Jakobsweg „Cluny – Le Puy“: erster Abschnitt bis Ouroux [1]

Der Jakobsweg zwischen Cluny und Le Puy-en-Velay wird auch der Burgunderweg oder der „Weg der Deutschen“ genannt. Im „Guide Orange“, dem Unterkunftsverzeichnis der Association Rhône-Alpes des Amis der Saint-Jacques de wird dieser Jakobswegabschnitt auch als „Via Cluniciacensis“ bezeichnet.

Die Amis der Saint-Jacques kümmern sich um die Strecke zwischen Cluny und Le Puy. Der Weg ist sehr gut ausgeschildert und es ist sehr einfach den richtigen Weg zu finden. Die falschen Wege nach Straßenkreuzungen werden sogar mit einem durchgestrichenen Zeichen markiert. Auch die Unterkunftsliste „Guide Orange“ ist hervorragend, ich kann sie jedem Pilger empfehlen, der sich für diese Strecke entscheidet. Entweder als Ergänzung zu einem der Klassiker vom Outdoor oder Rother Verlag oder sogar als Alternative, denn es ist tatsächlich sehr einfach, dem sehr gut markierten Weg zu folgen.

Eine Besonderheit der französischen Jakobswege ist, dass es bis zu den vier großen und bekannten Jakobswegen wenige Pilgerherbergen gibt, so dass Pilger oft bei Privatpersonen übernachten, die ihnen ein Zimmer zur Verfügung stellen. Meistens entstehen dabei nette Unterhaltungen beim Abendessen und Frühstück.

„Sie befinden sich auf einem Weg nach Compostela“ (Foto: schrittWeise)

Anreisetag am Freitag, 02.06.17

Den Jakobsweg habe ich letztes Jahr im November 2016 in Cluny unterbrochen, nachdem ich noch 3 Tage in Taizé verbracht habe. Ich hatte im November Glück mit dem Wetter, denn es regnet nur sehr wenig und auch der „Indian Summer“ hat noch ein wenig auf mich gewartet.

Am Freitag, 02.06. bin ich über Belford-Montbéliard nach Nommay gefahren, weil ich dort bei einem Gastgeber meines Jakobswegabschnitts vom letzten Jahr übernachtet habe. Ich habe mich mit ihm gut verstanden und wir sind seitdem in Kontakt geblieben. Ich bin mit dem Zug von Nürnberg aus angereist. Bei der Ankunft in Belford-Montbéliard habe ich gleich ein schönes Erlebnis am Bahnhof gehabt. Ein netter Bahnangestellter hat mich mit seinem Auto nach Nommay mitgenommen, weil er auch in die Richtung fahren musste. In Nommay angekommen habe ich meinen Gastgebern beim Kirschenpflücken und Abendessen vorbereiten in Garten geholfen. Es war ein schöner und lauwarmer Sommerabend in sehr angenehmer Gesellschaft mit leckerem Abendessen vom Grill.

1. Etappe: Cluny – Sainte Cécile (Samstag, 03.06.17)

Meine Gastgeber haben mich am folgenden Tag freundlicherweise wieder zum Bahnhof gefahren. Wir verabschiedeten uns und ich nahm den TGV nach Macon, von wo es dann mit dem Bus weiter nach Cluny ging. Über die berühmte benediktinische Abtei Cluny habe ich bereits zwei Beiträge veröffentlicht: „Gründung und Reformen“ sowie „Architektur und Vermächtnis„.

Überreste einer großen Kirche, Cluny III (Foto: schrittWeise)

Die erste Tagesetappe habe ich kurz geplant, weil ich erst gegen 14:00 Uhr in Cluny ankommen sollte. Ursprünglich wollte ich 15 Kilometer laufen, aber die Unterkunft, die ich dafür hätte reservieren sollen, war schon ausgebucht. Deswegen bestand meine erste (halbe) Etappe nur aus ungefähr 7,5 Kilometern.

Ein letzter Blick auf die Kirche von Cluny (Foto: schrittWeise)

Ich habe mich noch ein wenig in Cluny umgeschaut und in der Touristeninfo mit einem Angestellten gesprochen, der selbst nach Santiago gepilgert ist. Ich fand seine Geschichte interessant, weil er zu Hause in den Niederlanden gestartet ist, um dann auf dem Jakobsweg mit einem Zelt zu pilgern und gleichzeitig zu arbeiten. Er ist nach 3 Jahren in Santiago de Compostela angekommen.

Detail vom romanischen „Haus zum Drachen“ in Cluny (Foto: schrittWeise)

Einen Teil der Strecke teilt sich der Jakobsweg mit dem Asissi-Weg oder der Weg des Friedens (Chemin d’Assisi), der weiter nach Italien führt. Das Wetter ist an dem Tag immer schlechter geworden. In der ersten Stunde blieb ich noch trocken, aber später hat es dann doch noch ein wenig geregnet. Gegen 17:00 Uhr bin ich in St. Cécile angekommen, wo ich mich zunächst in der kleinen Kirche umgesehen habe.

