Ferkeleien, ein Doppelgänger und ein Einhorn – Fränkische Skizzen

In der letzten Sammlung meiner fränkischen Skizzen habe ich über Zaubersprüche, den Verleiher vom Knoblauchsland und andere Geschichten aus den fränkischen Städten geschrieben.

Nun habe ich wieder einige Miniaturen bzw. Skizzen geschrieben. Dieses Mal bin ich in Forchheim, Weißenburg und Schweinfurt gewesen. Darin spielen ein Einhorn, ein Doppelgänger und ein Schweinehirte eine Rolle.

Auf dem Titelfoto ist die Bronzefigur des Karpfens an der Wassertreppe zur Wiesent in Forchheim zu sehen. Gestaltet hat sie der Bildhauer Reinhard Eiber. Rechts sind die Fischkästen abgebildet, die auch in einer der Geschichten erwähnt werden.

Wie bisher auch, lasse ich auch dieses Mal offen, welche Geschichten wahr und, welche frei erfunden sind.

Skizzen und Miniaturen aus Franken

Ferkeleien, ein Doppelgänger und ein Einhorn – Fränkische Skizzen

Ein Einhorn in Forchheim

Eine private Reise führte mich letztes Jahr in die Altstadt von Forchheim.

Bei der “Hundsbrücke” hängen mehrere Holzkästen in der Wiesent. Es sind sogenannte Fischkästen, die ursprünglich der Frischhaltung von Fischen gedient hatten. Heute gibt es moderne Kühlsysteme, so dass die Fischkästen nur noch historische Wahrzeichen der Stadt sind, die an den Fischhandel in Forchheim erinnern. Dieser Stadtteil wird interessanterweise „Klein Venedig“ genannt.

Als ich mich damals bei den Fischkästen umgesehen habe, schwamm auf der Wiesent ein aufblasbares Einhorn. Es gehörte wohl zu einem der angrenzenden Häuser. Ein Witzbold hat es dort aufgestellt und angebunden. Eine Verbindung zur Gaststätte „Einhorn“ hielt ich auch für möglich. Jedenfalls hatte mich der Anblick erheitert.

Der Doppelgänger von Weißenburg

In einem Bio-Lädchen in Weißenburg hatte ich letztes Jahr eine unvergessliche Unterhaltung mit der Verkäuferin.

„Sie waren doch schon einmal bei mir im Laden?“, fragte mich die freundliche Verkäuferin.
„Ich bin mir dessen leider nicht sicher“, antwortete ich wahrheitsgemäß. „Ich bin schon einige Male in Weißenburg gewesen, kann aber nicht sagen, ob ich schon bei Ihnen gewesen bin. Es hatte natürlich sein können, wer weiß?“
„Doch, doch, sie sind bestimmt schon einmal hier gewesen. Wo wohnen Sie gerade? In Weißenburg?“
„Nein, in Nürnberg.“
„Und davor in Weißenburg?“
„Nein, auch nicht.“
„Aber bei mir sind sie bestimmt schon einmal gewesen. Ich vergesse nämlich keine Gesichter.“
Ich lächelte und zuckte mit den Schultern.

Danach sind wir wieder zu meinen Einkäufen übergegangen.

Obwohl sich die Dame ziemlich sicher war, vermute ich, dass sie mich mit jemanden verwechselt hatte. Immerhin fand ich die Vorstellung reizvoll, dass ich irgendwo da draußen, vielleicht sogar in Weißenburg, einen Doppelgänger habe. Es hieß, jeder Mensch hätte mindestens eine Person auf der Erde, die an ihn erinnert, zumindest äußerlich.

Einerseits widersprach es der Vorstellung der Einzigartigkeit des Individuums, andererseits fände ich den Gedanken verführerisch, einen Menschen kennenzulernen, der mir sehr ähnlich ist und der sich vielleicht ähnlich wie ich verhält.

Die Glücksferkel aus Schweinfurt

Letztes Jahr spazierte ich im „Zürch“, dem ältesten Viertel Schweinfurts. Ich lief an der Bronzestatue eines Schweinehirten vorbei. Er führte drei Schweine bei sich und saß auf einem Stein.

Der Schweinehirte schien sich in seiner Rolle wohl zu fühlen. Er blickte nach oben. Träumte er oder sprach er mit uns, den Betrachtenden? Die Figurengruppe in der Burggasse wurde 2003 vom Künstler Peter Vollert geschaffen.

Was wäre, wenn er ein Gespräch mit mir anfangen würde?

„Wie es mir geht?“, erwiderte ich. „Ach, ganz hervorragend, das Jahr fängt erst an und ich bin guter Dinge. Und selbst?“

„Sehr gut. Ich ruhe mich hier mit meinen Ferkeln aus. Gleich fängt der Markt an. Reiben sie doch die Nase eines der Ferkel, dann werden sie von der Fortuna begünstigt.“ Er lachte herzlich.

„Echt? Sagt wer?“, wunderte ich mich. Wer es glaubt … Doch ich tätschelte eines der Schweinchen, sicher ist sicher.

Der Hirte zwinkerte mir zu.

Titelfoto

Foto: An der Wiesent im Forchheim, Fotorechte: Dario Schrittweise

Entdecke mehr von Dario Schrittweise

Melde dich für ein Abonnement an, um die neuesten Beiträge per E-Mail zu erhalten.

4 Antworten auf „Ferkeleien, ein Doppelgänger und ein Einhorn – Fränkische Skizzen

Add yours

  1. Lieber Dario, deine „Fränkische Skizzen“ finde ich sehr interessant und amüsant. Aber die Bronzestatue eines Schweinehirten von Peter Vollert ist mein Favorit.

    Was wäre, wenn er ein Gespräch mit mir anfangen würde? „Ich sitze auf einem Stein in der Sonne und genieße ihre Wärme.“ Würde er bestimmt zu mir sagen. „Ich bin der gute Schweinehirte. Ich pflege meine Tiere gut. Ich rufe sie beim Namen und sie vertrauen mir. Sie gehen und kommen immer wieder zu mir zurück. Ich bin da. Einfach da. Ich genieße mein unbeschränktes Dasein. Hier bin ich wunschlosglücklich. Und du? Hast du viele Pläne und Aufgaben?“
    „Ich bemühe mich, nicht mehr übermäßig intensiv zu leben und meine Langsamkeit zu akzeptieren und sogar genießen. Ich bewundere deine unbeschwerte Gelassenheit und einfache Zufriedenheit.“

    So lieber Dario. Danke dir für diesen interessanten Beitrag. Ich wünsche dir einen guten, sicheren Weg durch das Jahr 2026.
    LG, Sophie Mai

    Gefällt 1 Person

Hinterlasse eine Antwort zu arnoldnuremberg Antwort abbrechen

Diese Seite verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden..

Erstelle eine Website oder ein Blog auf WordPress.com

Nach oben ↑