Pilgerherberge von Frommenhausen [Jakobsweg nach Konstanz V]

Jakob Beyter (1480 – 1562) pilgerte im Jahr 1510 aus seinem Geburtsort Frommenhausen nach Santiago de Compostela. Der fromme Mann war Schulmeister, Mesner und Organist in Hirrlingen. Auf seinem Grabstein neben dem Turm der Kirche in Hirrlingen weist die Inschrift auf seine Pilgerreise hin: „Als man zalt 1562 am 5. Mai starb der ehrbare Jacob Beyter von Frommenhausen, dem Gott gnädig sein wölle. Im Jar 1510 ist der obgemeldt gen St. Jacob gezogen.“

500 Jahre später, am 01.08.2010, fand in seinem Gedenken die feierliche Eröffnung der Pilgerherberge in Frommenhausen statt. Der Förderverein Frommenhausen und die Ortsverwaltung machten die Pilgerherberge möglich. Die Unterkunft wird vom Förderverein betreut.

Ich übernachtete in der Pilgerherberge im Januar 2016 im Rahmen meiner Pilgerschaft nach Konstanz und Basel. Es war meine erste Pilgerherberge in Deutschland und ich denke sehr gerne daran zurück.[1]

Wegweiser

10. Rottenburg am Neckar – Frommenhausen (Teil 2)

  • Datum: Samstag, 09.01.2016
  • Entfernung: 9 Kilometer (Teil 1: 12 Kilometer)
  • Besondere Ereignisse: der Aufstieg nach Dettingen, Ankunft in der Pilgerherberge Frommenhausen
Karte der Jakobswege durch Rottenburg am Neckar (Fotorechte: Dario schrittWeise)

Nachdem ich mich auf dem Marktplatz von Rottenburg am Neckar von Jonas verabschiedete, lief ich am Dom und dem Marktbrunnen vorbei, denn hier sah ich weitere Muschelzeichen. An dieser Stelle musste ich wieder aufpassen, weil sich hier der Jakobsweg teilt. Der eine Weg führt nach Horb und der andere über Dettingen nach Hechingen und Balingen.

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Ich folgte den Muschelzeichen durch die Altstadt, an der Zehntscheuer vorbei, in der früher die Naturalsteuer aufbewahrt wurde, ich überquerte erneut den Neckar und lief am Flussufer aus der Stadt hinaus.

Der Jakobsweg von Rottenburg nach Dettingen ist einfach zurückzulegen, nur der Anstieg kurz vor der Ortschaft ist relativ steil. Bei Schnee oder Regen würde ich empfehlen, den Umweg zu benutzen, der auch entsprechend gekennzeichnet ist. Der steile Aufstieg ist aber nicht sehr lang, einen geschätzten Kilometer.

Der Aufstieg nach Dettingen

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In Frommenhausen

Am Abend kam ich in Frommenhausen an. Ein langer Tag lag hinter mir. Der kleinste Stadtteil von Rottenburg ist auch für seine Bienentradition bekannt, wie es unschwer am Stadtwappen erkennbar ist.

Von der Nürnberger Holzbildhauerin Birgit Maria Jönsson stammt die Skulptur „der Loahner“ neben dem Rathaus. Die Figur wird von Honigbienen bewohnt und stellt mit einem Augenzwinkern einen gemütlichen Bewohner von Frommenhausen, der sich nach getaner Arbeit an eine Hauswand lehnte, dar.

Im Ort kann noch die „Horchmuschel“ von der Künstlerin betrachtet werden. Sehenswert sind in Frommenhausen außerdem noch die Kirche St. Vitus, eine große Wildbienenanlage, ein Weidenhaus und ein Arboretum.

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Ich sah mich kurz im Ort um und sah bald die Pilgerherberge, die im Gebäude einer ehemaligen Raiffeisenbank untergebracht ist. An der Südfassade befindet sich die sehenswerte Nachbildung des Gemäldes „Sankt Jakobus als Pilger am Monte do Gozo“ des berühmten deutschen Malers Sieger Köder (1925 – 2015). Monte do Gozo ist ein Berg in San Marcos, einem Ort bei Santiago de Compostela. Der Berg wird auch als Mons Gaudii, der „Berg der Freude“ bezeichnet, weil die Pilger vor Freude ergriffen sind, wenn sie vom Berg die Kathedrale von Santiago de Compostela sehen können. Ich war Anfang September 2015 auf einer Pilgerschaft in Spanien auf dem Berg und freute mich ebenfalls, dass ich bald ankommen werde.

