Kurzhörspiel „Das Artefakt“ [1/4]

In meiner Freizeit höre ich oft zur Entspannung Hörspiele. Dabei unterscheide ich zwischen Hörbüchern und Hörspielen. Während Horbücher meistens nur einen oder zwei Sprecher haben, werden Hörspiele in der Regel von mehreren Personen mit einer musikalischen Untermalung inszeniert.

Im ersten Teil meines Drehbuchs für das Kurzhörspiel „Das Artefakt“ kommen vier Stimmen zum Einsatz. Die genannten Musiktitel sind nur als Vorschläge zu verstehen. Sie können beim (Vor)lesen dezent im Hintergrund gespielt werden oder als Anregung danach.

Kurzhörspiel „Das Artefakt“

1. Teil: Die Reparaturwerkstatt von Art Masterson

Stimmen

Jack Holland: Anwalt, ein Freund von Robert und Art
Robert Jenkins:
Kunstrestaurator
Art Masterson:
Besitzer einer Werkstatt, der manchmal auch kleinere Überwachungsaufträge für Jack übernimmt
Joan Timor:
Radiomoderatorin, Wetteransagerin


(Boston, USA. Ein verregneter Abend. Die Reifen des alten Buics quietschen in der Kurve. Im Radio läuft Musik während der Fahrt. Erste Strophe. Musikvorschlag: Youtube: „Johnny Cash – If You could read my mind“ 6:30 Minuten)
Robert Jenkins: „Robert, du wirst uns noch in den Straßengraben fahren.“ (Musik ist weiterhin leise im Hintergrund zu hören.)
Jack Holland: „Keine Sorge, ich fahre vorsichtig. Nur noch wenige Minuten.“ (Robert versucht Jack zu beruhigen)
Robert Jenkins: „Ich befürchte, dass sie uns entdeckt haben. Ich habe gehofft, dass wir unentdeckt zu deinem Bekannten fahren können.“ (Robert spricht unruhig, gehetzt. Er hat spürbar Angst.)
Jack Holland: „Mach dir keine Sorgen, wir sind gleich da.“
(Nach wenigen Sekunden kommt der Wagen zum Stehen. Die Musik hört auf. Jack und Robert steigen aus und schließen geräuschvoll die Türen hinter sich zu.)
Robert Jenkins: „Hier soll dein Bekannter arbeiten? Du hast mir gesagt, er sei ein Privatdetektiv.“ (ungläubig)
Jack Holland: „Hm, ich habe lediglich gesagt, er ist so etwas wie ein Privatdetektiv. Zumindest nimmt er hin und wieder solche Aufträge an.“
Robert Jenkins: „Die Gegend wirkt nicht unbedingt vertrauenerweckend. Überall ist Müll verstreut und drüben liegt ein Mann mit einer Flasche unter dem Arm.“
Jack Holland: „Die Gegend ist nicht die gepflegteste und auch nicht die sicherste, das stimmt, für den Mann verbürge ich mich aber.“
Robert Jenkins: „Gut, dann sehen wir mal nach.“ (Robert drückte den Klingelknopf. Zuerst zaghaft, dann kräftiger)
Eine Stimme hinter der verschlossenen Tür: „Wer ist da?“
Jack Holland: „Ich bin es, Art, Jack. Und bei mir ist Robert Jenkins, ein guter Freund. Er hat einen Job für dich.“
(Tür wird aufgeschlossen.)
Art Masterson „Ach, Jack Holland, der Anwalt. Kommt nur herein. Sehen wir Mal, worum es dieses Mal geht.“ (Der Türriegel wird zur Seite geschoben und die schwere Eisentür geht leise quietschend auf.)
Robert Jenkins „Jack, ich dachte du bringst mich zu einem Privatdetektiv.“
Jack Holland „Art ist ein Tausendsassa. Er führt diese Computer- und HiFi-Werkstatt. Zudem nimmt er von Zeit zu Zeit besondere Aufträge an.“ (Im Hintergrund spielt Musik im Radio. Musikvorschlag: Youtube-Video „Bob Dylan – A Hard Rain’s A-Gonna Fall“, 4:01 Minuten)
Art Masterson: „Ja, es ist aber nicht Besonderes. Meine Kunden beauftragen mich mit kleineren Fällen von Ehebetrug, Betriebsspionage und mit ähnlichen Geschichten.“
Jack Holland: „Art steckt voller Überraschungen“ (er lachte) „Er hat mich oft bei meinen Fällen unterstützt.“
Art Masterson: „Jack kommt meistens mit äußerst merkwürdigen Geschichten zu mir.“ (beide lachen)
Robert Jenkins: „Kein Problem. Solange er uns mit unserem Problem weiterhelfen kann.
Art Masterson: (schmunzelnd) Ich werde mein Bestes tun.“ (mit normaler Stimme weiter) „In der Zwischenzeit werde ich noch schnell deine Armbanduhr reparieren. Ich bin gleich wieder zurück.“ (Schritte. Eine Tür geht auf. Feinmechanische Geräusche sind zu hören. Zwischendurch auch leichtes Hämmern.)
