Kloster Beuron an der Donau [Jakobsweg nach Konstanz VII]

Vor meinen Augen breitete sich die imposante Kulisse des Donautals mit hohen Klippen und roten Dächern des Benediktinerklosters aus. Die Junge Donau schlängelte sich majestätisch um das große Anwesen. Über eine alte, überdachte Holzbrücke erreichte ich schließlich die Erzabtei Sankt Martin zu Beuron.

Die Benediktinermönche Maurus und Placidus Wolter gründeten 1862 die Erzabtei. Während des Streits zwischen dem Vatikan und dem Deutschen Reich unter Bismarck verließen die Mönche im Jahr 1875 den Ort und richteten weitere Klöster in Europa ein. Heute gehören 10 Männer-  und 10 Frauenklöster zur Beuroner Benediktiner-Kongregation. Die Beuroner Kunstschule, die sich an frühchristlichen, byzantinischen und ägyptischen Vorbildern orientierte, beeinflusste auch die Kunst des 19. und 20. Jahrhunderts. Zu den Hauptwerken gehören die St. Maurus-Kapelle und die Malereien des Klosters Monte Cassino bei Rom. Auch die Beuroner Bibliothek ist bedeutend: Mit ihren ca. 400.000 Werken gilt sie als die größte Klosterbibliothek Deutschlands. Ihre Schwerpunkte sind Theologie, Geschichte des Benediktinerordens und die mittelalterliche Kunstgeschichte.[1]

Wegweiser

15. Bärenthal – Beuron

  • Datum: Samstag, 23.04.2016
  • Entfernung: ca. 9 Kilometer
  • Besondere Ereignisse: Kapelle Gnadenweiler, im Pilgerbüro der Beuroner Jakobspilgergemeinschaft, Übernachtung im Kloster Beuron

Meine Pilgerschaft in Etappen setzte ich einen Monat später in Bärenthal fort. Auf diese kurze Strecke zwischen Bärenthal und Beuron freute ich mich lange, weil sie mit einer Übernachtung im Kloster von Beuron endet.

Leider fing die Tagesetappe wenig erfreulich an, weil mir der Bus in Tuttlingen vor der Nase davonfuhr. Ich beschloss, mich nicht zu ärgern und lief den gleichen Weg zurück ins Stadtzentrum, wie am Ende meiner letzten Etappe in März. Bei einem „Italiener“ trank ich einen Kaffee. Ich nahm den nächsten Bus, der nur bis zum Nachbarort gefahren wäre, der Busfahrer war aber so freundlich und ließ mich in Bärenthal aussteigen, weil der Bus kurioserweise durch den Ort fuhr, ohne aber dort anzuhalten. Die Etappe war zwar sehr kurz, sie bot aber somit  einige Überraschungen, bevor sie überhaupt anfing.

Gnadenweiler Kapelle

Auf dem Weg nach Gnadenweiler kam ich an der Josefsgrotte vorbei, die eine Art Gegenstück zur Lourdesgrotte kurz nach Beuron darstellt, die wiederum Maria geweiht ist.

Die interessanteste Station zwischen Bärenthal und Beuron war zweifelsohne die Gnadenweiler Kapelle. Schlicht und modern gebaut, erinnert sie auf den ersten Blick eher an einen futuristischen Laden, als an ein Gotteshaus. Vermutlich wollten die Auftraggeber die Kirche absichtlich schlicht gestalten und nicht protzen.

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Neben der Kapelle befindet sich das Café Kapellenblick. Die freundliche Besitzerin erzählte mir von einem Bekannten, der nach Santiago gepilgert ist. Sie hatte sogar einen Stempel für meinen Pilgerpass.

Wenig später lief ich an einer Statue eines Fischers vorbei, der vermutlich Jesus darstellte und an einem Kreuz mit einer interessanten Botschaft auf der Bank daneben.

