Pilgerherberge in Aumont-Aubrac [Via Podiensis 3]

Auf meinem bisherigen Jakobsweg durch Deutschland und Frankreich übernachtete ich in sehr wenigen Pilgerherbergen, die man als solche bezeichnen könnte. Meistens waren es gewöhnliche Unterkünfte wie Pensionen oder Gasthäuser, die keinen Bezug zum Jakobsweg hatten. Wenn ich an meinen Weg durch Süddeutschland zurückdenke, dann fallen mir als Beispiele für besonderes pilgerfreundliche Unterkünfte die Pilgerherberge in Frommenhausen bei Balingen und Kloster Beuron ein. In Frankreich übernachtete ich häufig bei Privatpersonen, die ein Zimmer nur für Pilger anboten. Später auf dem Weg kamen auch mehr Gasthäuser hinzu, die mehr mit dem Pilgern zu tun hatten. Auf der Via Podiensis gibt es hingegen Pilgerherbergen wie Sand am Meer. Viele der Betreiber waren selbst auf Pilgerwegen unterwegs. Eine besondere Unterkunft fand ich im Ort Aumont-Aubrac vor. Die Atmosphäre erlebte ich als sehr herzlich. Der Wirt Charles und seine Angestellten waren freundlich und zuvorkommend. Im Garten konnte der Pilger seine müden Beine ausruhen und zum Abendessen gab es die regionale Spezialität Aligot.

Wegweiser

Etappe 4: Le Roche-de-Lajo – Aumont-Aubrac

  • Datum: Donnerstag, 07.09.2017
  • Entfernung: ca. 23 Kilometer
  • Besonderheiten: Unterwegs mit Anna, Bernardette, John und Kim, Saint-Alban-sur- Limagnole, Herberge „Ferme du Barry“ in Aumont-Aubrac

Am nächsten Tag lief ich mit Anna und Bernardette nach Aumont-Aubrac. Anna und ich reservierten einen Platz in der „Ferme du Barry“ in Aumont-Aubrac, die mir ein Pilger aus dem Elsass in Le Puy-en-Velay empfahl. Er schwärmte vom berühmten Aligot des Wirts. Bernardette musste an dem Tag weiter laufen als wir, weil sich ihre Unterkunft ca. 5 Kilometer nach Aumont-Aubrac befand.

Der Aufbruch (Fotorechte: schrittWeise)

Die erste größere Stadt auf dem Weg war Saint-Alban-sur- Limagnole. Der Streckenverlauf des GR 65, wie Via Podiensis auch hieß, lief um den Ort herum. Pilger, die in Saint-Alban einkaufen oder schlafen möchten, müssen den ausgeschilderten Weg verlassen und in die Ortsmitte laufen, die sich im Tal unterhalb des Weges befindet.

Saint-Alban-sur-Limagnole

Wir versorgten uns im Ort mit Nahrungsmitteln und Wasser und ich nutzte die Gelegenheit, telefonisch meine Rückreise zu organisieren, wie es mir Georges vom Pilgercafé „Le Camino“ in Le Puy-en-Velay empfohlen hat. Ich fand es ein wenig schade, dass ich schon nach wenigen Tagen an meine Heimreise denken muss, so war es aber in dem Fall am besten. Dies gehörte zu Nachteilen, wenn man eine Pilgerreise für weniger als zwei Wochen unternahm.

Saint-Alban-sur-Limagnole (Fotorechte: schrittWeise)

Leider spürte Anna wieder Schmerzen beim Gehen. Bernardette wirkte etwas ungeduldig, weil sie sehr weit laufen musste und wir in ihren Augen nicht schnell genug vorankamen.

Der sanfte Anstieg zur Ortschaft Chabanes-Planes verlief über bemerkenswerte Pfade, unter denen aufgrund der Erosion die Wurzeln der umliegenden Bäume frei lagen. Unterwegs trafen wir zwei Pilgerinnen aus Deutschland und der Schweiz, die eine Gruppenreise auf dem Jakobsweg vorbereiteten.

„Verwurzelt“ (Fotorechte: schrittWeise)

Nach ungefähr zwei Laufstunden kamen wir im Weiler Les Estrets an. Hier beschloss Bernardette, alleine weiter laufen zu wollen, damit sie sich beeilen kann, weil sie noch vor der Dunkelheit und pünktlich zum gemeinschaftlichen Abendessen in ihrer Unterkunft ankommen wollte.

Später trafen wir die Pilger John und Kim, ein Ehepaar aus Kanada und liefen mit ihnen einige Kilometer weiter. Unterwegs, kurz nach Bigose, begegneten wir den beiden polnischen Pilgerinnen, Kasia und Martha, die tags zuvor kurzfristig eine Unterkunft gesucht haben. Kasia schien am Fuß verletzt zu sein. Zum Glück gehört Verbandszeug zu jeder ordentlichen Pilgerausrüstung. John hatte schon seine Blasenpflaster parat und gab Kasia mehrere, damit sie ihre Wunden versorgen konnte.

