Pilgern im südlichen Elsass [Basel – Cluny 1]

Der Abschnitt im südlichen Elsass (Region Grand-Est), zwischen Basel und Cluny, gehört für mich zu den besonderen Strecken meiner mehrjährigen Pilgerschaft, die ich im September 2015 in Nürnberg begonnen hatte. Für mich war es die erste Wanderung, die ich über mehr als eine Woche allein zurückgelegt hatte. Vor dem Start hatte ich viele Bedenken, so dass ich für zwei Wochen im Voraus Unterkünfte gebucht hatte. Die ersten Etappen waren ungewohnt. Es war wie ein Aufbruch ins Ungewisse.

Wenn ich meinen Pilgerweg thematisch betrachte, dann besitzt der erste Teil, zwischen Nürnberg, Konstanz und Cluny, einen biografischen Hintergrund. In Konstanz studierte ich und in Taizé, einer christlichen Gemeinde bei Cluny, machte ich meinen Zivildienst. Der zweite Teil hat mehr einen spirituellen Charakter, nach Cluny ließ ich den biographisch motivierten Antrieb hinter mir.

Bevor ich die letzten Etappen in Spanien fortsetzen und darüber schreiben werde, möchte ich die Geschichte meiner Pilgerschaft zwischen Basel und Cluny erzählen, das vorletzte fehlende Puzzleteil. Den Abschnitt, den ich im Jahr 2016 zurücklegte, hat für mich bis heute einen besonderen Charme, weil es einerseits der erste längere Abschnitt außerhalb von Deutschland war und andererseits, weil der Weg damals sehr ruhig und entspannt war.

Wegweiser

1. Etappe: Basel – Durmenach

  • Datum: 16.08.2016
  • Entfernung: 29 Kilometer

Meine erste Etappe in Frankreich begann ich in Basel, am Münster. Meine Freundin begleitete mich die letzte Etappe am Rhein bis Basel. Da wir am Vorabend vor verschlossenen Türen des Münsters standen, mussten wir heute wiederkommen. Wir haben uns um eine Stunde verspätet. Leider öffnete das Münster an jenem Tag um 10 Uhr seine Tore und dementsprechend später musste ich starten. Ich frühstücke leicht im Literaturcafé, die Bedienung war freundlich.

Pünktlich um 10 Uhr stand ich vor dem Basler Münster, auf diese Idee kamen auch einige Touristengruppen. Den Stempel bekam ich am Empfang neben dem Haupteingang, ähnlich wie im Konstanzer Münster. Ich kann mit zwei Männern am Empfang ins Gespräch. Sie wollten wissen, wo ich meine Tour begonnen hatte und wie es weitergehen wird. Ich schaute mich um und entdeckte das Grab des Heiligen Erasmus von Rotterdam.

Das Dach mit den typischen bunten Dachziegeln

Die ersten Kilometer, die ich ohne Wegmarkierungen durch die Stadt zurücklegen musste, durchlief ist sehr konzentriert, um ja keine Zeit mit der Suche des Weges zu verlieren. Schon bald erreichte ich den Neuweilerplatz und somit das Naherholungsgebiet an der Grenze zu Frankreich. In einem kleinen Wäldchen traf ich einen Schweizer, der mir seine Hilfe beim Weg suchen anbot. Ich fand nicht, dass ich Hilfe benötigte, freute mich aber über Gesellschaft.

Er führte einen Hund mit sich, einen Schweizer Schäferhund, eine neue Rasse, wie er es mir erklärte, ganz in Weiß. Die Hunderasse sei „eigenwilliger“, da klüger als der gewöhnliche Schäferhund, was auch immer das sein mag, wie er es mir erzählte. Es stellte sich heraus, dass er in La Coruña in Spanien gelebt hatte, um an Vorlesungen in Santiago de Compostela teilnehmen zu können.

Nach wenigen Minuten erreichten wir eine Wegkreuzung. Mein Begleiter sprach bereits die vierte Person mit einem Hund an, ob dieser kastriert sei, sonst würde es zum Gebell kommen. Jedes Mal, wenn der Hund nicht kastriert war, hielt er seinen zurück. Dies tat er wohl mehrmals am Tag.

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Oltingue

Die ersten Kilometer in Frankreich ging ich besonders bewusst an. In Hagenthal-le-Bas kaufte ich einige Kleinigkeiten ein und setzte mich neben der Kirche in den Schatten.

