Streifzüge durch Nürnberg

In den letzten Wochen habe ich bei meinen Spaziergängen durch Nürnberg einige einfache Fotos aufgenommen. Die Fotos sind an mehreren sonnigen Tagen im September und Oktober entstanden. Auf diese Weise kann ich euch auch einige sehenswerte Ecken von Nürnberg zeigen.

Wöhrder Wiese

Die Wöhrder Wiese ist eine beliebte Parkanlage in der Nähe des Stadtzentrums von Nürnberg. Sie befindet sich neben dem Wöhrder See und am Ufer des Flusses Pegnitz, der durch Nürnberg fließt. In diesem Bereich leben auch Biber, was auch an den abgenagten Bäumen erkennbar ist. Wer etwas Geduld mitbringt, kann oft auch die emsigen Zeitgenossen im Wasser erblicken.

Auf der Wöhrder Wiese (Fotorechte: schrittWeise)

Insel Schütt

Unweit von der Wöhrder Wiese befindet sich die Insel Schütt. Auf der Flussinsel in der Pegnitz finden oft verschiedene Veranstaltungen statt. Hier wurde auch 1332 das Heilig Geist Spital errichtet. Am Tag meines Spaziergangs fand ich dort das Licht besonderes schön.

Insel Schütt (Fotorechte: schrittWeise)

Die Pegnitz lädt mit ihrer ruhigen Strömung und kühlenden Wirkung zum Ausruhen ein. Wie die Jugendlichen auf dem Foto, können Ruhesuchende entlang des Flusses mehrfach Stellen entdecken, an denen sie entspannt verweilen können, sei es in einem Café oder an flachen Uferstellen.

Am Pegnitzufer sitzend (Fotorechte: schrittWeise)

Weinstadel und der Turm des Henkers

Zu einem der berühmtesten Gebäudeensembles von Nürnberg gehört mit Sicherheit der Weinstadel mit dem Turm des Henkers und dem angeschlossenen Henkersteg. Der Weinstadel wurde 1446 bis 1448 erbaut. Im Mittelalter wohnten hier Handwerker, arme Familien und Kranke. Seit 1950 wohnen im zum Studentenwohnheim umfunktionierten Gebäude Nürnberger Studenten.[1]

Weinstadel (links) mit dem Turm des Henkers (Fotorechte: schrittWeise)

Im Henkerhaus wohnten im Mittelalter der städtische Henker und sein Assistent. Nach dem großen Hochwasser von 1595 wurde ein neuer Holzsteg gebaut, nachdem der alte in den Fluten versank. Der Henkersteg verbindet die kleine Pegnitzinsel mit der anderen Uferseite. In der Mitte rundet eine große Trauerweide das schöne Gesamtbild ab.

Henkersteg (Fotorechte: schrittWeise)

Maxbrücke und der Kettensteg

Auf der Maxbrücke kann der gegenüberliegende Kettensteg besonders gut beobachtet werden. Die Maxbrücke ist wohl die älteste Steinbrücke von Nürnberg. Hinter dem Kettensteg befindet sich der Schlayerturm mit der Fronfeste.

Kettensteg und Schlayerturm mit der Fronfeste.(Fotorechte: schrittWeise)

Keine 10 Meter von der Maxbrücke entfernt, am Unschlittplatz 8, befindet sich die Gedenktafel, die an die unglückliche Geschichte von Kaspar Hauser erinnert. Am Unschlittplatz wurde am 26.05.1828 der damals etwa 15-Jährige Kaspar Hauser zum ersten Mal von zwei Nürnbergern gesehen und angesprochen. Um seine Herkunft ranken sich viele Mythen, so soll er beispielsweise damals nicht mehr als 50 Worte gekannt haben.

Kasper Hauser Tafel
Kaspar-Hauser-Gedenktafel am Unschlittplatz (Fotorechte: schrittWeise)

Die Brückenbögen des Schlayerturms und der Hallertorbrücke fotografierte ich vom Kettensteg aus. Der im Jahr 1824 gebaute Steg gilt als die erste eiserne Hängebrücke auf dem europäischen Festland.[2]

Bögen muss man mögen (Fotorechte: schrittWeise)

Zu diesen Eindrücken und Gedanken in fortgeschrittenen Herbstwochen passt hervorragend folgendes Gedicht von Theodor Fontane:

Spätherbst

Schon mischt sich Roth in der Blätter Grün,
Reseden und Astern sind im Verblühn,
Die Trauben geschnitten, der Hafer gemäht,
Der Herbst ist da, das Jahr wird spät.

