In Konstanz [ˈkɔnʃd̥ants] am Bodensee [Jakobsweg nach Konstanz VIII]

Der sonnige Maitag machte meine vom langen Abend müden Beine wieder munter. In der Ferne sah ich schon den Bodensee und die schneebedeckten Alpen. Meine letzte Etappe nach Konstanz war gleichzeitig auch meine persönlichste. Ich kehrte symbolisch auf dem Jakobsweg in die Stadt zurück, in der ich fast 8 Jahre lebte. Für mich ein sehr bedeutender Augenblick. Nach 21 Etappen erreichte ich die Konzilsstadt am Bodensee.

Wegweiser

17. Meßkirch – Furtmühle

  • Datum: Donnerstag, 05.05.2016
  • Entfernung: ca. 25 Kilometer
  • Besondere Ereignisse: Treffen mit Freunden in Meßkirch, Ankunft in der Furtmühle

Ich freute mich, dass mich auf meiner vorletzten Tagesetappe nach Konstanz ein befreundetes Ehepaar aus meiner Zeit in dieser Konzil- und Universitätsstadt begleitete. Für die Strecke habe ich mir den Freitag frei genommen, weil der Donnerstag ein Feiertag war. So konnte ich mehrere Tage laufen, mein Ziel war, nach Konstanz noch eine oder zwei Etappen in Richtung Schaffhausen und Basel zu pilgern.

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Die Etappe begann wieder in der bekannten Konditorei in Meßkirch, wobei der Konditor an dem Tag eine weniger gute Laune hatte. Wir wollten die sanitären Anlagen nutzen und durften erst hinein, als wir etwas zu trinken bestellten.

Gut gefallen hat mir in Meßkirch auch der Schlossplatz mit dem Grafenschloss, der Stadtpfarrkirche St. Martin und der Nepomukkapelle. Im Renaissanceschloss ist das Martin-Heidegger-Museum untergebracht. In der Fassade der Stadtpfarrkirche ist zudem eine Kanonenkugel als Mahnung vor den Krieg eingemauert. Die Kanonenkugel stammt aus der großen „Schlacht von Meßkirch“ im Jahr 1808, als Napoleon mit seinen Truppen gegen die Österreicher kämpfte.

Der Wald, der unseren Weg säumte, war sehr gerade und somit eher langweilig. Dafür habe ich die Begleitung durch Ina und Georg sehr genossen. Wir unterhielten uns und erreichten bald das Kloster Wald. Hier machten wir auch unsere erste Pause.

Eines der Highlights des Tages sollte die Wallfahrtskirche Maria Schray in Pfullendorf sein. Leider war die Kirche jedoch geschlossen. Zum Schluss war Georg auch sehr müde, weil er von einer längeren Schicht im Rahmen seines Medizinstudiums zu uns kam. Durch das Obere Tor, das früher zur Stadtbefestigung gehörte, betraten wir die Innenstadt.

In Pfullendorf verabschiedete ich mich plangemäß von Ina und Georg. Mit Ina machte ich aus, dass wir uns zwei Tage später wiedersehen werden und gemeinsam nach Diessenhofen laufen werden.

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Ich ging weiter zur Furtmühle, wo ich übernachten wollte. Die Übernachtungsmöglichkeit hat mir meine Gastgeberin aus Nusplingen empfohlen. Der letzte Abschnitt erwies sich als ziemlich beschwerlich. Der Weg war zwar weitestgehend gerade, aber bei mir war „die Luft raus“ und zudem müsste ich mehrere Kilometer über Asphalt entlang eines militärischen Übungsplatzes laufen.

Ich kam am Abend leicht entnervt im Weiler Furtmühle an. Langsam wurde es dunkel und ich konnte nicht sofort die Unterkunft finden. Ein Mann wies mich noch in die falsche Richtung und ich lief unnötig zu einer Brücke im Wald zurück. Erst seine Nachbarin konnte mir den korrekten Weg erklären.

