Kurzhörspiel „Das Artefakt“ [4/4]

Im dritten Teil des Hörspiels „Das Artefakt“ konnte Klara die unbekannte Geheimschrift „Alphabetum Kaldeorum“ entziffern. Sie stellte aber gleichzeitig fest, dass eine Hälfte der Inschrift fehlt. Simon Finn fand währenddessen heraus, woraus das Zahnrad hergestellt wurde. Sie müssen sich jedoch beeilen, denn ihr Freund Jack Holland wurde entführt.

Kurzhörspiel „Das Artefakt“

Teil 4: „Er belebte Körper mit dem Feuer des Himmels“

Stimmen

Simon Finn: Ingenieur am Bostoner MIT, ein Freund von Art
Art Masterson: Besitzer einer Werkstatt, übernimmt manchmal auch kleinere Überwachungsaufträge für Jack
Dr. Dana Figuera: Literaturwissenschaftlerin, eine Freundin von Art
Dr. Klara Polikova: Linguistin, Kollegin von Dana
Jack Holland: Anwalt, ein Freund von Robert und Art
Robert Jenkins: Kunstrestaurator
Joan Timor: Radiomoderatorin, Wetteransagerin

Übersicht

Szene 6: Auf dem Flugzeugschrottplatz

Radiomoderatorin Joan Timor: „Einen wunderschönen guten Abend, liebe Hörerinnen und Hörer. Die Schlecht-Wetter-Tage sind vorbei und über Boston scheint wieder die Sonne beziehungsweise der Mond. Heute können wir mit einer kristallklaren Nacht rechnen. Genießt den magischen Sternenhimmel mit unserer Musik.“

(Nächtliche Waldgeräusche, ein Auto kommt zum Stehen, Autotüren gehen auf und wieder zu, drei Personen laufen durch den Wald, leise Musik im Hintergrund, Vorschlag: Billie Holiday – Moonglow, Dauer: 2,58 Minuten, Youtube)

Dana Figuera: (zweifelt) „Art, bist du sicher, dass wir hier richtig sind? Ich sehe hier nur den Bostoner Stadtwald.“
Art Masterson: „Ja, Simon Finn hat mit seinen Messinstrumenten das zweite Artefakt hier lokalisiert. Gleich werden wir die Lichtung sehen.“
Robert Jenkins: (neugierig, aber ängstlich zugleich) „Ich bin gespannt, was ihr entdeckt habt.“
Art Masterson: „Ich bin es auch. Hoffentlich können wir so auch die Entführer von Jack finden.“
Dana Figuera: (Lacht leise) „Art, was schleppst du in dem riesigen Rucksack mit?“
Art Masterson: „Darin befindet sich ein ausrangierte Strahlendetektor der US-Armee, mit dem wir die Strahlensignatur des zweiten Artefaktes zurückverfolgen können. Sie ist mit den Strahlen des gefundenen Zahnrades identisch ist.“
Dana Figuera: „Der Himmel ist sehr klar heute Nacht. Für die Beleuchtung brauchen wir zumindest nicht zu sorgen.“
Art Masterson: „Der Sternenhimmel ist prächtig, aber die Luft ist kühl und ich habe wieder Kopfschmerzen.“
Robert Jenkins: (mitfühlend) „Das tut mir leid, Art, hoffentlich wird es dir bald besser gehen.“
Art Masterson: „Das hoffe ich auch.“
Dana Figuera: „Ich sehe etwas, eine Lichtung mit mehreren umzäunten Gebäuden.“
Art Masterson: (erleichtert) „Wir sind am Ziel. Simon konnte die Strahlenemission des zweiten Objektes bis hierhin zurückverfolgen. Jetzt müssen wir mit dem Messgerät in meinem Rucksack das genaue Versteck des gesuchten Gegenstandes aufspüren.
Robert Jenkins: (grüblerisch) „Was ist das für eine Anlage und wem gehört sie?“
Art Masterson: „Es ist ein Schrottplatz für Privatflugzeuge. Flugzeugbesitzer bringen ihre alten Flugzeuge hierher. Das Gelände ist eine Art Friedhof für Flugzeuge.“
Robert Jenkins: (überrascht) „Ich wusste gar nicht, dass es hier in Boston so etwas gibt. Entsorgung von Flugzeugen soll zudem sehr kostspielig sein.“
Art Masterson: „Deswegen versuchen die Besitzer ihre ausrangierten Flugzeuge auf illegalen und entlegenen Schrottplätzen loszuwerden. Wie diesem hier. Der Ort ist auf keiner Karte verzeichnet.“

(Art holt raschelnd etwas aus seinem Rucksack)

Dana Figuera: „Ist das Simons Strahlenmessgerät?“

(Knattern und knirschen ertönen und werden zunehmend lauter.)

