Pilgerwege in der Gascogne [Via Podiensis 18]

Vor fast genau einem Jahr beendete ich meine Pilgerschaft in Nogaro, einem Ort in der französischen Region Okzitanien, in der historischen Provinz Gascogne. Ich habe beschlossen, bei der diesjährigen Fortsetzung meiner Reise auf der Via Podiensis ganz auf einen Flug zu verzichten, trotz der großen Distanz. Die Rückfahrt ließ ich noch offen, weil ich nicht genau wusste, wie weit ich kommen würde. Mein Mindestziel war die spanische Stadt Santo Domingo de la Calcada. Um Zeit zu sparen, begann meine Reise am Nachmittag des 13.09.19. Ich fuhr mit dem Zug von Nürnberg über Frankfurt nach Paris, wo ich mit der Pariser U-Bahn von Paris Est zu Paris Austerlitz fahren sollte. Freitag der 13., dachte ich noch vor der Abfahrt schmunzelnd, was kann da schon schiefgehen?

Der Wegweiser

26. Nogaro – Arblade-le-Bas

  • Datum: Samstag, 14.09.2019
  • Entfernung: 16 Kilometer

Die Anreise gestaltete sich jedoch chaotischer als erwartet. In Paris streikten am Freitag, den 13.09. die Mitarbeiter der Metro, so dass ich ca. 2,5 Kilometer vom Bahnhof Paris Est bis zur automatischen Linie 14 laufen musste. Auf den Straßen herrschte ein heilloses Durcheinander. Da ich mehr als eine Stunde zum Umsteigen hatte, kam ich zum Glück rechtzeitig am Bahnhof Austerlitz an. Meine Pilgerschaft begann also bereits am Freitag.

Der Rest der Fahrt verlief zum Glück ohne Probleme, ich stieg in Toulouse um, im Ort Auch erwischte ich plangemäß den Bus zu meinem Startort Nogaro. In Auch hatte ich sogar noch Zeit, in einem Café zu frühstücken.

Rückkehr nach Nogaro

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Ich stieg in Nogaro aus dem Bus aus, der Busfahrer kündigte mir die Haltestelle freundlicherweise rechtzeitig an, weil wir uns zuvor darüber unterhalten hatten. Die Erinnerungen an das letzte Jahr kamen wieder auf. In einem Café machte ich meine letzten Vorbereitungen für die erste Etappe. Ich lief auch ein wenig durch das Dorf.

An dem Tag fand in Nogaro ein kleiner Markt statt. Ich sah mich ein wenig um. Besonders interessant fand ich die regionaltypische Wurst, die wie eine Baskenmütze geformt war.

Die romanische Kirche Saint-Nicolas befindet sich auf dem Jakobsweg, fast am Stadtausgang. Ich ging wieder kurz hinein, blieb aber nicht lange, weil ich endlich loslaufen wollte. Außerdem kannte ich die Kirche vom letzten Jahr.

Ein erholsamer Zwischenstopp

Die Strecke bis zu meinem Etappenziel war mit ca. 16 Kilometern sehr kurz, für den ersten Tag hat es mir aber ausgereicht. Unterwegs machte ich Pause auf einer Farm, die zu einer Pilger- und Wanderherberge umgebaut wurde. Die Unterkunft hat sogar Platz für Esel und vermutlich auch für Pferde. Die Betreiber richteten einen überdachten Pausenbereich für müde Pilger und Wanderer ein. Dankbar nahm ich am Tisch Platz, ein französisches Ehepaar saß daneben. Kaffee, Wasser, Softgetränke und kleine Kuchen gab es gegen eine Spende. Kurz nach der Farm kam ich in ein Dorf mit einer schönen Kirche, die ich kurz besichtigte.

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Nach geschätzten 4 Stunden erreichte ich Arblade-le-Bas. Ich habe die Unterkunft vor meiner Anreise reserviert und musste mich nicht beeilen. Eine Katze beobachtete mich, als ich zur Tür ging, um zu klingeln.

Übernachtung in der Gite Belardine in Arblade-le-Bas

Die Unterkunft „Belardine“ befindet sich auf einer Nebenstrecke des Jakobswegs in Arblade-le-Bas, zwischen Nogaro und Barcelonne-du-Gers. Die Besitzerin aus Belgien machte selbst den Jakobsweg mehrfach und lief unterschiedliche Wege, wie den Camino Francés und den Camino del Norte.

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Das Haus „Belardine“ wurde teilweise in ökologischer Bauweise gebaut und die Toilette funktioniert mit Sägespänen statt mit Wasser. Am Abend saßen alle Gäste mit der Gastgeberin am Tisch. Wir unterhielten uns angenehm und obwohl wieder nur Französisch gesprochen wurde, konnte ich mich einigermaßen gut an einem Gedankenaustausch mit anderen beteiligen. Jeder erzählte etwas über sich und über die Gründe für die eigene Pilgerschaft.