Sehenswerte Glasmalerei in St Cecile (Foto: schrittWeise)

Übernachtet habe ich in Sainte-Cécile bei Privatpersonen, die im Erdgeschoss eine kleine Anliegerwohnung mit einem Schlafzimmer, Bad sowie Wohnzimmer mit Küche für Pilger bereithalten. Die Namen und Adresse der Anbieter können dem „Guide Orange“ entnommen werden.

Kleine Pilgerunterkunft in St. Cécile mit meinem Pilgergepäck und Karte mit Jakobswegen im Hintergrund (Foto: schrittWeise)

Ich habe mich gefreut, als ich im Pilgerbuch den Eintrag des Pilgerkameraden Marcus gefunden habe, den ich letztes Jahr in Burgund auf dem Jakobsweg kennengelernt habe. Er ist derzeit ebenfalls auf dem Jakobsweg unterwegs, angefangen in Le Puy-en-Velay, und befindet sich momentan in Spanien.

Kochnische der Pilgerunterkunft in St. Cecile (Foto: schrittWeise)

2. Etappe: St. Cécile – Ouroux (Sonntag, 04.06.17)

Gefühlt war die zweite Tagesetappe meine erste, denn die gestrigen 7 Kilometer fühlten sich nach einem kleinen Spaziergang an. Pilgern sollte jedoch nicht nach zurückgelegten Entfernungen und der Geschwindigkeit gemessen werden. Ich finde, dass jeder Pilger seinen eigenen Weg gehen sollte, unabhängig von jedem Leistungsdruck. Einmal habe ich gelesen, es gibt genauso viele Pilgerwege, wie viele Pilger es gibt. Jede Pilgerschaft beginnt idealerweise vor der eigenen Haustür, was durchaus doppeldeutig zu verstehen ist.

Fingerhut, Digitalis: eine auf der Strecke weit verbreitete und schöne, aber giftige Blume, auf französisch „la digitale“ (Foto: schrittWeise)

Nach dem Frühstück räumte ich noch ein wenig die Pilgerwohnung auf und verabschiedete mich von den netten Gastgebern, die selbst auf dem Jakobsweg nach Santiago unterwegs waren. Zwar regnete es am frühen Morgen, jedoch besserte sich das Wetter wesentlich als ich losgelaufen bin. Bis zur Ortschaft Tramayes lief ich noch durch Burgund, danach befand ich mich in der Region Rhône-Alpes.

Panorama zwischen den Regionen Burgund und Rhône-Alpes (Foto: schrittWeise)

Saint-Jacques-des-Arrêts

Auch in Frankreich finden sich kleine Glücksbringer in Miniaturformat, die einem helfen, den richtigen Weg zu finden, auch wenn mal Wegweiser fehlen (Foto: schrittWeise)

Auf dem Weg nach Saint-Jacques-des-Arrêts musste ich einer Umleitung folgen, weil der Wanderpfad vor der Ortschaft gesperrt war. Das Dorf ist nach dem Heiligen Jakobus benannt. Das Straßenbild hat mir gut gefallen. In der Kirche können Wandmalereien und Bilder von Jean Fusaro bewundert werden. An dem Tag fand eine größere Veranstaltung im Dorf statt, etwa eine Hochzeit oder Taufe.

Gemälde „Saint Jacques sur les chemins de Compostelle“ von Jean Fusaro stellt einen Pilger dar (Foto: schrittWeise)

Ich ruhte mich in der Gaststätte „Auberge de Saint-Jacques“ aus. Dort fragte ich nach dem Weg zu meiner heutigen Unterkunft, Gîte Éco-Ferme, (Herberge der Ökofarm) „La Carruge“, weil sie laut meinem Reiseführer nur noch ca. 5 Kilometer entfernt war. Der Gaststättenbesitzer rief jemand aus der Gruppe der Feiernden, die sich vor der Auberge versammelt haben. Gleich erklärten sie meine Karte aus dem Reiseführer als zu ungenau für diese Zwecke und gaben mir eine andere Karte der Region, die in der Gaststätte auslag. Sie beschrieben und markierten mir den Weg auf der Karte.

Etappenziel ist in Sicht (Foto: schrittWeise)

Ich verabschiedete mich von den netten Dorfbewohnern und lief die letzten Kilometer des Tages. Meine Bedenken erwiesen sich als unbegründet, weil der kleine Umweg zur Ökofarm von den Besitzern sehr gut ausgeschildert war.

Unterwegs zur Herberge (Foto: schrittWeise)

Zum Schluss erwartete mich noch ein sehr steiler Aufstieg, den ich nach zurückgelegten 27 Kilometern deutlich in den Beinen gespürt habe.

Enthüllt: Comic-Held Wolverine macht in Frankreich Urlaub (Foto: schrittWeise)

Auf der Ökofarm „La Carruge“

Die Ökofarm trägt den Namen der nahen Quelle „La Carruge“, von der sie mit Trinkwasser versorgt wird. Vom Hundegebell begleitet erreichte ich den Bauernhof und wurde von Linda und Gérard empfangen. Sie führen seit den 80ern Jahren den Bauernhof in ökologischer Landwirtschaft und halten Ziegen, um Milch und Käse zu produzieren.

