Das Hühnerwunder von Santo Domingo [Camino Francés V]

Viele Sagen und Legenden umranken den Jakobsweg. Eine der berühmtesten Heiligenlegenden ist das Hühnerwunder von Santo Domingo de la Calzada. Ich begegnete dieser Wundergeschichte mehrmals, insbesondere als ich 2015 auf dem deutschen Jakobsweg durch Baden-Württemberg in Winnenden weilte, einer Partnerstadt von Santo Domingo de la Calzada. Auf einem der Gemälde des Altars der Jakobuskirche von Winnenden ist das Motiv des Hühnerwunders dargestellt. In Erinnerung an das Hühnerwunder werden bis heute in der Kathedrale von Santo Domingo de la Calzada in einem Käfig ein Huhn und eine Henne, gehalten. Doch worum ging es nochmal in deser Legende?

Wegweiser

Etappe 8: Logroño – Nájera

  • Datum: 29.09.2019
  • Entfernung: 29 Kilometer

Am nächsten Morgen in Logroño ließen mein Pilgerkamerad Peter und ich uns mehr Zeit, begannen die Tagesetappe trotzdem noch früh genug. Der Weg aus der Stadt führte uns durch das Tor Puerta del Camino und am Kreisverkehr mit dem Springbrunnen vorbei. Ungefähr 5 Kilometer außerhalb der Stadt erreichten wir den Stausee Pantano de la Grajera. Das Wetter blieb uns weiterhin hold und so pilgerten wir wieder bei sommerlichen Temperaturen nach Nájera.

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Die erste größere Station der Tagesetappe war Navarrete. Kurz zuvor besichtigten wir noch die Ruinen des Pilgerhospitals San Juan de Acre aus dem 12. Jahrhundert, welches am Weg lag. Wir erreichten Navarrete am später Vormittag. Mein Wanderbegleiter und ich sahen uns im Städtchen um, blieben aber nicht sehr lange dort und setzen bald unseren Weg fort. Kurz vor dem Ausgang aus dem Ort befindet sich der Friedhof, der zum ehemaligen Pilgerhospital San Juan de Acre gehörte und ebenfalls aus dem 12. Jahrhundert stammt.

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Einige Kilometer nach Navarrete verläuft der Weg an Ventosa vorbei. Peter und ich beschlossen, in das Dorf zu gehen, um dort Pause zu machen. Dafür mussten wir einen kleinen Umweg in Kauf nehmen. Wir sahen uns die sehenswerte Kirche San Saturnino aus dem 16. Jahrhundert an und die mittelalterlichen Gässchen. Die Geschichte der Gemeinde ist eng mit der Geschichte der Stadt Nájera verbunden, zu welcher sie heute gehört.

Auf der Stecke zwischen Ventosa und Nájera wurde ein Stück der alten römischen Straße ausgegraben und rekonstruiert. Diese Arbeit wurde auf einer Tafel am Wegesrand beschrieben.

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Bei Aleson, am Poyo de Roldan, dem Rolandsberg, soll sich laut einer Legende die Schlacht zwischen dem Ritter Roland und dem Riesen Ferragut ereignet haben. Ferragut bedrohte Nájera und Roland, Heerführer Karls des Großen, besiegte ihn in einem großen Kampf, der im Rolandslied besungen wird. Der Ritter Roland starb später bekanntlich in den Pyrenäen, oberhalb von Roncesvalles.

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Nájera

Am Nachmittag kamen wir in Nájera an. Die Stadt hat eine besondere Verbindung zum Camino Francés. Ursprünglich lag Nájera nicht am Jakobsweg, erst König Sancho III veranlasste im 11. Jahrhundert die Verschiebung des Pilgerweges, damit die Pilger unter anderem auch durch Nájera zogen. Der Verlauf des Pilgerweges war vorher ein wenig anders, der König wollte aber seine großen Städte und die Grenze zu Kastilien stärken. Deswegen veränderte er auch die Streckenführung bis Burgos. Seitdem gilt Sancho III. als eine Art Vater des Camino Francés. Und Nájera machte er zu seinem Königssitz.

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Die Unterkunftssuche dauerte ein wenig, weil die meisten der Pilgerherbergen bereits voll waren. Wir spielten bereits mit dem Gedanken, eine private Unterkunft aufzusuchen, als wir bei einer Pilgerunterkunft fündig wurden.

Das wohl bedeutendste Bauwerk von Nájera ist das Kloster Santa María la Real, welches im 11. Jahrhundert gegründet wurde. Hier befindet sich die Grablege der Könige von Navarra und ein prachtvoller spätgotischer Kreuzgang. Auch die Besichtigung des Chorgestühls kann ich nur empfehlen. Zunächst war der Zugang zu diesem Bereich geschlossen, glücklicherweise gab es eine Führung und ich konnte mir den Hochchor mit den vielen Details ansehen. Das Kloster wurde vom García Sanchez III, dem König von Navarra neben einer Höhle errichtet, in welcher der König eine Marienstatue entdeckt haben soll.

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Zum Abendessen verabredeten wir uns mit mehreren Pilgern aus verschiedener Herren Länder, auch Peter aus Köln war dabei. Die „Tafelrunde“ ist zum Schluss groß geworden, weshalb es ein wenig dauerte, bis wir uns auf ein Restaurant geeinigt hatten. Dafür war das Ambiente sehr angenehm, weil wir direkt am Flussufer saßen.