Art Masterson: (konzentriert) „Ja, wir müssen hier lang. Dana, hilf mir bitte den Zaun an dieser Stelle zu öffnen. Ich habe einen Bolzenschneider mitgebracht und werde den Zaun hier durchtrennen.“

(Ein metallisches Knacken ist zu hören. Der Zaun wird an mehreren Stellen durchtrennt. Dana, Art und Robert schlüpfen durch die Öffnung im Zaun hindurch.)

Robert Jenkins: (ungläubig) „Warum ist es hier so ruhig? Gibt es keinen Sicherheitsdienst? Nur die beiden Schäferhunde, denen wir Fleischstücke mit Schlaftabletten gegeben haben?“

(Arts Messinstrument gibt weiterhin merkwürdige Geräusche von sich. Das ungleiche Trio lasst sich weiter von seinen Messergebnissen leiten. )

Art Masterson: „Nicht ganz. Die Überwachungskameras sind an mehren Stellen auf dem Gelände angebracht. Im mittleren Gebäude beobachtet ein Wachmann das Geschehen über mehrere Bildschirme. Wir haben jedoch eine Art Dauerschleife des Geländes aufgenommen und in das Videosystem des Sicherheitsdienstes eingespeist.“
Art Masterson: „Andererseits kennt niemand den wahren Verwendungszweck der Anlage. Die meisten Menschen halten es einfach für ein Privatgelände.“ (Hält inne.) „Wir sind da. Hier ist das richtige Gebäude. Hinter diesem Tor befindet sich das gesuchte Objekt. “
Robert Jenkins: (Aufgeregt und noch nervöser als sonst) „Das ist eine richtige Flugzeughalle. Ich kann gar nicht glauben, dass wir es geschafft haben. Du hast es geschafft, meine ich. Jack hatte recht, was dich betrifft, Art. Er sagte mir, wenn mir jemand helfen kann, dann du.“
Dana Figuera: (entschlossen) „Ja und wegen Jack bin ich hier. Nicht wegen eurer dämlichen Artefakten. Jack müssen wir retten. Sehen wir nach, was sich in diesem Schuppen verbirgt.“
Art Masterson: (zustimmend) „Okay.“ (Das Tor öffnet sich leise quietschend.) „Wir gehen jetzt leise rein.“

Szene 8: Erfindungen des Jacques de Vaucanson

(Das Strahlenmessgerät knarzt und piepst laut. Art schaltet es aus.)