Bald erreichte ich die Stadt Oltingue. Hier hatte ich im Rathaus ein besonderes Gespräch mit einem Mitarbeiter. Er bat mich, am Ziel an ihn zu denken, denn er hätte auch vor – wenn Gott will – in fünf Jahren am Stück nach Santiago zu pilgern. Dann wird er in Rente sein und kann mit seinem Bruder 3 Monate lang auf Pilgerschaft gehen. Er gab mir einen Stempelabdruck und freute sich, dass er mir den ersten Stempel in Frankreich geben konnte.

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Durmenach

Die nächsten 8 km nach Durmenach waren quasi außer der Reihe, weil ich keine geeignetere Unterkunft gefunden hatte. Mein Gastgeber Patrick war sehr nett, obwohl ich seine Wohnung mit einem Trennvorhang im einzigen Zimmer als sehr kreativ bezeichnen würde.

Sein Freund, der auch bei ihm zu Besuch war, schien sehr gläubig zu sein, Patrick wahrscheinlich auch. Den christlichen Film seines Kumpels, den er mir auf seinem Handy zeigen wollte, wollte ich trotzdem nicht zu Ende anschauen, weil ich müde war und mich für die morgige Etappe vorbereiten wollte. Der Hauptgedanke war trotzdem interessant: „Nicht wir suchen Gott indem wir die Kirche suchen, sondern die Kirche findet uns, sobald wir Gott gefunden haben.“ Patrick war sehr zuvorkommend, er half mir mit der Dusche, die klemmte und mit der Waschmaschine.

2. Etappe: Durmenach – Beurnevésin

  • Datum: 17.08.2016
  • Entfernung: ca. 28 Kilometer

Am Morgen frühstückte ich mit Patrick und verabschiedete mich von ihm. Sein Freund war zu dem Zeitpunkt schon gegangen.

Der Weg führte mich aus Durmenach zuerst nach Ferrette. Ferrette gehört zur Region Grand-Est, die bis 2015 Elsass hieß. Heute wird die Landschaft als Elsass bezeichnet, die ungefähr das gebiet der ehemaligen Verwaltungsregion umfasst. Die Stadtkirche St. Bernard gefiel mir sehr gut. Drinnen lohnt sich die zwei schönen Glasfenster von St. Jakobus und St. Johannes zu besichtigen. Ferrette („Pfirte“) gehörte auch schon mal Deutschland und den Habsburgern, daher lautete der Name einer Straße Rue de Habsburg. In der Confiserie gönnte ich mir einen Kaffee mit Kuchen.

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„Kilometer zero“ bei Pfetterhouse

Auch dieser Abschnitt stand im Zeichen der „Grenzerfahrungen“. Ein Abschnitt ging sogar entlang der ersten Frontlinie zwischen Frankreich und Deutschland, wie ein geschichtlicher Lehrpfad es erklärte („Kilometer Zero“).

Bei einem Bauernhaus verfolgte mich ein Hund, der sich von den Besitzern losgeeist hatte. Ich wich zurück, er kam aber immer hinterher. Der Besitzer konnte ihn aber wieder zurückpfeifen. Dann bin ich rasch weitergelaufen, der Hund bellte aus dem Hintergrund weiter.

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Beurnevésin (CH)

Der Jakobsweg ging an einer ehemaligen Eisenbahnstraße weiter, bog aber in die andere Richtung, nach Pfetterhouse. Ich fragte noch einen älteren Herrn nach dem kürzesten Weg. Ich glaube er kaute Holz aus dem Wald. Er zeigte mir den besten Weg.

In Pfetterhouse kaufte ich Essen und Trinken in einem Laden. Nach weniger als einer Stunde überquerte ich erneut die französisch-schweizerische Grenze und erreichte Beurnevésin. So endete meine zweite Etappe nach Cluny in dem Land, in dem die erste begann. Ich konnte draußen sitzen, doch es regnete bald und ich musste ins Haus gehen. Die Betreiber der Auberge waren sehr nett und ich konnte einige Worte mit ihnen wechseln.

Im Acht-Personen-Schlafsaal hatte ich Zeit, mein Reisetagebuch fortzusetzen. Ich konnte sogar den Vorabend nachholen, weil ich in Durmenach wenig Gelegenheit dafür hatte. Diese Aufzeichnungen leisten mir heute, 4 Jahre später, beim Schreiben dieser Zeilen hervorragende Dienste. Nur mit den Fotos bin ich nicht sehr zufrieden, aber damals wusste ich noch nicht, dass ich meine Erlebnisse veröffentlichen werde. Meinen Blog begann ich einige Monate später, im April 2017.

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Quellen

Titelfoto: "Der Abend in Beurnevésin", Fotorechte: Dario schrittWeise

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