Erzabtei Beuron

Nach einigen weiteren Kilometern und einem kurzen „Umweg“, passenderweise kurz vor dem Weiler Irndorf, kam ich nach einem mittellangen Abstieg in Beuron an. Eine überdachte Holzbrücke verbindet die beiden Uferseiten miteinander und eine alte Tafel erinnert an das Brückengeld, das früher jeder zahlen musste, wenn er die Brücke überqueren wollte. Vor dem Kloster begrüßte mich eine Pilgerstatue.

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Wie auf Bestellung stand ein Pater vor der Klosterpforte. Es stellte sich heraus, dass es sich um den Pater handelte, der für die Gäste der Abtei zuständig ist und mit dem ich bereits E-Mail-Kontakt hatte, als ich mich für die Übernachtung anmeldete. Er wartete zwar nicht auf mich, sondern stand eher zufällig dort, aber so fügte sich alles.

Die Erzabtei von oben (Fotorechte: Dario schrittWeise)

Der Pater zeigte mir mein Zimmer und lud mich in das Büro der Gästepater ein, damit ich die Übernachtung und die beiden Mahlzeiten bezahlen kann. Wir unterhielten uns ein wenig und er erklärte mir den Ablauf des klösterlichen Lebens in Beuron. Ich hatte noch gerade genug Zeit, um zu duschen und nahm am lateinischen Abendgebet der Benediktiner teil. Ich verstand nicht viel, aber es war eine interessante Erfahrung.

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Danach traf ich mich im Pilgerbüro der Beuroner Jakobspilger Gemeinschaft mit einem in Beuron lebenden Mitglied der Gemeinschaft, mit dem ich mich einige Tage zuvor verabredete. Er zeigte mir das Pilgerbüro, das an einen Krämerladen mit religiösen Devotionalien (z.B. Figuren von Heiligen, Rosenkränze, Kreuze, Ikonen etc.) angeschlossen ist. Er erzählte mir über die Beuroner Jakobspilger-Gemeinschaft und ich ihm über meine Pilgerschaft bisher und zukünftige Pläne. Damals war es für mich noch unvorstellbar, dass ich eines Tages so viele Kilometer zurücklegen würde. Ich kaufte noch ein Pilgerstempelheft der Jakobspilger-Gemeinschaft, weil mein erstes fast voll war. Damit wurde ich automatisch Mitglied der Jakobspilger-Gemeinschaft. Weitere Kosten fielen nicht an.

Vor der Erzabtei (Fotorechte: Dario schrittWeise)

Die wichtigsten Orte:

  • Gnadenweiler
  • Irrndorf
  • Beuron

16. Beuron – Meßkirch

  • Datum: Sonntag, 24.04.2016
  • Entfernung: ca. 18 Kilometer
  • Besondere Ereignisse: der Morgen in der Erzabtei, Naturpark Obere Donau, Schloss Bronnen, Donaudurchbruch, Meßkirch

Am nächsten Tag frühstückte ich noch mit anderen Gästen des Klosters, setzte meinen gepackten Wanderrucksack auf und ließ mir einen Stempelabdruck von einem älteren Mönch an der Pforte geben, wie mir Pater Sebastian tags zuvor empfahl. Am Abend kam ich zu spät und die Klosterpforte war geschlossen.

Nach dem Kloster führt der Weg stetig bergan entlang der Klostermauer und der Klostermetzgerei auf den Südlichen Heuberg. Ich lief am Beuroner Kreuzweg vorbei zur Lourdesgrotte. Die einzelnen Stationen sind sehr liebevoll gestaltet und vor der Lourdesgrotte mit einer Marienstatue, befindet sich eine Holzkapelle, in der die Gläubigen Rosenkränze und Kreuze als Opfergabe oder aus Dankbarkeit hinterlassen haben.

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Nach wenigen Minuten gelangte ich auf eine weite Lichtung, von der ich das Schloss Bronnen sehen konnte. Ich ging unter der Schlossbrücke hindurch und kurz danach sah ich einen kleinen Felsvorsprung, von dem aus eine lange Flussschleife der jungen Donau inmitten des Donaudurchbruchs betrachtet werden kann.