27. Arblade-le-Bas – Miramont-Sensacq

  • Datum: Sonntag, 15.09.19
  • Entfernung: 25 km

Am zweiten Tag frühstückte ich in Ruhe mit anderen Pilgern und verabschiede mich von der Gastgeberin, um nach zunächst nach Barcelonne-du-Gers zu laufen. Unsere Gastgeberin erklärte uns zwei Varianten, wie wir in die nächste größere Ortschaft kommen können. Ich entschied mich für die schönere. An der Kreuzung mit einer Madonnenstatue nahm ich den rechten Weg.

Barcelonne-du-Gers

Der Morgen war nicht heiß und ich kam schnell voran. Die erste größere Ortschaft auf dem Weg war Barcelonne-du-Gers, die ich sehr sympathisch fand. Auch hier wird Course Landaise praktiziert, die besondere, regionaltypische Form des Stierkampfes, bei der die Stiere nicht getötet werden.

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Aire-sur-l’Adour

Barcelonne-du-Gers und sein wesentlich größerer Nachbarort Aire-sur-l’Adour sind fast zusammengewachsen, sodass ich bald zur Brücke über den Adour kam, bei der die Stadt beginnt. Während sich Barcelonne-du-Gers noch in der französischen Region Okzitanien befindet, beginnt in dieser Gegend die Region Nouvelle-Aquitaine.

In der Innenstadt von Aire-sur-l’Adour sah ich wieder einige bekannte Gesichter als ich zur Kathedrale Saint-Jean-Baptiste ging, die sehr sehenswert ist. Ein Pilgerehepaar zeigte mir gleich, wo ich den Stempel bekommen kann und bat die Damen, die dort arbeiteten, mir den Pilgerstempel zu geben. Sie luden mich in die Sakristei ein, wo ich den Stempel bekam. Die reich geschmückte Kathedrale Saint-Jean-Baptiste wurde 1998 als Bestandteil der Via Podiensis zum UNESCO-Weltkulturerbe erklärt.

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Nach einem kurzen Zwischenstopp im Café und einer Bäckerei, ging ich weiter. Nach der historischen Markthalle führte der Weg einen Berg hinauf bis zur Kirche der Heiligen Quitterie, einer überregional beliebten Heiligen. Die Kirche wurde vermutlich auf einem römischen Quellenheiligtum errichtet.

Der Nachmittag war wieder spätsommerlich heiß, in Deutschland auch, wie ich gehört hatte und die Wege waren oft ein wenig eintönig gerade. Unterwegs gab es an beiden Tagen viel Brombeeren und Feigen, die ich gesammelt und gegessen hatte.

Unterwegs sah ich immer wieder kleine Motivationssprüche wie „Mut ist ansteckend“ oder vor einer Brücke „Lasse alles hinter dieser Brücke“. Sie sind typisch für den Jakobsweg und ich lese sie sehr gerne.

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Die städtische Pilgerherberge von Miramont-Sensacq

In Miramont-Sensacq wurden wir sehr freundlich von den beiden ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen der regionalen Jakobusgesellschaft empfangen, die in jener Woche hier Dienst hatten. Sie erzählten uns, dass in ihrer Gesellschaft nur diejenigen als sogenannte „Hospitaleros“ oder „Hospitaleras“, Freiwillige in den Pilgerherbergen, arbeiten dürfen, die bereits nach Santiago gepilgert sind.

Eine freundliche ältere Pilgerin aus Holland, Ann, und der Franzose Jean-Pierre, sind mir besonders in Erinnerung geblieben. Hier traf ich auch das norwegische Ehepaar zum ersten Mal, kam aber an dem Abend kaum mit ihnen ins Gespräch.

Nach dem reichlichen Abendessen halfen einige Pilger und ich noch in einer lockeren Atmosphäre beim Abwasch mit. Zufällig ergab sich, dass sich nur männliche Pilger in der Küche befanden, worauf einige Pilgerinnen lächelnd anmerkten, dass sich endlich auch Männer nützlich machen würden. Der Abend war insgesamt sehr fröhlich und gesellig.

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Quellen

Titelfoto: "Morgenstund'..." von Dario schrittWeise

4 Kommentare zu „Pilgerwege in der Gascogne [Via Podiensis 18]

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  1. Hallo Dario.
    Wieder ein Stück weiter gekommen.
    Wobei es sich dieses Mal recht angenehm anhört.
    Bei der letzten Überschrift im ersten Absatz fehlt irgendwie ein Stück Text oder Satz.
    LG, Nati

    Gefällt 1 Person

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