Das Abendrot am Ende der Welt [Camino Finisterra 4]

Das Ende der Welt bedeutete für mich den Abschluss meiner langjährigen Pilgerschaft. Vor der Ankunft im Küstenstädtchen Finisterre war ich sehr aufgeregt. Ich fragte mich, wie wohl das Ende meiner lange Reise sein wird. Am Abend wohnte ich am Kap Finisterre einem spektakulären Sonnenuntergang bei.

Bereits die keltischen Stämme der Region und die Römer hatten den Sonnenuntergang am Kap Finisterre bewundert. Für die Kelten war der Weg nach Finisterre eine Art Initiationsritual, der mit der untergehenden Sonne zu tun hatte. Und jenseits des Horizonts wurden die Inseln der Seligen vermutet. Der Küstenabschnitt heißt auch vielsagend „Costa da morte“ (Küste des Todes).

Die Römer fanden am Cabo Finisterra einen keltischen Altar, zu Ehren der Sonne,  den sie Ara Solis genannt hatten. Später wurde hier ein Leuchtturm errichtet, weil die steilen Klippen sehr gefährlich für die Schifffahrt waren. Der Leuchtturm gilt als der westlichste des europäischen Festlandes.

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Wegweiser

3. Etappe: Hospital – Finisterra (Teil 2 der Beschreibung)

  • Datum: 13.10.21
  • Entfernung: ca. 30 Kilometer

Nachdem wir das Küstenstädtchen Cee verlassen hatten, liefen Hendrik, Ana und ich einige Zeit zu dritt weiter. Immer wieder machten wir Pausen an den Sandstränden. Hendrik wollte irgendwann nicht mehr warten und ging voraus.

Schließlich erreichten Anna und ich die Stadt am Ende der Welt. Auch hier liefen wir zunächst über den Stadtstrand. Für mich waren diese Strandabschnitte eine besondere Art, den Jakobsweg zu beenden.

In Finisterra

Ana und ich gingen zuerst in unsere Unterkunft. Wir haben wieder eine größere Unterkunft gebucht, mit mehreren Etagenbetten in einem Schlafsaal. Gefühlt schliefen hier ca. 50 Menschen in einem Raum.

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Als der Fahrer vom Gepäcktransport gekommen war, den Ana wieder gebucht hatte, stellte sie fest, dass ihr Gepäck nicht dabei war. Ana sprach mit dem Fahrer. Er riet ihr, in der Zentrale anzurufen, was sie auch getan hatte. Natürlich war sie aufgeregt, weil in ihrem Koffer viele wertvolle Gegenstände waren.

Während Ana auf ihren Koffer gewartet hatte, ging ich zum Tourismusbüro, um die sogenannte „Finisterrana“ abzuholen. Es handelt sich um ein Zertifikat mit dem Nachweis, dass man den Jakobsweg von Santiago nach Finisterra gelaufen war.

Ich kam 5 Minuten vor der Schließung der Touristen-Info. Die einzige Mitarbeiterin telefonierte mit jemanden. Sie fragte mich, ob ich morgen früh noch da sei. Als ich es bejahte, bat sie mich, morgen wiederzukommen, denn sie hätte keine Zeit mehr.

Also ging ich unerledigter Dinge wieder zurück in die Unterkunft. Dort erzählte mir Ana, dass sie ihr Gepäck zurückbekommen hatte. Jetzt konnten wir uns den Sonnenuntergang am „Ende der Welt“ ansehen.

Der Leuchtturm Faro de Fisterra und der Kilometer „0“

Wir liefen zum Leuchtturm von Finisterra, um den Sonnenuntergang zu sehen. Dazu muss man vom Stadtzentrum über eine Landstraße laufen.

Der Leuchtturm Faro de Fisterra wurde 1853 erbaut und liegt 138 Meter über dem Meeresspiegel. Er besteht aus einem oktogonalen Turm und einem Leuchtturmwärterhäuschen. „Fisterra“ ist der Galizische Variante des Namens Finisterra. Dieser leitet sich wiederum vom lateinischen Namen „Finis terrae“ ab,  welcher „Das Ende der Welt“ bedeutet.

Unterhalb des Turmes befindet sich der Meilenstein mit dem Kilometer „0“. Hier endet offiziell der Camino Finisterra, der Jakobsweg von Santiago bis Finsterra.

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Der Leuchtturm erinnerte mich an meinen Besuch in La Coruna. Dort habe ich am Herkulesturm das andere Ende der Welt gesehen. Ein anderes Ende habe ich wiederum auch in Frankreich, in La Rochelle gesehen und auch in Portugal, am „Cabo de Roca“, unweit von Lissabon und Sintra. Es gibt aber auch bestimmt noch viele Orte, die diesen Namen für sich beanspruchen.

