Grenzerfahrungen in Franche-Comté [Basel – Cluny 2]

Die ersten Tagen meiner Pilgerschaft ab Basel standen wieder im Zeichen mehrerer Grenzüberschreitungen. Zunächst überquerte ich die Grenze zwischen Schweiz und Frankreich, dann zwischen Elsass und Franche-Comté. Ein wenig erinnerte mich das an meine Erfahrungen entlang des Rheins.

Keine drei Tage verbrachte ich im Elsass, schon am Vormittag der dritten Etappe erreichte ich die historische Region Franche-Comté, welche ich danach mehrere Tage durchstreifte. Der Weg führte mich von Basel nach Héricourt, wo er sich mit dem wesentlich bekannteren Jakobsweg ab Thann verbindet.

Wegweiser

3. Etappe: Beurnevésin – Nommay

  • Datum: 18.08.2016
  • Entfernung: 30 Kilometer

Der 18.08 war eines der Höhepunkte meiner Pilgerreise durch Franche-Comté, das wusste ich an dem Morgen noch nicht, als ich voller Mückenstiche aufwachte. Die kleinen Biester ließen mich auch in dem Acht-Personen-Schlafsaal nicht in Ruhe, weil sie laut umherschwirrten und mein Blut anzapften.

Im Frühstücksraum der Auberge setzte sich ein deutscher Motorradfahrer zu mir, den gestern der Regen am Abend überraschte und er sich spontan für eine Übernachtung in der Herberge entschied. Er erwies sich als ein interessanter Gesprächspartner. Der Motorradfahrer machte im Elsass eine mehrtägige Motorradtour.

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Dreiländergrenzsteine

Ich erkundigte mich bei der Besitzerin der Herberge nach dem Rastplatz „Des Trois Puissances“, weil ich festgestellt hatte, dass ich so am einfachsten zu den Markierungen des Jakobsweges zurückkommen würde. „Des Trois Puissances“ sind drei Grenzsteine. Dort verlief nach dem Friedensvertrag von 1871 die Grenze zwischen Deutschland, Schweiz und Frankreich.

Am Rastplatz traf ich eine nette Französin, die „Champignons“ – Pilze – sammelte. Sie war völlig überrascht, dass der Jakobsweg hier entlanglief.

Delle

Im Städtchen Delle kehrte ich offiziell zu meiner ursprünglichen Route zurück. Delle liegt im Departement „Territoire de Belfort“ der Region „Bourgogne-Franche-Comté“. Früher hieß die administrative Einheit nur „Franche-Comté“, aber nach der großen Restrukturierung wurden die beiden Regionen „Franche-Comté“ und „Burgund“ zusammengesetzt. Die nächsten Tage lief ich jedenfalls durch Franche-Comté.

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In Delle kam ich über den Fluss Allaine zum Place Raymond Formi, dem Hauptplatz des Städtchens. Die meisten Läden in Delle waren jedoch wegen Sommerferien geschlossen.

Irrungen und Wirrungen im Wald

An jenem Tag ging alles gut, bis zum Wald zwischen Delle und Feches-le-Châtel. Dort erwischte mich der Regen und ich bog an einer Stelle falsch ab. Statt umzukehren, lief ich sturköpfig weiter. Wegen Waldarbeiten fehlten einige Zeichen, so dass ich an einer Kreuzung die falsche Entscheidung getroffen hatte.

Auf einem Feld ruhten sich mehrere Kühe aus, die mich beobachteten. Ein wenig hatte ich das Gefühl, dass sie sich wunderten, wer so verrückt ist, bei solch einem Wetter durch den Wald zu laufen.

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So lief ich einige Minuten, die sich für mich wie eine Ewigkeit angefühlt hatten, bis zu einer Autobahn. Da traf ich einen netten älteren Herren, der mir sagte, dass ich hier falsch sei. Er versuchte mir zu erklären, wie ich zu einem anderen Ort kommen könnte, der allerdings nicht auf meinem Weg lag. Ich entschied mich, lieber umzukehren. „Hätte ich das bloß früher getan“, dachte ich mir im Nachhinein.