Auf dem „Berg der Freude“ bei Santiago de Compostela, September 2015 (Fotorechte: Dario schrittWeise)

Nach einem kurzen Anruf bei den Verantwortlichen des Fördervereins Frommenhausen, wurde ich sehr schnell und herzlich von zwei Vereinsmitgliedern empfangen. Ich fand es sehr rührend, wie fürsorglich sie mich aufgenommen haben. Sie stellten mir ihre gemütliche Pilgerherberge vor gaben mir eine ausführliche Einweisung. Sie erklärten mir auch, wie ihr Holzofen funktioniert, den ich bei meinem Besuch im Winter benötigte.

Die Pilgerherberge in Frommenhausen (Fotorechte: Dario schrittWeise)

Mittlerweile besuchte ich die Pilgerherberge zum zweiten Mal. Ich erinnere mich an meinen ersten Besuch, im Januar 2016. Damals war es abends sehr kalt und ich durfte den Ofen nutzen, um die Küche und das kleine Schlafzimmer zu beheizen. Es hatte etwas Besonderes , am Abend einer Jakobsweg-Etappe das Brennholz in den Ofen nachzulegen.

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Im Gemeinschaftsraum der Pilgerherberge finden auch diverse kulturelle und kreative Veranstaltungen des Fördervereins Frommenhausen statt. Hier kann zudem die sehenswerte Fotoausstellung eines Pilgers mit Motiven vom Jakobsweg besichtigt werden.

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Im Gästebuch der Pilgerherberge entdeckte ich neben vielen lesenswerten Einträgen der früheren Pilger auch ein Gebet der berühmten evangelischen Theologin und Sprachwissenschaftlerin Dorothee Sölle. Die Zeilen passen gut zum Dasein eines Pilgers, das nicht immer nur Sonnenschein zu bieten kann.

Lasst uns Gehende bleiben
Wir sind nicht ganz zu Hause auf dieser Welt
Wenn wir pilgern, sind wir
nicht nur wir
Er geht mit. Er ist dabei.

Wir sind unterwegs mit dir, Gott.
Durch Dunkel und Nässe,
durch Nebel und oft ohne Weg und nicht selten ohne Ziel.

Wir sind Wanderer. Wir sind Gehende.
Wir sind noch nicht ganz angekommen.
So wandert Gott mit uns
und lehrt uns das Gehen – und das Suchen…
(Dorothee Sölle)

Das Pilgern kann auch als das Leben an sich betrachtet werden, denn wir Menschen sind Wanderer „durch Dunkel und Nässe, durch Nebel und oft ohne Weg und nicht selten ohne Ziel“ und wir lernen „das Gehen – und das Suchen“.

11. Frommenhausen – Bisingen

  • Datum: Sonntag, 10.01.2016
  • Entfernung: ungefähr 23 Kilometer
  • Besondere Ereignisse: Besuch der Villa Rustica in Hechingen-Stein, Hechingen

Am nächsten Morgen traf ich noch die nette Dame vom Förderverein Frommenhausen, die mich am Vorabend empfangen hat. Sie fragte mich noch, ob alles in Ordnung war und zeigte mir die Backstube, um die sich der Förderverein ebenfalls kümmert. Der Verein setzt sich außerdem für den Erhalt der Dorfgemeinschaft und für die Altenpflege ein. Insgesamt waren die Betreuer der Pilgerherberge sehr gastfreundlich, diskret und freundlich.[2]

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Hirrlingen und der Weg nach Hechingen

Am Ausgang von Frommenhausen traf ich auch den freundlichen Herrn vom Förderverein, der mich gestern ebenfalls in der Herberge empfangen hat. Er verabschiedete mich und zeigte mir noch den Weg. Nach wenigen Kilometern kam ich in Hirrlingen an und entdeckte gleich den Grabstein des Pilgers Jakob Beyter.