Und doch (ob Herbst auch) die Sonne glüht, –
Weg drum mit der Schwermuth aus Deinem Gemüth!
Banne die Sorge, genieße was frommt,
Eh Stille, Schnee und Winter kommt.

Theodor Fontane, in „Gedichte“[3]

Hallerwiese

Meine Streifzüge brachten mich über die Pegnitz und durch die Unterführung beim Kettensteg auf die Hallerwiese. Vor dem „Café Schnepperschütz“ sitzen im Frühling und Sommer die Cafébesucher im Gras und trinken Kaffee oder Bier.

Hallerwiese (Fotorechte: schrittWeise)

Eine besondere Sehenswürdigkeit des Parks ist die Skulptur des Armbrustschützen mit einem kleinen Brunnen. Sie soll an Schießübungen erinnern, die hier stattgefunden haben.

Armbrustschützenbrunnen (Fotorechte: schrittWeise)

Pegnitz von der Kleinweidenmühle gesehen

Die Holzbrücke zwischen den ehemaligen Großweidenmühle und Kleinweidenmühle hat schon Albrecht Dürer gemalt. Ich finde die Stimmung in dieser Gegend besonderes reizvoll. Rechts auf dem Foto ist die Hallerwiese erkennbar.

In der Kleinweidenmühle (Fotorechte: schrittWeise)

Der Burgblick…

Zu jedem ausgedehnten Spaziergang durch Nürnberg gehört der obligatorische Besuch der Kaiserburg. Sie wurde als „Doppelburg“ im 11. Jahrhundert auf dem Felsenberg „Nuorenberc“ gebaut und besteht aus der Kaiserburg und der Burggrafenburg. Zum Burgkomplex gehört eine kleine aber feine Gartenanlage. Hier lassen sich, oberhalb der Dächer Nürnbergs, viele schöne Fotos machen.[4]

Abendsonne auf der Burg (Fotorechte: schrittWeise)

Die Nürnberger Burg wurde im Zweiten Weltkrieg stark beschädigt und musste, wie der Großteil der Stadt, wiederaufgebaut werden. Ich finde sie jedoch nach wie vor sehr sehenswert.

Burgmauern, die vermutlich viel zu erzählen hätten… (Fotorechte: schrittWeise)

„Autumn Leaves“

Die Eindrücke meiner herbstlichen Streifzüge durch Nürnberg möchte ich mit dem Jazzklassiker „Autumn Leaves“ beenden, in der Version von Eva Cassidy (1963 – 1996). Ursprünglich wurde das Lied 1945 von Joseph Kosma nach einem Gedicht von Jacques Prévert komponiert. Johnny Mercer übertrug das Werk 1947 ins Englische. „Autumn Leaves“ finde ich sehr hörenswert, trotz oder sogar wegen der melancholischen Grundstimmung.

Quellenangaben:

Titelbild: Lichtblätter, schrittWeise
[1] http://www.nuernberginfos.de/bauwerke-nuernberg/weinstadel-nuernberg.html (zuletzt abgerufen am 02.11.2017)
[2] https://www.nuernberg.de/presse/mitteilungen/presse_26414.html (zuletzt abgerufen am 02.11.2017)
[3] Fontane, Theodor: Gedichte, Stuttgart und Berlin 1905, S. 31
[4] https://www.nuernberg.de/internet/stadtportal/kaiserburg.html (zuletzt abgerufen am 02.11.2017)

24 Kommentare zu „Streifzüge durch Nürnberg

Gib deinen ab

  1. Hi, das Video ist anscheinend gesperrt worden. Es kann nicht mehr abgespielt werden. Ich habe das Lied heute wieder auf Gitarre gespielt und mir dann die ursprüngliche französische Version angehört. Ehrlicherweise finde ich den Text im französischen von den beschriebenen Gefühlen und der Stimmung wesentlich intensiver und ausdrucksstärker. Die Übersetzung ins englische hingegen ist sehr frei, trifft auch die Intention ist aber weit weg vom Original. Magst du dich nicht mal an eine Übersetzung ins Deutsche heranwagen?

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      1. Ja, ok. Da geht aber noch was, meiner Meinung nach. Diese Version ist viel zu kühl. Da kommt keine Erinnernung an den Sommer hoch finde ich. Anbei mal eine französische Version. Da finde ich schon das Intro sehr poetisch.