Mit ein wenig Mühe fand ich an der letzten richtigen Kreuzung den korrekten Weg und lief ohne Probleme weiter.

Ohne größere Pause lief ich weiter nach Feches-le-Châtel und erreichte über die Kanäle von Brognard mit interessanten Schleusen sowie über das Wassersportzentrum mein Tagesziel Nommay.

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Nommay

In Nommay erwartete mich bereits mein Gastgeber, Antoine, von der Jakobsweggesellschaft der Franche-Comté. Er kam mir mit dem Auto entgegen, weil sein Anrufbeantworter nicht funktionierte. Sein herzlicher Empfang entschädigte mich für die Mühe des Tages vollends.

Obwohl ich leider bis dahin keine anderen Pilgerbegeisterte getroffen hatte, ließ Antoine mich dies an jenem Tag vergessen. Er tat alles dafür, dass ich mich wohl fühlte: Antoine erzählte mir viele Pilgergeschichten und bereitete für uns ein sehr leckeres Abendessen zu. Wir unterhielten uns den ganzen Abend über das Pilgern, Gott und die Welt.

4. Etappe: Nommay – Chavanne

  • Datum: Freitag, 19.08.2016
  • Entfernung: 25.5 Kilometer

Am am nächsten Tag tischte Antoine wieder reichlich auf. Wir frühstücken gemeinsam und er brachte mir die verschiedenen Pilgerstempel und die zwei restlichen Pilgerkarten mit Motiven aus Marney, einem Ort, der auch auf dem Weg liegt. Antoine brachte mich mit seinem Auto zu meinem gestrigen Endpunkt hin und ich ging weiter, nachdem wir uns verabschiedet hatten.

Begegnung mit einer Kuhherde

Das Witzige auf dem späteren Abschnitt waren Kühe auf der Kuhweide. Sie versperrten eine kleine Brücke über den Bach, so dass ich beschlossen hatte, sie zu umgehen und über den kleinen Bach zu springen. Das muss bestimmt lustig ausgesehen haben, als ich in meiner vollen Pilgerausrüstung über den Bach gesprungen bin. Das nächste Problem stellte dann der Stacheldrahtzaun auf der anderen Seite dar. Ich warf den Rucksack über den Zaun und kroch unter einer angehobenen Stelle im Zaun. Die Kühe schauten mir dabei die ganze Zeit interessiert zu. Das war auch eine Art Grenzerfahrung.

Héricourt und Couthenans

An jenem Tag war ich gut drauf und das Wetter spielte einigermaßen mit. Nach ca. 12 Kilometern erreichte ich Héricourt.

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Den Ort Héricourt stellte ich mir deutlich größer vor. Für einen Knotenpunkt zweier Jakobswege hatte ich zudem mehr Bezug zum Heiligen Jakobus erwartet. Im Ort verbinden sich der Jakobsweg aus Basel und der Weg aus Thann im Elsass zu einem Weg, der über Gy nach Cluny führt.

Die katholische Kirche Saint-Christophe von Héricourt war offen, hatte aber wie befürchtet keinen Stempel. Die daneben stehende lutherischen Stadtkirche aus dem 13. Jahrhundert, mit einem sehenswerten Kirchturm, war geschlossen.

Ich setzte mich in ein Café im Zentrum und ging nach einer 15-minütigen Pause weiter. Leider habe ich auch hier keine anderen Jakobspilger gesehen, ich war gespannt, ob ich auf dem Weg in diesem Sommer überhaupt einige sehen werde.

Chavanne

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Nach wenigen Kilometern kam ich wie geplant in Chavanne an. Eine Dorfbewohnerin zeigte mir freundlich den Weg zu meiner Gite, die ich ebenfalls mehrere Tage in Voraus reserviert hatte. Der Eingang erinnerte mich an die Hobbit-Höhle aus den Tolkien-Verfilmungen.

