Herkules und das Ende der Welt

Drei Tage und drei Nächte soll Herkules auf einem Felsen mit dem Riesen Geryon gekämpft haben. Dazu ist es gekommen, weil die zehnte der zwölf berühmten Aufgaben des Herkules darin bestand, die Herde von Geryon zu stehlen. Dem griechischen Helden gelang dies zunächst, doch dann forderte ihn der Riese zum Kampf heraus. Am dritten Tag konnte Herkules Geyron schließlich besiegen, indem er ihn mit einem vergifteten Pfeil traf. Herkules enthauptete seinen Widersacher und errichtete auf dem Felsen einen Leuchtturm, unter welchem er Geryons sterblichen Überreste begraben hatte. Mehrere Orte in Europa beanspruchen für sich, der Schauplatz dieses mystischen Kampfes gewesen zu sein. Einer dieser Orte ist der Felsen mit dem Herkulesturm in der spanischen Stadt A Coruña.

Einer anderen Legende zufolge ließ den Herkulesturm der galizische König Breogán errichten, als er die Stadt Brigantia (heute A Coruña) gründete. Vom Leuchturm aus könnten er und seine Söhne Irland sehen, welches sie eines Tages eroberten. Heute steht das Denkmal eines Kriegers vor dem Aufgang zum Turm, der an den mythischen König erinnern soll

In A Coruña, auch Balkon des Atlantiks genannt, war ich im Jahr 2015. Ich blieb einen Tag in der galizischen Stadt im Nordosten der iberischen Halbinsel. Am Nachmittag lief ich durch die Stadt bis zum Gebiet, wo sich der Turm befindet. Ich erinnere mich gut daran, wie überrascht ich war, dass sich der Park mit dem Turm so weit außerhalb des Stadtzentrums befindet. Als ich dann am Herkulesturm angekommen bin, fand ich ihn sehr beeindruckend. Dort entstand diese fotografische Reisenotiz.

Um die Entstehung des Turmes ranken sich viele Geschichten und Legenden. Historisch gesichert ist jedoch, dass der Herkulesturm Ende des 1 Jahrhunderts. oder am Anfang des 2 Jahrhunderts. n. Christus im Römischen Reich vom portugiesischen Baumeister Gaius Sevius Lupus errichtet wurde. Zu jener Zeit regierte in Rom Kaiser Trajan.

Das 68 Meter hohe Bauwerk ist der einzige erhaltene Leuchtturm der Römer, der von seiner Entstehung bis heute seine ursprüngliche Funktion erhalten hatte. Sein sein Licht weist bis etwa 32 Seemeilen weit den Schiffen den Weg. Später wurde es auf Befehl Karls IV. 1788 restauriert

Das Gebiet, in dem der Turm errichtet wurde, wird auch als das „Ende der Welt“ bezeichnet, weil unsere Vorfahren den Atlantik und die Küste des Ozeans als den Rand der bekannten Welt betrachteten. Doch diese Bezeichnung beansprucht der Ort nicht exklusiv für sich, ich war bereits an drei Orten mit diesem Namen und kenne noch mindestens einen weiteren. Wie viele „Enden der Welt“ wird es wohl noch geben? Ein solcher Ort bietet zumindest eine spektakuläre Kulisse für einen Leuchtturm, an dem sich der Kampf zwischen Herkules und Geryon ereignet haben soll.

Der Herkulesturm gilt heute weiterhin als das Wahrzeichen von A Coruña und ziert das Wappen der spanischen Stadt. Seit 2009 steht das historische Gebäude zudem auf der Liste des UNESCO-Weltkulturerbes.

Ich blieb noch bis zum Sonnenuntergang im Park um den stimmungsvoll beleuchteten Leuchtturm. Das Plateau unter dem Turm ziert eine große Windrose mit Symbolen mehrerer keltischen Stämme. Am Abend herrschte rund um den Herkulesturm eine besondere Atmosphäre. Der Ozean erstreckte sich bis zum Horizont und darüber hinaus. Ich überlegte, wie sich unsere Vorfahren jene Welt vorgestellt hatten, hinter dem Ende der Welt.

Quellen

Titelfoto: Der Herkulesturm am Abend, Fotorechte: Dario schrittWeise
https://www.weltkulturerbe.com/europa/spanien/herkulesturm.html
https://www.spain.info/de/reportajes/faros_de_galicia_los_guardianes_del_fin_del_mundo.html
https://www.spain.info/de/que-quieres/arte/monumentos/coruna_a/torre_de_hercules.html
http://torredeherculesacoruna.com/index.php?s=19

4 Kommentare zu „Herkules und das Ende der Welt

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