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In der Gegend kann auch das Naturphänomen „Donauversickerung“ bewundert werden. Im Sommer verschwindet die Donau, sie „versickert“ und hinterlässt ein mehrere Kilometer langes ausgetrocknetes Flussbett. An dieser Stelle teilt sich auch der zweitgrößte und -längste Fluss Europas. Ein Teil der Donau fließt unterirdisch zum Aachtopf, der größten Quelle Deutschlands. Hier fließt der Fluss wieder oberirdisch zum Rhein weiter und somit in die Nordsee. Der zweite Teil der Donau fließt wiederum in das Schwarze Meer.[2]

Kurze Zeit später lief ich durch das Dorf Buchheim mit dem Aussichtsturm „Buhheimer Hans“, einem ehemaligen Turm der Kirche, die 1677 von marodierenden sächsischen Truppen zerstört wurde.

In Meßkirch

An jenem Sonntag im Frühling hatte ich Glück mit dem Wetter und erreichte bald Meßkirch. Die fast 1000-jährige Stadt befindet sich zwischen dem Juragestein der südlichen Schwäbischen Alb und dem Rheingletscher des Voralpenraums.[3]

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Die Stadt verbinde ich mit einer amüsanten Begegnung in einer traditionsreichen und familiengeführten Konditorei. Der Konditor erzählte viele Witze, die jedoch meistens weder jugendfrei noch politisch korrekt waren, die Damen, die ihre sonntäglichen Kaffee und Kuchen genossen, fanden ihn unwiderstehlich. Als er dann noch erfuhr, dass ich ein Pilger bin, dann gab es kein Halten mehr. Jetzt bekamen die Witze auch eine religiöse Note. Insgesamt waren der gut gelaunte Konditor und seine Frau sehr freundlich. Ich bekam sogar ein belegtes Brötchen, obwohl sie theoretisch nur Süßwaren im Sortiment hatten.

Hier endeten meine beiden Etappen im Naturpark Obere Donau und ich freute mich auf meine Rückkehr nach Meßkirch in wenigen Wochen, weil ich dann innerhalb von zwei Tagen Konstanz erreichen werde, die Stadt in der ich ungefähr 8 Jahre gelebt habe.

Quellen

[1] Bichler, Thomas: "Jakobswege rund um den Bodensee. Pilgerwege im Hegau, Linzgau, Allgäu, in Oberschwaben und der Ostschweiz", Konstanz 2010, S. 27
[2] http://www.donaubergland.de/mcms.php?_oid=6e2c189-3a18-0360-1531-223f890473a50 (zuletzt abgerufen am 18.07.2018)
[3] Bichler, S. 27ff.

9 Kommentare zu „Kloster Beuron an der Donau [Jakobsweg nach Konstanz VII]

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  1. Hallo Dario,

    wieder ein sehr detailierter, interessant geschriebener Beitrag.

    Wenn ich mir Deine Schilderungen und Fotos ansehe, bin ich immer wieder von Neuem überrascht, welche sehenswerte Kleinode unsere nähere Umgebung bietet. Daher freue ich mich schon auf weitere Beiträge über Deine Wanderschaften und Reisen.

    Dir frohen Mut und bequemes Schuhwerk für die nächsten Unternehmungen

    Liebe Grüße vom Paul

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      1. Hallo Dario, danke für Deine Antwort. Der Grund mag vielleicht auch daran liegen, weil dort eine ruhige Atmosphäre herrscht, die unnötige Ablenkungen ausschließt. Wer dort Geheimnisse entdecken möchte, muss erstmal genau hinsehen.
        Dir einen lieben Gruß vom Paul aus dem schattigen Büro

        Gefällt 1 Person

    1. Hallo Ruby, vielen Dank 🙂 Ich werde bald über die beiden letzten Etappe nach Konstanz schreiben, die ich ebenfalls im Frühling 2016 gelaufen bin. Den Jakobsweg werde ich im August in Frankreich fortsetzen. Liebe Grüße und einen angenehmen und nicht zu heißen Tag, Dario 🙂

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