Ziegen werden zum Melken geführt, unten der aufgeregte Hund (Foto: schrittWeise)

Den wunderbaren Ziegenkäse dürfte ich im „Pilgersalat“ und am nächsten Morgen zum Frühstück kosten. Ich dürfte auch beim Ziegenmelken zuschauen, wobei der Hofhund ganz aufgeregt hin- und herrannte, als die geduldigen Tiere die Plätze tauschten.

Der Hund fand einfach keine Ruhe (Foto: schrittWeise)

Als es schon dunkel wurde, kam noch ein Gast dazu. Es handelte sich um Matěj, einen Doktoranden aus der Tschechischen Republik, der in Paris für einige Wochen seine Studien vertiefte und in Cluny sein verlängertes Pfingstwochenende verbrachte. Er lief einige Kilometer spontan und zunächst unbewusst am Jakobsweg entlang. Dann fragte er bei Oureaux einen Bauern, wo er übernachten könnte und dieser brachte ihn mit dem Auto hierher. Sehr freundlich und zuvorkommend, die Franzosen.

Nächtliches Bild von Ouroux (Foto: schrittWeise)

Matěj und ich unterhielten uns lange über Gott und die Welt. Später leistet uns in unserem Schlafsaal die Hauskatze Gesellschaft. Sie ließ sich nicht beirren und steuerte ihren angestammten Platz an.

Hauskatze im Schlafsaal auf dem Dachboden (Foto: schrittWeise)

Die wichtigsten Orte auf der Etappe:

  • Sainte-Cécile
  • Tramayes (11  km)
  • Cenves (5,5)
  • Saint-Jacques-des-Arrêts (6,5 km)
  • Ouroux (5 km)

Gesamtentfernung: ca. 28 Kilometer

13 Kommentare zu „Jakobsweg „Cluny – Le Puy“: erster Abschnitt bis Ouroux [1]

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  1. Sehr schöne Unterkünfte in St. Cecile und Ouroux. Von beiden hat mir mein Buch nichts verraten. Besonders die rustikale Art der Unterkunft in St. Cecile imponiert mir sehr. Und auch auf der Öko-Farm hätte ich liebend gerne mal vorbeigeschaut.

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    1. Hallo David, ich fand die beiden Unterkünfte auch toll. Im Allgemeinen war ich bisher mit den meisten Übernachtungsmöglichkeiten für Jakobspilger in Frankreich zufrieden. Die beiden Unterkünfte im Beitrag habe ich im  „Guide Orange“ der Association Rhône-Alpes des Amis der Saint-Jacques entdeckt. Die „Amis“ leisten echt eine hervorragende Arbeit und helfen den Pilgern sehr. Viele Anbieter der Unterkünfte sind selber Mitglieder und/oder Pilger. Liebe Grüße und einen erholsamen Abend, schrittWeise

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    1. Hallo Ananda,

      ich bin 2015 auch ein Stück des Camino del Norte gepilgert. Die letzten 200 Kilometer ab Tapia de Casariego. In Gijon bin ich bei der Anreise nachts mit dem Flugzeug gelandet und war dann froh, noch eine Ersatzunterkunft zu finden, weil mein Gastgeber in einer Surfschule mich versetzt hat. So fing meine Pilgerschaft ziemlich abenteuerlich an. Zum Glück konnte der nette Taxifahrer noch ein Hotel finden.

      https://schrittweiseblog.wordpress.com/2017/04/28/fraenkischer-jakobsweg-der-aufbruch/

      Schönen Abend und liebe Grüße

      Gefällt 1 Person

  2. Hi 🙂

    WOW – das werd ich mir nach und nach in Ruhe angucken und durchlesen – deinen Jakobs-Weg 🙂
    Meine Tante und Schwester machen sich demnächst auf… aber „nur“ die letzten 350 km – da bin ich auch schon total gespannt drauf, was die zu erzählen haben…

    Alles Liebe ❤

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          1. Sie kämpfen 😉

            Los gegangen in Gijon, haben sie sich am ersten Tag erst mal verlaufen und für die 25km-Etappe 42 km gebraucht.
            Am nächsten Tag Pause gemacht
            Am dritten Tag wollten sie von Aviles nach El Pito, es hat aber den ganzen Tag Hunde und Katzen geregnet, gewindet und es ging immer bergauf – also haben sie auf der Hälfte halt gemacht, in San Martin
            Jetzt hab ich ein bisschen die Orientierung verloren, da sie wohl nicht mehr in den geplanten Etappen unterwegs sind.
            Aber am nächsten Tag 29km, dann 17 und heute wollen sie 27 schaffen.

            Ich finde sie halten sich super gut!

            Will auch bei dir mal wieder weiter lesen… heute dachte ich noch daran…

            Wünsche dir einen guten Weg
            Alles Liebe ❤

            Gefällt 1 Person

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