Furtmühle ist eine soziale Einrichtung, in der Jugendliche und Familien eine Auszeit nehmen können, in der sie pädagogisch betreut werden. Die Leiterin ist ebenfalls Mitglied in der Beuroner Jakobspilger-Gemeinschaft. Eines der Gebäude wurde zu einem Schlafsaal für Pilger und andere Gäste umfunktioniert.

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Ich kam ziemlich spät in der Furtmühle an. Es war nach 20 Uhr und die Gastgeber rechneten fast nicht mehr mit mir. Ich erzählte noch der Betreuerin von meinen Irrungen und Wirrungen und sie sagte mir, dass dies für sie zum Pilgern dazugehöre. Auf eine Weise hatte sie recht, auch im Alltag treffen wir oft Entscheidungen, die uns in die falsche Richtung laufen lassen.

Um den Tag vollends abzurunden, gab es nur noch eiskaltes Wasser zum Duschen. Trotzdem genoss ich meinen Aufenthalt in dieser besonderen Unterkunft, in einem Raum, in dem ein altes Mühlrad an die frühere Verwendung des Gebäudes erinnerte. Wer möchte, kann hier auch im Stroh übernachten und für Bücherliebhaber gibt es auch genug Auswahl. Ich schlief in der Nacht sehr gut.

Die wichtigsten Orte:

  • Meßkirch
  • Pfullendorf
  • Furtmühle

18. Furtmühle – Konstanz

  • Datum: Freitag, 06.05.2016
  • Entfernung: ca. 24 Kilometer
  • Besondere Ereignisse: treffen mit Bruder Kaffanke in der Klause, Überlingen, Wallhausen und mit Elias unterwegs nach Konstanz

Jener Freitag im Frühling 2016 war sehr ereignisreich. Die Sonne schien und der Tag hatte etwas Leichtes, Sommerliches. Nach dem Aufwachen frühstückte ich und unterhielt mich mit einer Bewohnerin des Anwesens. Sie erzählte mir über die tier- und erlebnispädagogische Arbeit der Einrichtung.

Ich schaute mich noch ein wenig um. Furtmühle ist im Grunde ein Bauernhof, hier können Ruhesuchende gut entspannen. Die Übernachtung gehört eindeutig zu den Höhepunkten meines Jakobswegs durch Süddeutschland.

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In der Einsiedelei St. Benedikt auf dem Remsberg traf ich Bruder Kaffanke, den Einsiedlermönch vom Kloster Beuron und Gründer der dort ansässigen Jakobspilger-Gemeinschaft. Bei ihm war ein Lehrer, der mit ihm den Religionsunterricht plante, den er mit seinen Schülern in der Klause St. Benedikt abhalten wollte. Der Religionslehrer reiste mit seinem Motorrad an.

Ich unterhielt mich mit Bruder Kaffanke über das Pilgern, meine Motivation für die Reise und meine bisher geplante Route. Als ich ihm erzählte, dass ich über Basel nach Frankreich laufen wollte, erinnerte er sich, dass er den entsprechenden Pilgerführer doppelt hatte und schenkte mir kurzerhand eine Ausgabe. Dabei handelte es sich um den Pilgerführer des Jakobsweg-Teas Winnenden, mit dem ich bereits Kontakt per E-Mail hatte, als ich meine Pilgerschaft anfing. Welch‘ ein Zufall dachte ich. Ich erinnerte mich, dass ich ebenfalls ein Buch über das Pilgern von Anselm Grün im Gepäck hatte, kramte es umständlich aus meinem Rucksack hervor und schenkte es dem Pater als Dank. Glücklicherweise hatte er das Buch noch nicht gelesen. Ich schaute mich noch in der benachbarten Kapelle St. Wendelin um und bewunderte die Fresken. Die Kapelle ist sehr still und lädt die Besucher zur Besinnung ein.

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Ich verabschiedete mich von Bruder Kaffanke und seinem Besucher und verließ den kleinen Hügel mit der Klause. In einem kleinen Dorf zwischen der Klause und Überlingen traf ich eine thailändische Familie, die sich angeregt mit einer älteren Dorfbewohnerin unterhielt. Die Dame freute sich, dass sie mit jemand auf Englisch sprechen konnte und die vier Touristen kamen gerne in Kontakt mit Einheimischen. Ich unterhielt mich kurz mit ihnen, weil ich die Szene beinahe filmreif fand, und ging dann meines Weges.

