Cyanotypie – zeichnen mit Licht

In den letzten Wochen beschäftigte ich mich mit Fotogrammen, genauer gesagt mit Cyanotypien. Dabei ordnete ich einige Pflanzen und Gegenstände auf einem speziell beschichteten Papier an, welches ich in die Sonne gelegt hatte. Während die Stellen auf dem Papier, die von den Gegenständen bedeckt waren, weiß geblieben sind, nahmen die Stellen, die der direkten Sonneneinstrahlung ausgesetzt waren, eine blaue Färbung an.

Fotogramme und Cyanotypien gehören zu den Edeldruckverfahren, die noch aus der Anfangszeit der Fotografie stammen. Damals versuchten die Erfinder und Künstler mit verschiedenen technischen Mitteln ein möglichst reales Abbild der Wirklichkeit festzuhalten. Niépce und Daguerre kamen mit ihren Verfahren der späteren Fotografie sehr nahe. Außerdem gab es immer wieder andere Versuche, beispielsweise mit den erwähnten Fotogrammen. Damit sind alle Techniken gemeint, die eine Aufnahme ohne zusätzliche Geräte auf eine lichtempfindliche Unterlage ermöglichen. Dafür wird ein möglichst flacher Gegenstand zwischen der Lichtquelle und der Unterlage gelegt. Theoretisch zählen auch Röntgenbilder dazu. Fotogramme gehörten zu den ersten Techniken aus der Anfangszeit der Fotografie, die eine stabile Aufnahme erzeugten.

Cyanotypien

Eine spannende Variante von Fotogrammen ist die Cyanotypie, ein Edeldruckverfahren, welches 1842 vom Astronomen Sir John Henschel erfunden wurde. Die britische Naturwissenschaftlerin Anna Atkins verwendete ebenfalls diese Methode, allerdings in erster Linie, um damit Pflanzen aufzunehmen. Die Aufnahmetechnik wird auch Blau- oder Eisenblaudruck sowie Blaupause genannt. Die Cyanotypie wurde 2018 in die Liste der immateriellen Kulturgüter aufgenommen.

Normalerweise dient als Unterlage für Cyanotypien ein speziell beschichtetes Papier. Die Unterlage kann mit wenigen ungefährlichen Chemikalien auf Eisenbasis selbst zu Hause hergestellt werden. Eine Cyanotypie kann auch mit einem sogenannten Solar-Fotopapier erstellt werden. Ich habe mit diesem Papier gearbeitet, weil ich zunächst auf die Verwendung von Chemikalien verzichten wollte, um unkompliziert das Verfahren ausprobieren zu können. Das Solar-Fotopapier ist bereits mit den entsprechenden Chemikalien bestrichen und kann nach Kauf sofort verwendet werden. Sobald es mit Sonnenlicht in Verbindung kommt, reagiert die lichtempfindliche Beschichtung. Nach wenigen Minuten entstehen aus Umrissen Bilder mit einer, wie ich finde, faszinierenden Optik.

Quellen

https://www.freie-kunst-akademie-augsburg.de/lexikon/cyanotypie (zuletzt abgerufen am 02.05.2020)
https://wp.radiertechniken.de/edeldruckverfahren-iii/fotogramm/ (zuletzt abgerufen am 02.05.2020)
https://wp.radiertechniken.de/edeldruckverfahren-iii/cyanotypie/ (zuletzt abgerufen am 02.05.2020)

10 Kommentare zu „Cyanotypie – zeichnen mit Licht

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  1. Hallo Dario,

    deine „Lichtbilder“ sehen sehr poetisch blau aus. Zauberhaft und wisenschaftlich zugleich. Wieder etwas Neues gehört.

    Liebe Grüße, Sophie Mai

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  2. hallo dario, das ist eine interessante technik. davon habe ich noch nie gehört oder etwas gelesen. bekommt man das papier in einem fotoladen oder wo hast du es gekauft? und wie lange hast du denn die gegenstände in der sonne auf dem papier liegen lassen, bis sich dieser abdruck ergab? und ist der hintergrund immer blau? liebe grüße, poetin

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    1. Hallo Poetin, das Solar-Fotopapier kannst du in jedem Laden bekommen, der Künstlerbedarf verkauft. Auch in Fotoläden vermutlich. Dann gibt es noch Anbieter im Internet. Der Zeitraum hängt von dem gewünschten Effekt ab. Bei schönem Wetter reichen 2 – 3 Minuten aus. Sollen die Ränder und Konturen klarer sein und an bewölkten Tagen, dann länger. Die Farbe ist in der Regel blau (daher Cyanotypie), aber es gibt Tricks. Diese wollte ich in einem der kommenden Beiträge über die Cyanotypie erklären, muss sie aber erstmal selbst testen. Liebe Grüße, Dario 🙂

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