Letztes Jahr habe ich einige Momentaufnahmen verfasst. Die Miniaturen zu schreiben, hat mir großen Spaß gemacht. Dieses Jahr habe ich wieder mehrere Begebenheiten erlebt oder beobachtet, über die es sich für mich zu schreiben gelohnt hat. Einiges habe ich aber noch hinzugedichtet. Sonst wäre es zu langweilig. Welche Geschichten sind wohl tatsächlich so passiert und welche sind erfunden?
Einige Momentaufnahmen
Im Waschsalon
Ein Waschsalon um die Ecke ist wie ein Aquarium. Die großen Schaufenster gewähren Einblicke in das wechselhafte Geschehen der Kunden. An jenem Tag regnete es und im Waschsalon schien das pure Leben zu toben. Zwei Freunde saßen an einem Tisch neben dem Fenster. Sie spielten Karten und wartete darauf, dass ihre Wäsche trocken wurde. Ein Mann in seinen 60ern faltete sorgfältig seine Hemden. Er tat es sehr akkurat. Auf dem schwarzen Massagestuhl in einer Ecke ließ sich eine Frau gutgehen. Daneben spielte ein Jugendlicher mit einem Flipperautomaten. Ein Waschsalon kann eine wahre Fundgrube an kleinen Geschichten sein.
Die Handwerker auf der Walz
Bernardo fuhr mit der U-Bahn nach Hause. In den U-Bahn-Wagen stiegen zwei Handwerker ein, die auf der Walz waren. Ein Mann und eine Frau. Sie trugen jeweils die volle Montur der wandernden Handwerker und einen typischen Wanderstab. Ein wenig erinnerten sie Bernardo an Schornsteinfeger. Wo sie wohl hingefahren waren?
Im vietnamesischen Restaurant
Tina besuchte ein Restaurant, das von vietnamesischstämmigen Pächtern, einem älteren Ehepaar, geführt wurde. Das Restaurant befand sich in einem alten Fachwerkhaus.
Die Besitzer waren sehr freundlich und zuvorkommend. Sie wuselten fleißig um Tina herum. Später kamen zwei junge Männer dazu, vermutlich die Söhne des Ehepaares. Sie aßen alle gemeinsam ihr spätes Mittagessen. Tina war der letzte Gast des Nachmittags.
Drei Hasen im Café
Zwei Hasen betraten ein Café. Sie setzten sich an einen Tisch am Fenster. Was war da los? Waren sie Figuren aus einer magischen Welt? Räuber? Straßenkünstler? So könnte auch ein modernes Märchen oder ein Witz beginnen. Nur in diesem Fall war es ganz anders.
Die als Hasen verkleideten Cafébesucher nahmen ihre Masken ab.
„So verteilt man am besten Flyer“, sagte der eine falsche Hase zum anderen.
„Ja, das war eine sehr gute Ausbeute.“
Der dritte Hasenimitator kam herein. Es war eine Häsin, wie es sich herausgestellt hatte. Sie setzte sich zu ihnen.
„Ach, das haben wir gut gemacht …“
Die Schneeverwehung
Der Schnee fiel im Januar, brachte Chaos mit sich. Alles war weiß, glitzernd, leuchtend. Dächer waren mit Schnee bedeckt, Skulpturen unter dem weißen Schleier versteckt. Schnee in der Stadt blieb in diesem Jahr ein seltener Anblick.
Jemand räusperte sich hinter Hannes. Er drehte sich um. Kein Mensch war zu sehen. Nur eine schneebedeckte Statue. Er setzte seinen Weg fort.
„Brr, ganz schön kalt heute.“
Wieder blickte er hinter sich. Versteckte sich wohl jemand hinter der Steinfigur?
„Suchst du etwas?“
Er sah die Skulptur an. Doch sie verzog keine Miene. Jetzt hörte er schon Stimmen, so weit ist es bereits gekommen.
„Manchmal liegt die Wahrheit darin, was wir nicht wahrnehmen und nicht darin, was wir sehen und hören“, sagte jemand hinter ihm.
Hm, ein interessanter Gedanke, Unbekannter, dachte Hannes und ging seines Weges.
Maronen
Die Verkäuferin preiste lauthals ihre Waren. Heiße Maroni hätte sie zu verkaufen. Wie zu alten Zeiten, dachte ich mir, als die Händler noch ihre Waren laut feilboten. Ich kaufte 100 Gramm der gerösteten Nussfrüchte.
Die Maronenstände waren für mich eine liebgewonnene Tradition im Herbst und Winter. Ich freute mich immer, wenn die Saison beginnt und kaufte mir gerne die gerösteten Maroni an einem der Stände in der Innenstadt. Doch jetzt war die Saison vorbei.
„Wir kommen nächstes Jahr wieder“, sagte die Maronenverkäuferin. „Hier, nehmen sie einen Maronenschokotaler. Und beehren sie uns nächstes Jahr wieder“. Sie lächelte mich freundlich an.
Titelbild
Foto: Bei den Hasen im Café, Fotorechte: Dario Schrittweise
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