In der Ferne sah ich bereits den Bodensee und die Schweizer Alpen. In mir stieg die Vorfreude auf. Nach wenigen Kilometern kam ich in Überlingen an.

Im Ort suchte ich die Buchhandlung, in der man einen Pilgerstempel bekommen konnte. Meine Informationen erwiesen sich als veraltet, weil die Buchhandlung seit zwei Jahren geschlossen war. Ich erkundigte mich in der benachbarten Metzgerei nach der Stempelmöglichkeit. Die freundliche Verkäuferin rief sogleich die Touristeninformation im Hafen an. Sie bestätigte mir, dass ich dort fündig werde. Als ich ein Getränk kaufen wollte, schenkte sie es mir großzügig. Sie sagte mir, ich soll gut an meinem Ziel ankommen und wünschte mir lächelnd einen guten Weg. Ich bedankte mich für die tolle Geste und verabschiedete mich von ihr.

Nachdem ich mir im Touristenbüro den Stempelabdruck abgeholt habe, ging ich zum Überlinger Schiffsanlegestelle, um mit einem Schiff der Personenschifffahrt nach Wallhausen, einem Stadtteil von Konstanz, überzusetzen. Vom Schiff aus sah ich den Brunnen „der Bodenseereiter“ des Bildhauers Peter Lenk, der im Bodenseekreis viele Kunstwerke schuf, unter anderem die „Imperia“ im Konstanzer Hafen. Auch drei Pilger erkannte ich in der Menschenmenge an den typischen Pilgerutensilien wie Wanderstab und Jakobsmuschel. Sie kamen jedoch nicht rechtzeitig, das Schiff legte ohne sie ab.

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Die Schifffahrt dauerte wie immer keine 20 Minuten. Ich saß auf dem Oberdeck und genoss die Aussicht. Die Seeüberfahrt brachte viele Erinnerungen hoch, weil ich während meiner Zeit in Konstanz auch eine Zeit lang in Wallhausen wohnte.

In Wallhausen traf ich meinen guten Freund Elias. Leider sehen wir uns nicht mehr so oft wie früher, als ich noch in Konstanz lebte. Aber wenn wir uns wiedersehen, fühlt es sich an, als ob wir uns tags zuvor zuletzt sahen. Das Leben verteilt Freunde oft in verschiedene Himmelsrichtungen.

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Nach einer kurzen Verschnaufpause gingen Elias und ich bei weiterhin bestem Frühlingswetter weiter ins Zentrum von Konstanz. Der Linzgauer Jakobsweg führt von Wallhausen nach Litzelstetten mit dem Blick auf die Blumeninsel Mainau. Von Litzelstetten war es dann nicht mehr weit bis zur Konstanzer Universität, in der ich an der geisteswissenschaftlichen Fakultät studiert habe. Hier kamen natürlich Erinnerungen an viele Geschichten hoch. Der Augenblick war auch sehr bewegend und die ganzen Mühen und Strapazen der bisherigen Reise schienen sich gelohnt zu haben.

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Der Weg führte Elias und mich weiterhin bergan und durch das sogenannte Musikerviertel zur kleinen Lorettokapelle. Auf dem Hinweg bot uns eine Anwohnerin Orientierungshilfe und begleitete uns bis zur Kapelle. Über mangelnde Gesellschaft konnte ich mich hier nun wahrlich nicht mehr beklagen. Das letzte Teilstück führte uns am Ufer entlang. Auf der Rheinbrücke begegneten wir einem anderen Pilger, der wie ich nach Basel und dann weiter nach Frankreich laufen wollte. Er startete jedoch bei Trier.

