkins: (ängstlich) „Ich kam wie vereinbart zum Treffpunkt, sah aber noch rechtzeitig zwei Männer aus einem Auto aussteigen und Jack ergreifen. Sie zerrten ihn in den Wagen.“
Art Masterson: (überrascht) „Verflucht! Was hast du dann getan?“
Robert Jenkins: (nervös) „Was hätte ich tun sollen? Ich habe mich aus dem Staub gemacht. Immerhin habe ich mir ihr Nummernschild gemerkt. Ich habe mich wieder an die Polizei gewandt. Sie haben mit der Suche begonnen. Sollen wir den Fall vollständig an die Polizei übergeben? Es wird langsam zu heiß.“
Art Masterson: (entschlossen) „Nein. Dafür ist es jetzt zu spät, wir sind zu weit gekommen. Außerdem sind wir es Jack schuldig. Gib‘ mir später die Nummer. Ich kenne jemanden, der den Besitzer finden kann.“
Robert Jenkins: „Gut. Du kennst ja wohl jeden in Boston.“
Art Masterson: (lacht nervös) „Nur die wichtigsten Leute. Die Entwicklung gefällt mir nicht. Wir müssen Jack unbedingt befreien.“
Robert Jenkins: (nachdenklich) „Ich vermute, dass sie uns erpressen wollen, um an das Zahnrad zu gelangen.“
Art Masterson: „Hoffentlich hast du recht und sie tun Jack nichts. Wir müssen noch schneller handeln. (Pause) Ich bin mir sicher, dass wir der Lösung des Falles näher kommen, sobald wir mehr über die Herkunft des Artefaktes erfahren. Ich bin schon sehr weit und kann dir bald wichtige Erkenntnisse liefern.“
Robert Jenkins: (hoffnungsvoll) „Das sind hervorragende Neuigkeiten. Ich tauche am besten wieder unter und melde mich in Kürze wieder.“
Art Masterson: (nach einer kurzen Denkpause) „Übernachte heute in einem anderen Hotel und ruf mich morgen Abend wieder an.“
Robert Jenkins: (ängstlich) „In Ordnung, das mache ich. (Pause) Bis morgen.“
Art Masterson: „Sei vorsichtig, Robert. Bis morgen.“
Robert Jenkins: „Danke, du auch, Art.“

(Robert beendete das Gespräch. Schritte. Er kehrt wieder zu seinem ursprünglichen Gesprächspartner zurück.)

Art Masterson: (gedämpft, müde) „Sie haben Jack entführt, wir müssen uns beeilen. Die Gefahr wird immer präsenter.“
Simon Finn: (besorgt) „Dann erkläre ich dir am besten gleich, was ich weiß.“
Art Masterson: „Gehen wir in einen ruhigeren Raum.“

(Schritte. Simon und Art verlassen den Raum.)

Art Masterson: (leise) „Gut, ich denke, dass uns hier niemand stören wird. Wir müssen uns jetzt beeilen, wir haben keine Zeit mehr. Verfolger meines Auftraggebers werden auch bald hinter mir her sein. Außerdem muss ich mich auch dringend um Jacks Entführung kümmern.“
Simon Finn: „Gut, dann komme ich am besten gleich zur Sache.“ (Papierrascheln) „Hier sind die Untersuchungsergebnisse. Ich werde dich nicht mit wissenschaftlichen Details langweilen, aber laut meiner Radiokarbon-Messung wurde das Zahnrad aus einem unbekannten Eisen hergestellt, das eindeutig meteoritischen Ursprungs ist.“ (Pause) „Der Meteoriteneinschlag hat sich schätzungsweise vor einigen Tausenden von Jahren in Mitteleuropa ereignet.“
Art Masterson: (nachdenklich) „Interessant, wie kann uns das jetzt weiterhelfen? Konntest du diese eigentümliche Energiequelle identifizieren, von der Robert Jenkins gesprochen hat?“
Simon Finn: „Ja, ich konnte das Phänomen bestimmen. (Pause) Dabei handelt es sich jedoch nicht um eine Energiequelle im herkömmlichen Sinne, sondern um eine verstärkte elektromagnetische Strahlung. Vielleicht habe ich eine Idee, was wir mit dem Artefakt machen könnten. Zuerst würde es mich aber brennend interessieren, was ihr bei der Entschlüsselung der Geheimschrift herausgefunden habt.“
Art Masterson: (zögerlich) „Dana und ich konnten mit Hilfe von Dana die Schrift zwar entziffern…“
Simon Finn: (leichte Enttäuschung in der Stimme) „Du scheinst dir aber nicht ganz sicher zu sein, was die Worte bedeuten?“
Art Masterson: „So in etwa. Klara vermutet, dass ein Teil der Inschrift noch fehlt.“
Simon Finn: (ungeduldig) „Und, was habt ihr denn herausgefunden?“
Art Masterson: „Der mutmaßliche Textfragment lautet: „….er, Gegner von Prometheus, nahm das Feuer des Himmels, um die Körper zu beleben.“ (Pause) „Dann folgt eine Zahlenkombination, die keinen Sinn ergibt: 142514416.“
Simon Finn: (grübelnd) „Hmmm“ (Pause) „Der Text ergibt so wirklich wenig Sinn. Wir sollten den Rest finden.“
Art Masterson: (hoffnungsvoll) „Du hast vorhin erwähnt, dass du vielleicht eine rettende Idee hast?“
Simon Finn: „Das stimmt. Und ich habe mich bereits darum gekümmert, als du vorhin telefoniert hast. Ich weiß, wie wir die Herkunft des Objektes herausfinden können. Ich erkläre es dir unterwegs.“

(Ihre Unterhaltung verliert sich im Stimmenwirrwarr des Bostoner Athenaeums. Musik übertönt bald darauf alle Geräusche. Vorschlag: Round Midnight – Thelonious Monk (1947), Youtube, 3:09 Minuten)

Ende des 3. Teils

Teil 4: Er belebte Körper mit dem Feuer des Himmels

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