Dana Figuera: (erstaunt) „So viele Flugzeuge. Ich zähle ungefähr 9 Stück.“
Art Masterson: (denkt kurz nach) „Hmm, ich erkenne drei Piper, zwei Cessnas….“
Robert Jenkins: (ergänzt) „….eine Robin, zwei Fokker und eine Luscombe… Alle Flugzeuge hier sind sehr alt und in keinem guten Zustand.“
Art Masterson: „Hier ist der beste Ort, um einen Gegenstand mit geringfügiger Strahlung zu verstecken. In den Cockpits einiger alter Flugzeuge kann man noch Jahre nach ihrer Ausmusterung Reststrahlung der Bordelektronik messen. Diese sollte wohl verhindern, dass das Versteck gefunden wird. Zum Glück dürfte Simon die Antennen vom MIT verwenden. (Pause. Er bleibt stehen). „Bis zu dieser Cessna Skyhawk führt die Spur. Hier müsste das Objekt sein.“
Dana Figuera: (aufgeregt) „Schaut, unter dem Flugzeug befindet sich eine Falltür.“
Robert Jenkins: (glücklich) „Endlich, wir sind am Ziel“
Art Masterson: „Lasst uns schnell hinuntergehen, bevor der Wachmann kommt.“ (Mit einem quietschenden Geräusch öffnete er die Falltür) „Gut, dass ich eine Taschenlampe mitgenommen habe.“ (Pause) “ Der Raum ist leer. Eine Metallleiter führt nach unten. Robert, steig‘ du zuerst die Leiter hinunter. Ich halte uns den Rücken frei.“
Robert Jenkins: (unsicher) „In-in Ordnung, das mache ich.“ (Er tritt auf die Leitersprossen, mehre Tritte auf der Leiter sind zu hören.)
Art Masterson: „So, gut, jetzt sind wir alle unten.“ (Pause) „Der Raum ist doch kleiner als gedacht.“
Dana Figuera: (prüfend) „Schätzungsweise 8 Quadratmeter.“
Robert Jenkins: „Da in der Ecke ist ein Tisch mit lebensgroßen Puppen unter einem Laken, vielleicht sind es Schaufensterpuppen.“
Art Masterson: „Ich schalte kurz mein Messgerät ein, sonst finden wir in diesem Wirrwarr nicht so schnell etwas.“ (bekanntes Knarzen ertönt wieder.) „Hier, eine kleine Kiste neben den Puppen. Darin befindet sich das gesuchte Objekt.“
Robert Jenkins: (fiebrig) „Endlich, ich muss es sehen.“
Dana Figuera: (überrascht) „Robert, du zitterst ja förmlich vor Aufregung!“
Robert Jenkins: „Ich freue mich, dass wir es endlich gefunden haben.“
Art Masterson: „Dann sehen wir gleich nach, was sich darin verbirgt.“ (mit einem dumpfen Geräusch geht die Kiste auf) „Ungewöhnlich, in der Kiste befindet sich ein viereckiger Gegenstand mit einer Öffnung in der Mitte. Da sind andere Zahnräder zu sehen, die unserem sehr ähnlich sind.“ (Denkpause) Ich habe eine Idee, was
Robert Jenkins: (mit zitternder Stimme, euphorisch) „Das will ich sehen. Sind auf einem der Zahnräder Zeichen abgebildet?“
Dana Figuera: „Hier sehe ich Zeichen des Alphabetum Kaldeorum, dem Code von unserem Zahnrad.“ (rascheln des Papiers) „Meine Freundin Klara hat mir eine Vorlage gegeben, mit der ich das Alphabet übersetzen kann.“
Robert Jenkins: (unruhig) „Schnell, ich muss es gleich wissen. Was steht da?“
Art Masterson: (entschlossen) „Nur keine Hektik, lassen wir Dana in Ruhe die Schriftzeichen übersetzen.“
Dana Figuera: (nach einer kurzen Pause) „Gut, ich denke, ich habe es verstanden. Beide Zahnräder greifen perfekt ineinander, der gesamte Text lautet: Voltaire sagte über Jacques de Vaucanson, den Erfinder der anatomie mouvante: er, Gegner von Prometheus, nahm das Feuer des Himmels, um die Körper zu beleben.“
Art Masterson: „Hmm, interessant, mit anatomie mouvante ist bewegte Anatomie gemeint, wohl Automaten? Ist das alles?
Dana Figuera: „Nein, auch eine weitere Zahlenreihe ist hier zu sehen, 50513276. Könnten das Koordinaten sein?“
Robert Jenkins: (ungeduldig und verärgert) „Genug gerätselt, her mit dem Schaltregler!“
Dana Figuera: (aufmerksam) „Vorsicht, er hat eine Pistole!“
Robert Jenkins: (entschlossen, wie verwandelt) „Verdammt richtig. Genug der Spielchen, jetzt füge ich alles zusammen und beseitige alle Spuren.“ (mit einem Klicken verbindet er die Zahnräder miteinander)
Art Masterson: (niedergeschlagen) „Du scheinst dich gut auszukennen. Du hast uns also alles vorgespielt. Es gibt keine unbekannte Gruppe, die dich verfolgt. Du warst es die ganze Zeit selbst.“