Ich mag die Aussprache der Bewohner von Baden-Württenberg, sie sprechen den Stadtnamen nicht einfach „Konstanz“, sondern „Konschdanz“ aus. Und wehe, man sprich es anders aus. Dann wird man gleich korrigiert. Die Verbesserung geschieht jedoch meistens auf eine scherzhafte Art und Weise. Ich muss dabei oft an den Slogan „Wir können alles. Außer Hochdeutsch“ denken. So lautete eine selbstironische Kampagne der Landesregierung von Baden-Württemberg.

Meine Pilgerschaft nach Konstanz endete traditionsgemäß am Konstanzer Münster „Unserer Lieben Frau“. Die ehemalige Bischofskirche wurde im Jahr 780 zum ersten Mal in einer Urkunde erwähnt und diente während des Konstanzer Konzils (1414 – 1418) als Sitzungssaal für die versammelte Kurie. Leider war das Münster bereits geschlossen, als wir am Abend dort eintrafen, ich konnte aber am nächsten Tag die frühgotische Mauritiusrotunde mit dem Heilig-Grab-Aufbau betrachten, die als ein berühmtes Pilger- und Wallfahrtsziel mit großer kunsthistorischen Bedeutung gilt.

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Ich freute mich, dass ich in „Konschdanz“ angekommen bin, es fühlte sich wie nach Hause zu kommen an. Den Tag ließen Elias und ich entspannt ausklingen. Am nächsten Morgen mussten wir wieder früh aufstehen, weil wir dann mit Ina meine erste Tagesetappe in Richtung Basel laufen wollten. Diese Geschichte werde ich aber ein anderes Mal erzählen.

Die wichtigsten Orte

  • Überlingen
  • Wallhausen
  • Konstanz
Titelfoto: "Am See angekommen", Fotorechte: Dario schrittWeise

16 Kommentare zu „In Konstanz [ˈkɔnʃd̥ants] am Bodensee [Jakobsweg nach Konstanz VIII]

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  1. Hallo Dario! Schön dich wieder zu lesen! Noch dazu mit so schönen und eindrucksvollen Bildern. Danke dafür, und ich bin mittlerweile auch überzeugt davon, dass mehrere Jakobswege doch deren Vorteil(e) haben. 😉 Es lässt sich einfach mehr erleben. Beste Wünsche zum Sonntag! LG Michael

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  2. Guten Morgen Dario.
    Wieder einmal gut beschrieben.
    Bist du eigentlich auch schon mal 3 Wochen am Stück gepilgert?
    (Eine kleine Anregung: Wie wäre es wenn du am Ende eines Beitrages eine Karte mit den einzelnen Etappen, vielleicht farblich unterschiedlich, zeigst? Dann kann man es sich besser vorstellen. Ich weiß zwar im Groben wo du entlang gehst aber am Bodensee die Überfahrt müsste ich jetzt nachschauen).
    LG, Nati

    Gefällt 1 Person

    1. Hallo Nati,

      vielen Dank. Da ich nur im Urlaub pilgern kann, bestand die längste zusammenhängende Strecke aus 17 Tagesetappen von Bad Säckingen über Basel nach Beaune im Burgund. Die Anreise kommt dann jeweils auch noch dazu, dann sind es gleich mal 20 oder mehr Tage. Mein Traum wäre aber, einmal mehr als 20 Tage zu laufen. Vielleicht klappt es nächstes Jahr, mehrere Feiertage miteinander zu verbinden. Danke für deinen Verbesserungstipp. Die Sache mit den Karten ist tatsächlich ein wenig kompliziert. Selber Karten erstellen finde ich schwierig, weil es nicht ausreicht, die einzelnen Städte miteinander zu verbinden. Vor allem die Wege durch Wälder sind schwierig abzubilden. Und die bestehenden Karten im Internet sind meistens nicht frei zu verwenden. Wo ich konnte habe ich Karten von Tafeln fotografiert, z.B. rund um Tübingen oder in Frankreich. Diese Karten habe ich auch in die jeweiligen Beiträge eingefügt. Leider fand ich aber nicht immer Kartenmaterial. Danke für den Hinweis, ich überlege mir etwas.

      Liebe Grüße, Dario

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