Auf dem Weg nach Hechingen bot mir ein freundlicher Traktorfahrer, mich ein Stück des Weges mitzunehmen. Ich erzählte ihm, ich sei ein Pilger und daraufhin erklärte er mir den Weg nach Hechingen. Ich fand es rührend, als er zurückfuhr, um mir die Strecke noch genauer zu beschreiben, weil er einige Details ausließ.

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Hechingen-Stein mit der Villa Rustica

Villa Rustica bei Hechingen-Stein ist ein römischer Gutshof, der ca. Ende des 1. Jahrhunderts bis Mitte des 3. Jahrhunderts nach Christi entstanden ist. Zwischen 1978 – 1983 wurde das Gelände mit einem Hauptgebäude und ca. 10 – 15 Nebengebäuden ausgegraben. Derzeit wird ein Tempel freigelegt. Heute ist Villa Rustica ein Freilichtmuseum und kann vom Frühling bis zum Herbst besichtigt werden. Ich hatte Glück, weil bei meinem zweiten Besuch in der Villa Rustica ein Fest stattfand. Als ich mich an der Kasse als Pilger zu erkennen gab, ließen mich die Betreiber kostenlos eintreten. Ich habe mich am Ende gründlicher umgesehen, als geplant, denn ich fand das Gelände sehr spannend. Deswegen plane ich auch einen Beitrag darüber zu schreiben.

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Die ehemalige Residenzstadt Hechingen

Die Besonderheit der ehemaligen Residenzstadt Hechingen ist die Aufteilung in eine Unterstadt und eine Oberstadt. Die Grafen von Zollern bauten auf dem Berg von Hechingen Mitte des 11. Jahrhundert eine Burg, die sie zum Sitz ihrer Verwaltung machten. Um die Burg entwickelte sich ab de 13. Jahrhundert die Oberstadt, die im 15. Jahrhundert im Gegensatz zur Unterstadt einen Mauerring bekam. Ich betrat die Altstadt durch den Unteren Turm, einem der Tore der alten Stadtbefestigung. Zunächst besichtigte ich die frühklassizistische Stadtkirche St. Jakob vom Ende des 18. Jahrhunderts. Zu dem Zeitpunkt fand eine Chorprobe mit Instrumenten statt und ich lauschte der erhabenen Musik.[3]

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Wessingen und Bisingen

Nach meiner Pause in Hechingen lief ich noch nach Wessingen und Bisingen weiter. Ungefähr 6 Kilometer nach Hechingen erreichte ich am Nachmittag Bisigen und nahm dort einen Zug nach Nürnberg.

In Wessingen (Fotorechte: Dario schrittWeise)

Die wichtigsten Orte

  • Hirrlingen
  • Hechingen-Stein
  • Hechingen

12. Bisingen – Balingen

  • Datum: 03.03.2016
  • Entfernung: ungefähr 16 Kilometer
  • Besondere Ereignisse: Pizzeria in Grosselfingen, der Anblick von der Burg Hohenzollern, Balingen

Die kurze Strecke zwischen Bisingen und Balingen legte ich im Rahmen meiner letzten Ein-Tages-Etappe zurück. Am Tag danach machte ich einen Kurzurlaub im Schwarzwald. Am Vorabend übernachtete ich in einer merkwürdigen Wohnung in Grosselfingen bei Bisingen, die vermutlich meistens von Handwerkern benutzt wird. Mit Wehmut dachte ich an die familiäre Pilgerherberge in Frommenhausen. Ich aß in einer Pizzeria zu Abend und unterhielt mich mit dem jungen Pizzeriabetreiber über meine Pilgerschaft. Er wollte wissen, wer denn meine Pilgerschaft finanzierte und, ob ich ein Aussteiger sei. Jedenfalls fühlte ich mich sehr gut unterhalten.

Burg Hohenzollern (Fotorechte: Dario schrittWeise)

Die Tagesetappe nach Balingen begann ich am 03.03. gemütlich in einem Café in Grosselfingen. Die Erinnerung an den fröhlichen Pizzaabend ließ mich noch schmunzeln. Ich nahm den ersten Bus nach Bisingen.