Der Sonnenuntergang am Ende der Welt

Die Sonne ging langsam unter. Ich saß mit Hendrik, Ana und anderen Pilger:innen auf einem der Felsen, die überall oberhalb der steilen Klippe verstreut waren. Der Sonnenuntergang gehörte zum schönsten Erlebnis, den ich auf dem Jakobsweg bisher erlebt hatte.

Der römische Historiker Lucius Florus hatte bereits in seinen Schriften beschrieben, wie die Legionäre aus Rom ehrfürchtig den Sonnenuntergang auf dem Ozean bewundert hatten, als sie im 2. Jh. v.Chr. Finis Terrae erreichten, wie sie den Ort genannt hatten. Denn damals war dort tatsächlich das Ende der damals bekannten Welt. Dort hatten die Römer auch den Altar Ara Solis entdeckt, an dem die keltischen Stämme Ritualen zu Ehren der Sonne praktiziert hatten.

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Ein Bekannter von mir, ebenfalls Pilger, schrieb mir einmal einen interessanten Gedanken. Demnach ist Finisterra für die einen das Ende, für die andern aber der Beginn von etwas Neuem.

Einige Pilger:innen praktizieren hier den alten Brauch, ihre zerschlissenen Pilgerkleider zu verbrennen und nackt im Meer zu baden, um endgültig ihre Sünden reinzuwaschen und „wiedergeboren“ zu werden. Ich verzichtete jedoch darauf und sah auch niemanden, der etwas in die Richtung getan hatte.

Nach unserer Rückkehr in das kleine Küstenstädtchen aßen wir in einem Restaurant zu Abend. Andere Pilger:innen gesellten sich zu uns.

Der nächste Tag und die Rückkehr

Am nächsten Morgen verbrachten wir noch einige Stunden in Finisterra. Ich habe im Tourismusbüro endlich meine Finisterrana abgeholt und einige Mitbringsel  gekauft.

Die Erinnerungen an den gestrigen Abend waren noch ganz frisch. Es war wieder Zeit für viele Abschiede. Hendrik fuhr am Vormittag mit dem Bus nach Santiago zurück. Vor dort würde er Zurück in die Niederlande fliegen.

Ana und ich frühstückten am Nachmittag. Ich traf wieder Dirk, den Pilger aus Dänemark, der in der Nacht alleine nach Finisterra gelaufen war. Er erzählte mir, dass er es bereut hat, weil er Angst hatte. Es war sehr unheimlich, im Dunkeln durch den Wald zu laufen.

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Am Nachmittag fuhren Ana und ich mit dem Bus zurück nach Santiago de Compostela. Hier schlenderte ich noch durch die Stadt und ging anschließend zum Bahnhof.

Lange Zug- und Busfahrt

Am Bahnhof von Santiago begann meine Rückfahret nach Deutschland. Mir war kein einziger Pilger bekannt, der über die Grenze Spaniens mit dem Zug oder Bus zurückgefahren ist. Die meisten haben Flugzeug gewählt, einige sogar für den Flug innerhalb von Spanien.

Die erste Zwischenstation war Ourense. Ich fuhr mit dem Zug und übernachtete in einem Hotel. Am Abend sah ich mir Ourense an.

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Am Morgen des 14.10.21 reiste ich von Ourense nach Madrid, wo ich einige Stunden verbracht hatte, weil mein Bus erst am Abend weiter fahren sollte. In der spanischen Hauptstadt sah ich mir einige kleinere Sehenswürdigkeiten an, wie die Plaza de la Independencia, Jardines del Buén Retiro und den Palacio de Velázques.

Am Abend fuhr ich mit dem Bus über Paris und dann mit dem Zug nach Deutschland. Die Rückfahrt wäre fast eines eigenen Beitrags wert, insbesondere die Mitreisenden im Bus waren, sagen wir mal, speziell.

Am 15.10.21 kehrte ich mit dem Zug nach Nürnberg zurück. Hier endete meine Pilgerschaft, die ich vor 6 Jahren in genau dieser Stadt begonnen hatte. Ein Fazit werde ich in weiteren Beiträgen ziehen, die ich noch schreiben möchte.

Kleine Erinnerung

Wer Lust hat, kann noch bis zum 28.12.23 an meiner Mitmachaktion teilnehmen: Mein Jahr in einem Foto.

Quellen

Titelfoto: Am Ende der Welt, Foto: Dario Schrittweise
https://reisen-nach-spanien.com/galicien/a-coruna-provinz/cabo-fisterra (zuletzt abgerufen am 10.12.2023)
https://www.turismo.gal/que-visitar/destacados/cabo-fisterra?langId=de_DE (zuletzt abgerufen am 10.12.2023)

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