Robert Jenkins: (lacht spöttisch) „Art Masterson, du bist mir eine Leuchte. Jetzt weißt du, warum ich dich auf den Fall angesetzt habe. Du hast Kontakte, die über Wissen verfügen, ohne welches ich nie so weit gekommen wäre, sehr intelligent bist du aber nicht.“
Art Masterson: „Was bedeuten die Zahnräder und der Satz? Wer ist Jacques de Vaucanson?“
Robert Jenkins: „Ich habe vor einigen Jahren ein unveröffentlichtes Manuskript von Vaucanson in der Bibliothek von Grenoble gefunden. Jacques de Vaucanson war der Erfinder von genialen Automaten aus dem 18. Jahrhundert, dem Jahrhundert der Aufklärung. Die bekanntesten Automaten waren sein Flöten spielender Schäfer und eine mechanische Ente. Seine Arbeit war ein Mythos und man vermutete, dass er viel wirklichkeitsgetreuere Modelle geschaffen hat. Modelle, die man für echte Menschen halten kann. Automaten, die selbst nicht wissen, dass sie keine echte Menschen sind.“
Art Masterson: (lacht) „Das klingt nach einem Ammenmärchen.“
Robert Jenkins: (sarkastisch) „Das glaubst du, ja? Die Spur führte mich nach Boston, wo ich das Zahnrad gefunden habe. Ich wusste, dass es hier mehr zu finden geben soll. Seine Skizzen bestätigten mir das. Darauf habe ich auch die Gesichter der Automaten gesehen. Weißt du mit welchen Fragen er sich rumplagte? Er wusste, dass die Menschen noch nicht bereit für seine Automaten waren. Sie würden Angst bekommen. Sie würden sich austauschbar und minderwertig fühlen. Denn die Automaten würden ihnen ihre Einzigartigkeit rauben.“
Dana Figuera: (verächtlich) „Ich vermute eher, dass sie ihn und seinesgleichen für verrückt halten würden.“
Robert Jenkins: (genervt und verärgert) „Jetzt reicht es mir mit euch, ich habe ohnehin vor, euch für immer loszuwerden! “
Jack Holland: (hinter ihnen) „Das wirst du nicht tun!“
Simon Finn: (im Befehlston) „Waffe fallen lassen!“ (ein klapperndes Geräusch, Metall fällt auf den Steinboden)
Art Masterson: (erleichtert) „Endlich seid ihr da.“
Robert Jenkins: (überrascht) „Wo kommt ihr her? Und wer hat Jack befreit?“
Art Masterson: „Dana, Simon und ich haben Jack befreit. Wir sind dir gefolgt, weil uns dein Verhalten die ganze Zeit merkwürdig vorgekommen ist. Übrigens, solltest du auf die Rettung durch deine beiden Komplizen hoffen, die auf Jack aufgepasst haben, dann kannst du das noch lange tun. Sie warten bereits hinter Gittern auf dich.“
Dana Figuera: „Mir kam deine Geschichte gleich wenig koscher vor. Das habe ich Jack auch mitgeteilt, als wir die Geheimschrift übersetzt haben.“
Robert Jenkins: „Ihr kommt euch jetzt bestimmt ganz schlau vor, wie? Eine Sache ist noch offen. Neben den ethischen Gewissensbissen raubten Vaucanson auch kleine Konstruktionsfehler den Schlaf. Seine Automaten entwickelten zwar Bewusstsein, sie litten aber auch unter starken Kopfschmerzen und Halluzinationen, die der französische Erfinder nicht beseitigen konnte. Sie glaubten, Stimmen zu hören, Stimmen, die den heutigen Radiomoderatoren entsprechen. Deswegen entwickelte er einen Regler, mit dem er ihre Qualen und Einbildungen lindern konnte. Den Regler, den wir heute gefunden haben. Einen Nebeneffekt hatte dieses Gerät…“

(eine Taste wurde betätigt)

Art Masterson: (schreit laut auf) „Ahhh!“
Robert Jenkins: (triumphierend) „….damit konnten die Maschinenmenschen ausgeschaltet werden. Es war eine Art Fernsteuerung.“
Dana Figuera: (Hilfe suchend) „Art ist ohnmächtig geworden!“

(Dumpfe Schläge, tumultartige Geräusche, jemand klettert die Leiter hinauf)

Jack Holland: (schmerzerfüllt) „Er flieht!“

(Die Geräusche und Durcheinandergerede werden leiser)

Radiomoderatorin Joan Timor: „Welch‘ ein angenehmer Abend, der Mond erreicht seine volle Leuchtkraft. Liebe Hörerinnen und Hörer, ich freue mich auf die Musik der kommenden Stunde. Bleiben Sie bei uns und lauschen Sie unseren nächtlichen Klängen.

(Ein Musikstück überlagert das Geschehen. Vorschlag: Jamiroquai – Automaton (Dauer: 5,02 Minuten, Youtube)“

ENDE

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