An jenem Tag regnete es relativ stark und der Wind blies mir um die Ohren. Während der ganzen Pilgerschaft wich mir die Burg Hohenzollern nicht von der Seite. Das Bergschloss aus dem 19. Jahrhundert thront majestätisch auf einem Berg zwischen Wessingen und Bisingen. Ursprünglich wurde die Burganlage im 11. Jahrhundert erbaut und diente den Grafen von Hohenzollern als Stammsitz. Aus der Adelsfamilie gingen die letzten Deutschen Kaiser hervor. Die Burg Hohenzollern verfiel im Laufe der Jahrhunderte und wurde ab Mitte des 19. Jahrhunderts neu errichtet. Ich dachte an meinen Besuch in der prachtvollen Burg und überlegte, wieder hinzugehen.[4]

Balingen

Am späten Nachmittag kam ich in Weilsteten, einem Stadtteil von Balingen an. Den Pilgerstempel und einige Wanderkarten bekam ich bei der freundlichen Dame von der Stadtinfo. Ich habe auch bereits eine Unterkunft für meine Rückkehr ausgesucht, eine Gruppenherberge, die in einem kleinen Schloss untergebracht ist, der ehemaligen Jugendherberge. Am Abend holte mich meine Freundin ab und wir fuhren zu unserer Unterkunft im Schwarzwald.

Balingen (Fotorechte: Dario schrittWeise)

Die wichtigsten Orte

  • Bisingen
  • Balingen

Quellen

Titelbild: Fotografie der Nachbildung des Gemäldes "Sankt Jakobus als Pilger am Monte do Gozo" von Sieger Köder, Frommenhausen
[1] https://www.hirrlingen.de/de/Lebenswertes-Hirrlingen/Ortsportrait/Historisches
http://www.pilgerherberge-rottenburg.de/(zuletzt abgerufen am 12.06.2018)
[2] http://www.rottenburg.de/sixcms/detail.php?id=30010 (zuletzt abgerufen am 12.06.2018)
[3] Forst, Bettina: "Südwestdeutsche Jakobswege. Von Würzburg nach Konstanz, Straßburg und Waldshut-Tiengen", München 2010, S. 188
[4] Forst, S. 189

6 Kommentare zu „Pilgerherberge von Frommenhausen [Jakobsweg nach Konstanz V]

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  1. Hallo Dario, für diesen Bericht danke ich besonders — es ist spannend, die heimatnahe Region aus der Perspektive eines „Vorbeiwanderers“ beschrieben zu bekommen. Schade, dass Du von Bisingen bis Balingen schlechtes Wetter hattest, denn wie positiv man eine Region / einen Wandertag / eine Stadt in Erinnerung behält, hängt (zumindest bei mir) unter anderem vom Wetter ab: Nasskaltes Bäh!-Wetter „motiviert“ zum schnellen Vorwärtskommen (ins Trockene), sodass Zeit und Muße leiden, die Umgebung auf sich wirken zu lassen. Andererseits: Auf Deinem langen Weg hattest Du viele viele schöne Tage und viele viele schöne Erinnerungen — da kommt es auf ein paar mehr oder weniger auch nicht an ;-).

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    1. Hallo Luis, vielen Dank ☺️ Stimmt, die Strecke von Bisingen bis Balingen hat bei mir wegen des schlechten Wetters keinen bleibenden Eindruck hinterlassen. Ich habe aber vor, demnächst wieder zu kommen, um mir die Burg Hohenzollern erneut anzusehen. Dann werde ich mehr von der Gegend mitbekommen. Liebe Grüße und einen guten Start in die neue Woche, Dario 🙂

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  2. Hallo Dario.
    Deine Berichte über deine Pilgerwege finde ich immer wieder interessant, vor allem die passenden Bilder dazu.
    Die Pilgerherberge in Frommenhausen ist erstaunlich schön und gemütlich. Ich habe mir solche Unterkünfte viel trister und einfacher vorgestellt.
    LG, Nati

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    1. Hallo Nati, danke dir für dein Interesse 🙂 Bisher fand ich in erster Linie die touristischen und sonstigen Unterkünfte trist. Aber nicht alle sind perfekt, es gibt auch einige der Kategorie „abenteuerlich“, wie eine kommunale Herberge in Frankreich, die mich an eine verlassene Heilanstalt erinnerte oder die Pilgerherberge in Spanien am Küstenweg, die so einfach war, dass man sie nicht Mal abgeschlossen hat und wohl auch nicht sehr oft gereinigt hat 😏 Die meisten Pilgerherbergen fand ich aber gut. LG

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