Mein Gastgeber Pierre machte auf und führte mich hinein. Er erklärte mir seine Trockentoilette und zeigte mir mein Bungalow, ursprünglich ein Meditationszimmer. Ich aß mit ihm und seinem Freund zu Abend. Wir hatten ein nettes Abendessen und lachten viel.

Danach machte ich noch einen kleinen Spaziergang im Ort. Eine Katze kam auf mich zu und ich spielte einige Minuten mit ihr. Die Sonne ging unter und ich kehrte in meine Unterkunft zurück.

Die Nacht im Gartenhäuschen war leider ein wenig frisch, weil eine Decke fehlte.

5. Etappe: Chavanne – Villersexel

  • Datum: 20.08.2016
  • Entfernung: 25,5 Kilometer

Am Abend konnte ich nicht gut schlafen, weil ich gefroren hatte. Ansonsten fand ich das Anwesen und das kleine Gartenhäuschen sehr putzig. Ein kleiner Rasenmäherroboter mähte langsam aber stetig den Rasen um das Gartenhäuschen.

Die Gastgeber und ich haben uns insgesamt sehr gut verstanden und ich war froh, dass ich hier übernachtet hatte. Eine besonders witzige Szene ist mir in Erinnerung geblieben, als ich Pierre eine Szene aus einem Science-Fiction-Comic von Leo erklären wollte. Er hat glaube ich mehr über meinen Erklärungsversuch, als über die Szene gelacht. Meine Gastgeber spielten noch ein wenig Musik auf mittelalterlichen Instrumenten, auf einer Art Klavier und einem Streichinstrument. Ich verabschiedete mich von ihnen und setzte meinen Weg fort.

Wieder Regen!

Leider regnete es an dem Tag wieder stark, wie am 18. August, als ich nach Nommay gelaufen bin. Der Weg führte mich unter anderen über Malval, Secenans und Saulnot zu meinem Tagesziel Villersexel.

An jenem Tag habe ich wegen des schlechten Wetters nicht viele Fotos gemacht. Auch sind meine Notizen im Reisetagebuch nicht sehr ausführlich gewesen. Der Tag war eher entspannt, mit wenigen Höhepunkten.

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Villersexel

Villersexel liegt im Tal des Flusses Ognon. Ich ging zuerst in das kleine Häuschen des Tourismusbüros, wo ich mich mit dem jungen Angestellten kurz unterhalten hatte und er mir einen Stempel gegeben hatte. Er zeigte mir auch den Weg zum Campingplatz, den ich bald darauf erreicht hatte.

Der Campingplatz „le Chapeau chinois“ liegt direkt am Ognon. Die Mitarbeiterinnen hatten sich sehr um mich bemüht, ich konnte auch meine Wäsche waschen. Zum Glück hatte ich wieder ein Zimmer nur für mich alleine, so konnte ich meine Wäsche schön zum Trocknen verteilen. Einen Wäscheständer bekam ich auch. Das einzig Blöde war die Volksmusik am Abend, neben „Brot“ braucht das „Volk“ eben auch „Spiele“.

Quellen

Titelfoto: Am Kanal nach Nommay, Fotorechte: Dario schrittWeise

2 Kommentare zu „Grenzerfahrungen in Franche-Comté [Basel – Cluny 2]

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    1. Hallo Nati, vielen Dank, für mich sind diese Beiträge eine willkommene Gelegenheit, um noch über meine Reisen nachzudenken. Die Erinnerungen an Frankreich sind zudem gut erhalten, weil ich damals noch fleißig Tagebuch geführt habe. Später hatte ich teilweise weniger Zeit. An die Geschichte mit den Kühen und der Brücke z.B. kann ich mich noch gut erinnern. Ich war mir einfach nicht sicher, was man da tun sollte. Eigentlich sind Kühe friedfertig und meistens harmlos, aber man weiß ja nie 🐄 😉. Liebe Grüße 🙂🌌🌝

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