Wetteransagerin Joan Timor: (spricht im Radio) „Wir unterbrechen unsere Musiksendung für den Wetterbericht. Die Nacht bleibt in Boston kühl und regnerisch. Wer keine wichtigen Dinge zu erledigen hat, sollte lieber zu Hause bleiben und weiterhin unsere Musiksendung hören. Auch der Donnerstag bleibt bewölkt und windig. Einzelne Regenschauer sind zu erwarten. Die Tageshöchsttemperatur wird 9°C nicht übersteigen. Jetzt überlasse ich euch wieder unserer Musiksendung. Bis zum nächsten Mal und bleiben Sie uns treu.“ (Musik spielt weiter)
Jack Holland: „Ich habe ihm vor zwei Wochen mein Tablet zur Reparatur gebracht. Ich bin gespannt, ob er heute noch mit der Reparatur fertig sein wird.“
Robert Jenkins: (skeptisch) „Hoffentlich wird er mit unserem Fall schneller fertig.“
Art Masterson: (spricht plötzlich in den letzten Satz von Robert) „Keine Sorge, das wird er. Hier ist das gute Stück. (Ein metallisches Geräusch ist zu hören. Er hat das Gerät auf den Tisch gelegt.) „Erzählt mir nun, worum es geht.“
Jack Holland: „Erklär‘ du ihm die Situation, Robert, du hast schließlich den Gegenstand mitgebracht.“
Art Masterson: (neugierig) „Welcher Gegenstand ist gemeint?“
Robert Jenkins: „Nun, ich arbeite für einen privaten Kunstrestaurator. Manchmal bekommen wir auch Objekte, die besonderer Pflege bedürfen. Dann müssen wir uns an Spezialisten wenden, die sich um diese Gegenstände kümmern. Vor einigen Tagen hat ein Mann dieses filigrane Artefakt zu uns gebracht.“
Art
Masterson: „Hm, lass mich das mal sehen.“ (Rascheln. Pause) Für mich sieht der Gegenstand nach einem sehr kleinen und präzise bearbeiteten Zahnrad aus.“
Robert Jenkins: „Das haben wir zunächst auch gedacht. Das Objekt ist mit einer Goldschicht überzogen und auf der Innenseite sind kleine Buchstaben- und Zahlenreihen eingraviert. Sie können nur mit einer Lupe gelesen werden. Wir haben den Gegenstand zusätzlich einer besonderen Laboruntersuchung unterzogen. (Pause) Dein „Zahnrad“ scheint eine eigene Energiequelle zu besitzen. Der Mann, der es uns mitgebracht hat, kam nie wieder zurück. Stattdessen wurde vor einigen Tagen bei uns in der Firma eingebrochen.“ (Robert schluckte.) 
Jack Holland: „Hier, nimm ein Taschentuch und wisch‘ dir den Schweiß von der Stirn ab.“
Robert Jenkins: „Danke. (Pause) Auch bei mir wurde eingebrochen. Zum Glück haben wir das Objekt an einem sicheren Ort verwahrt. Seitdem fühle ich mich jedoch verfolgt. Wir sind zur Polizei gegangen und haben die Einbrüche gemeldet.“
Jack Holland: „Ich habe Robert dazu gedrängt.“ (Jack sagte dies, als ob er es unbedingt ergänzen wollte.)
Art
Masterson: „Ich würde mich auch verfolgt fühlen, wenn jemand bei mir einen unbekannten Gegenstand suchen würde. Habt ihr weitere Untersuchungen vorgenommen? Sind andere Objekte ähnlicher Machart bekannt? Konntet ihr die Zahlencodes entziffern?“
Robert Jenkins: „Nein, dazu blieb leider keine Zeit. Ich habe das Artefakt versteckt. Hätten wir es der Polizei als Beweisstück überlassen, dann würden wir es wahrscheinlich eine lange Zeit nicht mehr sehen können. Meine Neugier war jedoch stärker als meine Angst.“
Jack Holland: „Und, Art, was sagst du dazu?“
Art Masterson: „Puh, ein schwerer Fall, würde ich sagen. Ich werde einige Experten aufsuchen müssen. Es wird viel Zeit in Anspruch nehmen.“ (Art kratzte sich am Kopf.)
Robert Jenkins: „An Geld soll es nicht mangeln. Bei uns wurde zwar eingebrochen, die Einbrecher nahmen jedoch nichts mit. Lass dir genug Zeit. Wir haben die nötigen finanziellen Mittel.“
Jack Holland: „Also, übernimmst du den Auftrag, Art?“
(Plötzlich klopft es an der Tür. Zunächst leicht, dann immer stärker.)

Musik wird lauter und übertönt langsam das Geschehen bis nur das Musikstück zu hören ist. Abspann mit gesprochenen Credits. Musikvorschlag: Youtube-Video „Miles Davis Quintet – ‚Round Midnight (1956)“ (6:04 Minuten)

Ende des 1. Teils.

Teil 2: „Alphabetum Kaldeorum“

2 Kommentare zu „Kurzhörspiel „Das Artefakt“ [1/4]

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