Nogaros Stierkämpfer und Rennfahrer [Via Podiensis 17]

Meine letzten Pilgeretappen im Jahr 2018 verliefen durch Armagnac, früher eine französische Provinz in der Gascogne und heute ein Weinbrand-Anbaugebiet von insgesamt ca. 15.000 ha. Das Gebiet liegt im Gebiet der heutigen Gascogne und besteht aus drei Bereichen: das „Armagnac blanc“ bzw. „Haut-Armagnac“ befindet sich im Bereich der Orte Auch und Lectoure. Den Namen „Armagnac blanc“ bekam die Region wegen der weißen Kalkböden. Der mittlere Bereich bei den Städten Condom und Montréal-du-Gers heißt „Ténarèze“ und das Bas-Armagnac liegt im Westen und verdankt seinen Beinamen „Armagnac noir“ den dunklen Eichenwäldern. Die Grenzen der drei Anbaugebiete wurden 1949 bestimmt.

In der Region wird noch heute, wie in der gesamten Gascogne, eine spezielle Variante des Stierkampfs mit dem Namen „Course Landaise“ durchgeführt. Auch in den Orten Eauze, Manciet und Nogaro, die auf meinem Pilgerweg lagen, gibt es Stierkampfarenen. Obwohl die Veranstalter versichern, dass diese Art des Stierkampfes unblutig sei, weil die Toreros nur artistisch den Attacken der Stiere ausweichen, finde ich es nicht tiergerecht. Ich bin der Meinung, dass jede Form des Stierkampfes und ähnliche Praktiken der Vergangenheit angehören sollten. Die Arenen könnten für andere, angemessenere und wenig blutige Veranstaltungen eingesetzt werden.

Der Wegweiser

25. Peyret – Nogaro

  • Datum: Sonntag, 09.09.18
  • Entfernung: 14 Kilometer

Den letzten Tag habe ich es ruhiger angehen lassen. Die Entfernung habe ich bewusst kurz einkalkuliert, damit ich Zeit zum Besichtigen von Nogaro habe, bevor ich mit meiner Mitfahrgelegenheit nach Toulouse fahre.

Nach dem klassischen französischen Frühstück verabschiedete ich mich von den ehemaligen Kommilitonen und den sehr netten Gastgebern. Meine vier Mitpilger und ich vermuteten, dass wir uns, wie bisher, unterwegs wiedersehen werden, doch wir trafen uns an dem Tag nicht mehr.

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Manciet und Église de l’Hôpital Sainte-Christie

Leider war der Vormittag ein wenig bewölkt und verregnet, doch zum Glück fielen nur wenige Tropfen.

Die erste größere Station auf dem Weg war Manciet, eine Kleinstadt, in der ebenfalls Course Landaise, unblutige Stierkämpfe, stattfinden. Hier machte ich in einem Café eine Pause, weil ich wusste, dass nach weiteren zehn Kilometern keine weitere Ortschaft kommen wird.

Eines der wenigen Höhepunkte des Tages war die kleine Kirche des Malteser Ritterordens „Église de l’Hôpital Sainte-Christie“ mit dem zur Besinnung einladenden Inneren.

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Nogaro

Am frühen Nachmittag erreichte ich den Ort Nogaro, der im Jahr 1055 an der Kreuzung wichtiger Handelsstraßen gebaut wurde. Den Namen bekam die kleine Stadt nach Nussbäumen, die dort angepflanzt wurden (lat. nogarium). Eine der wichtigsten Einnahmequellen im Mittelalter war der Wegzoll, den die Händler zahlen mussten. Nur die Pilger waren davon befreit.

Mit dem Erreichen der Kleinstadt Nogaro kam ich der spanischen Grenze ein großes Stück näher. Mit meinem nächsten Pilgerabschnitt werde ich nach ungefähr 8 oder 9 Tagesetappen über die Pyrenäen laufen.

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Ich sah mich im Städtchen um, dabei sind mir drei Sehenswürdigkeiten besonderes in Erinnerung geblieben: die Stiftskirche Saint-Nicolas, die Stierkampfarena und die Rennstrecke Circuit Paul Armagnac, die nach dem in Nogaro geborenen Rennfahrer benannt wurde. Paul Armagnac verunglückte 1962 bei einer Testfahrt für ein Autorennen.

Die Grundsteinlegung der ursprünglich romanischen Stiftskirche Saint-Nicolas erfolgte ebenfalls 1055. Während der Hugenottenkriege im 16. Jahrhundert wüteten die protestantischen Soldaten in Nogaro und beschädigten auch die Kirche stark.

Wie vereinbart zog ich mich in der städtischen Pilgerherberge um und ging zum Treffpunkt mit meiner Mitfahrern. Die Autofahrt nach Toulouse war mit meinen drei französischen Mitfahrern sehr kurzweilig und in der U-Bahn-Station spendierte mir ein Mitfahrer sogar das Ticket.

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Toulouse und Rückflug

In Toulouse übernachtete ich in einer Unterkunft, in der auch internationale Studenten mehrere Monate wohnten. Am Abend hatte ich noch Zeit für eine kurze Stadtbesichtigung.

Der Rückflug gestaltete sich ein wenig chaotisch, weil ich in Lyon umsteigen musste und der Flughafen wegen eines Polizeieinsatzes gesperrt war: ein Mann fuhr mit seinem Auto auf die Landebahn und wurde filmreif von der Polizei verfolgt. Eine freundliche Stewardess half mir mit der Umbuchung und verschaffte mir einen Platz in der ersten Klasse über Amsterdam. Ich hatte noch Glück, weil ich der Vorletzte in der Reihe war, dem sie direkt helfen konnte. Die anderen Passagiere mussten sich in eine lange Warteschlange anstellen. Ich schenkte ihr zum Dank eine hochwertige Pralinenschachtel aus dem Flughafenladen. Der Rest der Rückreise verlief ohne Probleme.

Fazit

Dieser Abschnitt des Jakobswegs führte mich wieder durch einige kulturell und geschichtlich bedeutsame Städte wie Conques, Moissac, Cahors und Lauzerte sowie landschaftlich reizvolle Regionen. Nicht immer verläuft der Weg durch idyllische Gebiete, weil der menschliche Eingriff in die Natur häufig sichtbar ist, aber ich finde, dass es schwierig ist einen so langen Fernwanderweg nur durch intakte Wälder zu verlegen. Die Begegnungen mit anderen Pilgern, Einheimischen und Gastgebern machte die Zeit wieder besonders. Insgesamt gefiel mir die Strecke zwischen Conques und Nogaro sehr und ich freue mich schon auf die Fortsetzung.

Quellen
Titelfoto: „Beim Marionettenspieler“
Engel, Helmut: „Frankreich: Jakobsweg. Via Podiensis, von Le Puy-en-Velay nach Saint-Jean-Pied-de-Port“, Welver, S. 175 – 190

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