Nächtliche Schatten

Beinahe vollständige Dunkelheit umgab die Soldaten. Sie saßen eng beieinander in ihrem außergewöhnlichen Fahrzeug. Sie konnten ihre Mitfahrer nur schemenhaft erkennen. Mit jeder Bewegung erzitterte der Innenraum. Die Mitstreiter hielten sich an den Wänden fest und umklammerten ihre Waffen. Sie wussten, dass sie bald hinter die feindlichen Linien gelangen werden. Keiner wagte, etwas zu sagen, denn sonst könnte sie ein Feind entdecken. Den Männern war klar, dass der Schrecken des Krieges in wenigen Stunden sein hässliches Gesicht zeigen wird. Die Anspannung war deutlich zu spüren. Hier ein verlegenes Husten, dort ein Knirschen mit den Zähnen, drüben ein stummes Gebet.

Die Bewegungen hörten auf. Sie kamen an ihrem Ziel an. Stille. Das bange Warten fühlte sich wie eine Ewigkeit an. Plötzlich hörten sie Stimmen. Sie konnten sie durch die dicken Wände nicht verstehen, doch kurz darauf setzten sie ihre tödliche Fahrt fort. Die rötliche Abendsonne erhellte durch eine winzige Öffnung in der Wand die Schattengestalten. Auf einigen Gesichtern zeichnete sich Entschlossenheit, auf den meisten Angst ab. Die Soldaten warteten nur auf das verabredete Zeichen, um ihre ungewöhnliche Konstruktion zu verlassen, die sie hinter die feindlichen Linien gebracht hat.

Ihr letzter Gedanke vor dem geplanten Angriff lautete nur: „warum?“

18 Kommentare zu „Nächtliche Schatten

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    1. Diese Frage stelle ich mir auch immer wieder. Warum gibt es Kriege, Gewalt und Hass auf dieser Welt? Warum können wir Menschen nicht einfach friedliches Zusammenleben anstreben, ohne andere auszubeuten oder zu verletzen? Hoffentlich werden wir eines Tages lernen, als Weltgemeinschaft in Frieden zusammenzuleben. Liebe Grüße, Dario

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  1. Lieber Dario.

    mir gefällt es, wie du dich auf die Seite aller Soldaten der Welt stellst. Besonders stimme ich deiner Kritik der sinnlosen Feindseligkeit der Menschen, die sich nicht mal kennen, zu.
    L.G., Sophie Mai

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  2. Ich saß vor vielen Jahren in solch einem Gefährt. Es ging zwar – zum Glück – nicht hinter feindliche Linien, aber der Fall „hinter feindliche Linien fahren“ wurde geübt. Ich stellte mir in dieser Zeit fast täglich die Frage: Warum? Übrigens handelte es sich bei diesem „Unternehmen“ nicht um die Bundeswehr.
    Einen schönen Sonntag noch.

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    1. In meiner Geschichte geht es auch nicht unbedingt um die Soldaten eines bestimmten Landes, sondern um eine abstrakte Kriegssituation ohne einen konkreten zeitlichen oder räumlichen Bezug. Die Geschichte bezieht sich zwar auf ein geschichtlich-literarisches und jahrtausendealtes Ereignis, womit ich jedoch die Zeitlosigkeit der geschilderten Situation betonen wollte. LG

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      1. So habe ich das auch gesehen, aber die Erinnerung kam auf. Mein Hinweis am Ende sollte nur ausdrücken, dass wohl die meisten Menschen in solchen Situationen ähnliche Gefühle und Gedanken haben. Und die sind nicht gerade heroischer Art.

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    1. Hallo Nati, danke, realistisch wirkende Beschreibungen finde ich wichtig. Ich habe Zivildienst in Taizé (bei Cluny) gemacht. Die kurze Geschichte soll jedoch zeitlos sein, deswegen habe ich auch auf die genaue Beschreibung von Ausrüstung verzichtet, um einen zeitlichen Bezug zu vermeiden. Krieg und gewalttätige Auseinandersetzungen zwischen Menschen sind leider ebenfalls nicht an eine bestimmte Zeit gebunden. Liebe Grüße aus Nürnberg, Dario

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