Landschaft bei Bigose (Fotorechte: schrittWeise)

Anna schmerzte im weiteren Verlauf des Tages ihr Fußgelenk immer mehr. Ich fühlte mich an August des letzen Jahres erinnert, als ich im Burgund auf dem Jakobsweg den Pilger Markus getroffen habe, der sich ebenfalls am Fuß verletzte. Wir kamen damals mit Mühe und Not nach Beaune, von wo aus er am nächsten Tag mit mir einen Zug nach Deutschland nahm. Seine Pilgerschaft konnte er zum Glück später fortsetzen. Dieses Jahr lief er bis nach Santiago de Compostela an einem Stück.

Zurück zu meiner 4. Etappe auf der Via Podiensis. Wir liefen langsamer weiter, damit Anna ihren Fuß weniger belasten musste. Zwischendurch versorgte ich auch eine Blase am rechten Fuß. Es war ein Tag der Blessuren. Zum Glück blieb es bei mir bei dieser einen Blase. Nach ungefähr 6 Kilometern kamen wir in der Ortschaft Aumont-Aubrac an.

„Ferme du Barry“ in Aumont-Aubrac

In Aumont-Aubrac kreuzten sich in der Antike gallo-römische Handelswege. Durch die Stadt verlief auch die in einem früheren Pilgerbeitrag erwähnte Strasse des Agrippa, die Lyon mit Toulouse verband. Im Mittelalter entstand hier um ein Benediktinerpriorat aus dem 12. Jahrhundert eine Siedlung, die ursprünglich nur Aumont, „Am Berg“, hieß. Den Namenszusatz Aubrac erhielt der Ort am Anfang des 20. Jahrhunderts, als die Eisenbahnlinie Paris-Bézier angeschlossen wurde. Aubrac ist der Name der Region, in der sich der Ort befindet.[1]

Ferme du Barry (Fotorechte: schrittWeise)

Unsere Unterkunft, „Ferme du Barry“, befand sich in der gleichnamigen Strasse „Rue du Barry haut“. Empfangen wurden wir vom Betreiber Charles. Zur Herberge gehörte auch ein Restaurant. Man könnte sich an diesere Stelle fragen, ob „Ferme du Barry“ eine reine Pilgerherberge oder eine einfache Pension ist. In Frankreich handelt es sich bei derartigen Unterkünften meistens um Herbergen, Gîtes, in denen auch „Nicht-Pilger“ willkommen sind. Meistens sind aber die Pilger um diese Jahreszeit in der Überzahl.

Innenhof der Herberge (Fotorechte: schrittWeise)

Der geräumige Innenhof gefiel mir sehr gut. Hier ruhten sich müde Reisende, Pilger und Wanderer aus und trockneten ihre Wäsche in der Sonne. Wenn ich Zeit gehabt hätte, wäre ich dort liebend gerne länger geblieben. Wir sind jedoch spät am Nachmittag angekommen, so dass nach einem kurzen Spaziergang im Ort nicht mehr viel Zeit für Erholung im Garten geblieben ist.

Ruhezone (Fotorechte: schrittWeise)

Aligot am Abend

Zum Abendessen gab es in der „Ferme du Barry“ Aligot, eine regionale Spezialität, aus Käse und Kartoffelbrei zubereitet. Aligot wird aus einem besonderen Frischkäse, tomme, hergestellt, den die Senner des Aubrac für die Herstellung des Fourme-Käses verwendeten. Das Verfahren entwickelten die Mönche aus der Region im 12. Jahrhundert. Für den Frischkäse  brachten die Senner durch Lab die Milch zum Gerinnen, gossen die Molke ab und pressten den Bruch durch ein Tuch mehrfach aus. Später reifte der Frischkäse 2 Monate im Keller der Sennhütte bei 10°C zu jenem Käse, der wegen der verwendeten Form nur fourme hieß.[2]

Charles zelebrierte die Essensausgabe auf eine besondere Weise, für die er berühmt ist. Andere Pilger berichteten mir bereits davon. Er zog mit einem hölzernen Kochlöffel dicke Fäden aus dem Topf und machte mit einem Löffel kleine Portionen, die er seinen Gästen servierte. Im Grunde ist es eine kleine Show, die er wohl fast jeden Abend aufführt.

Anna beschloss am Abend, die nächste Etappe zu verkürzen, damit sie ihre Verletzung auskurieren konnte. Ich hoffte für sie, dass es ihr bald besser gehen würde. Den Abend ließen wir im Kreise anderer Pilger gesellig und fröhlich ausklingen.

Bedeutende Orte auf dem Weg

  • Le Rouget (4 km)
  • Saint-Alban-sur-Limagnole (4 km)
  • Chabanes-Planes (5 km)
  • Les Estrets (2,5 km)
  • Bigose (2 km)
  • Aumont-Aubrac (6 km)

Quellenangaben

 Titelfoto: schrittWeise
 [1] Wipper, Heinrich: "Wandern auf dem französischen Jakobsweg. Via Podiensis", Hamburg 2008, S. 36 f.
 [2] Wipper, S. 12

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