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  2. Ach Du so rasch zur Tat schreitende weise Seele

    Das Du meine Bitte flugs erfüllt
    Ist wie eines der Geschenke der Heiligen Drei Könige
    KASPAR reichte der Verkörperung bedingungslosen Liebens Joshua GOLD

    Und wie in goldenen Lettern prangt jetzt Kaspars Name hier in meiner Erstgeburtsstadt
    Seiner zweiten..
    Auch der Ort ist Omen „Unschlittplatz dort setzten Sie den 16jährigen mit der Unreife eines dreijährigen
    Kindes aus
    Unschlitt ist das zerlassene Fett von Schlachttieren und Kadavern dereinst Öl und Kerzenwachs
    Daraus bereitend

    Und wie Kaspar Hauser eine Leuchte ein Licht als „Kind Europas“ hätte sein sollen
    Siehe den heutigen Zustand „Europas“ bliesen Sie Ihm Sein flackerndes Lebenslicht
    Nach dem mißglückten ersten Attentat in Nürnberg
    In Ansbach durch einen Damaszenerdolch mit der Gravur Schädel und Knochen mit einem
    Stich in das Herz aus
    Der okkulte Mord an Ihm mit 21 Jahren davon die 12jährige Kerkerhaft und ich hatte nie
    In den Schulen Nürnbergs sei es in Geschichte oder „Heimatkunde“ von Ihm vernommen..
    Erst in München durch einen Freund der durch Rudolf Steiners Werk davon erfuhr

    Peter Sehr der Regiseur des letzten Kaspar Hauser Filmes anläßlich einer Matinee
    In München auf meine Frage was Ihn den bewogen habe sich Seines Wesens anzunehmen
    Erst grüblerisch denkend dann herzgestimmt: „Ich hatte schon immer das Gefühl das mit dem
    Schicksal Kaspar Hausers die Deutsche Frage zusammenhängt.“

    Peter Sehr verstarb letztes Jahr

    dankend
    Dir Joaquim von Nürberg und zu Steinebach

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  3. Liebende Seele weiser Schritte

    nachdem ich in Nürnberg geboren bin und dort aufwuchs und
    an dem schweren Schicksal dieser Stadt litt
    finde ich Deine Fotoreise durchaus wohltuend heilsam

    Nur wenn Du wieder sonniges Wetter findest
    Bitte ich Dich die Gedenktafel Kaspar Hauser`s am Unschlittplatz
    In Dein fotografisches Kaleidoskop mit aufzunehmen

    Dieser Sohn weitgehendst verkannt Seiner zweiten Geburt Stadt lange Stiefkind
    Binder der damalige Bürgermeister empfand Ihn als
    „Kind Europas“ verdient eine erwähnenswerte Würdigung

    Möge Sein bis heute tragisches Schicksal die Trägheit der Herzen erweichen
    Der Bayerische Rundfunk brachte unlängst eine Sendung weiterer Verunglimpfung…

    dankend
    Dir Joaquim von Herzen

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    1. Hallo lieber Joaquim,

      es freut mich, dass du an meinen Fotos gefallen findest. Ich werde daran denken, wenn ich das nächste Mal mit meinem Fotoapparat an der Gedenktafel vorbeilaufe. Sie ist fast direkt neben der Maxbrücke angebracht, von der auch im Beitrag die Rede ist. Liebste Grüße aus dem verregneten Franken 🙂

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  4. Danke für die schönen Bilder. Du hast die Stimmung des goldenen Herbstes gut eingefangen. Diesen Herbst gab und gibt es immer noch so schönen Stimmungen. Die Ausbeute von meinen Fotostreifzügen ist so viel, da werde ich wahrscheinlich bis Weihnachten brauchen um einen Teil in meinem Blog zu „verewigen“. Habe bereits bis Mitte Dezember vorprogrammiert. (auch den Song Autumn Leafes am 22.11.2017). Danke dir für das schöne Gedicht… Grüße aus dem Gebirge.

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    1. Danke, das freut mich zu hören 🙂 Ja, in den letzten Wochen gab es einige wunderschöne Tage. Für welche Version von „Autumn Leaves“ hast du dich entschieden? Liebe Grüße und einen entspannten Samstag, schrittWeise ☺️

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  5. Nürnberg ist eine super schöne Stadt
    Ich war nur einmal ein paar Tage da auf Dienstreise und war sehr angetan … auch grad die Innenstadt … abends, mit der erleuchteten Burg, dem Fluss mittendurch …
    Irgendwann wollte ich noch mal hin und auch die Umgebung ein wenig erwandern …
    Aber man weiß ja nie, was man zuerst machen soll 😏

    Lieben Gruß in den Sonntag 💜

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