Etappe 9: Nájera – Santo Domingo de la Calcada

  • Datum: 30.09.2019
  • Entfernung: 23 Kilometer

Die Etappe nach Santo Domingo de la Calcada begann, wie meistens auf meinem Jakobsweg-Abschnitt nach den Pyrenäen, sehr früh am Morgen. Inzwischen hatte sich auch bei mir ein Rhythmus eingestellt und ich konnte problemlos früher starten. Wir packten leise unser Gepäck und liefen in den frühen Stunden los. Unsere Taschenlampen benutzten wir nur kurz, weil es schnell heller wurde.

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Santo Domingo de la Calcada

In Santo Domingo de la Calcada kamen wir gegen 14:00 Uhr an. Heute war es nicht schwierig, eine Unterkunft zu finden. Wir übernachteten in der großen städtischen Pilgerherberge, in deren Garten sich ein Käfig für die Hühner befindet, die später die Hühner in der Kirche ersetzen werden. Sie werden alle 14 Tage ausgetauscht.

In der Altstadt gab es einiges zu sehen. Zudem machte ich mich auf die Suche nach einem neuen Notizbuch, weil ich einige Tage zuvor das Ende meines Reisetagebuches erreichte, welches ich in französischem Nogaro angefangen hatte.

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Die Entstehungsgeschichte des Ortes ist sehr interessant. Die Pilger, die durch die Region reisten, ruhten sich gerne am Fluss Oja aus, in der Nähe des Waldes Hojuela sowie der Berge Sierra de la Demanda und Yuso.

Eine Pilgerreise war damals sehr beschwerlich und teilweise lebensgefährlich. Der Einsiedler Domingo García (1019 – 1109), der in den Wäldern wohnte, beschloss, den Pilgern zu helfen. An jener Stelle am Fluss, wo sich die Pilger gerne ausruhten, errichtete der fromme Einsiedler im Jahre 1044 eine Herberge, ein Hospital, eine Kapelle und eine Brücke über den Fluss Oja. Außerdem ließ Domingo García die alten und runtergekommen Straßen (calzadas), die teilweise noch aus der Römerzeit stammten, erneuern. Viele Pilger kamen, um in der neuen Siedlung zu übernachten und aus dieser ist im Laufe der Zeit eine wohlhabende Stadt geworden. Der Einsiedler wurde später zu Santo Domingo de la Calzada.

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Das Äußere der Kathedrale wurde gerade renoviert, als ich mich in der Stadt befand. Trotzdem durfte ich sie besichtigen. Ungewöhnlich fand ich es, dass auch hier für den Eintritt bezahlt werden musste.

Gegenüber der Kathedrale befindet sich das ehemalige Pilgerhospital, welches Santo Domingo gebaut hatte. Später wurde es spätgotisch erneuert und heute wird es als staatliches Hotel genutzt. Auch die Kathedrale geht auf die Bautätigkeit des Heiligen zurück, diese ist der Nachfolgebau der Kapelle, die Santo Domingo für die Pilger errichten ließ. Die Überreste des Heiligen Santo Domingo de la Calzada werden in einer reich verzierten Grablege in der Kathedrale aufbewahrt.

Einige Meter neben dem Grabmal, in einer Nische des Gotteshauses, werden seit dem 15. Jahrhundert in einem gotischen Käfig ein Huhn und eine Henne gehalten, um an das berühmte Hühnerwunder zu erinnern. Die Geschichte gehört zu den wohl berühmtesten Jakobuslegenden und wird oft in Jakobuskirchen auf Bildern und Skulpturen dargestellt.

Das Wunder soll sich im 14. oder 15. Jahrhundert in Santo Domingo de la Calzada ereignet haben. Eine niederrheinische Familie soll laut der Legende auf ihrer Pilgerreise in Santo Domingo de la Calzada übernachtet haben. Nachdem der Sohn der Familie nicht auf die Avancen der Wirtstochter wie von ihr gewünscht reagiert hatte, versteckte diese einen Silberbecher in seinem Gepäck. Der Wirt bemerkte am folgenden Tag den Verlust und ließ den Sohn zurückholen. Der unglückliche Pilger wurde zum Tod am Galgen verurteilt. Auf der Rückkehr aus Santiago mussten seine traurigen Eltern wieder am Galgenplatz vorbeilaufen und da sahen sie, dass ihr Sohn noch lebte. Er tröstete sie vom Galgen aus und erklärte ihnen, dass der Heilige Jakobus ihn gerettet hatte. Die glückliche Familie ging zum Richter, der ihnen nicht glaubte und behauptete, ihr Sohn sei so lebendig wie die beiden Hühner in seiner Mahlzeit. Diese flogen in dem Moment lebendig von seinem Teller. Der Sohn wurde daraufhin befreit und die Wirtstochter verurteilt.

Nach der Stadtbesichtigung und dem Besuch der Kathedrale traf ich Peter in der Altstadt. Den Abend ließen wir in einem Restaurant mit sympathischer Bedienung entspannt ausklingen. Die Temperaturen waren in jener Nacht sehr mild, im Grunde eher spätsommerlich, obwohl offiziell der Herbst begonnen hatte.

Quellen

https://www.spain.info/de/que-quieres/ciudades-pueblos/otros-destinos/najera.html
https://lariojaturismo.com/de/poblacion/ventosa/b673cf12-d126-41c9-9a23-dd144b25dd79
https://www.spain.info/de_DE/que-quieres/ciudades-pueblos/otros-destinos/santo_domingo_de_la_calzada.html
https://reisen-nach-spanien.com/la-rioja/najera

4 Kommentare zu „Das Hühnerwunder von Santo Domingo [Camino Francés V]

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  1. Lieber Dario, das ist ein sehr spannender Beitrag über die besonderen Momente, Begegnungen, Architektur, Legenden und wunderschöne Landschaften. Ein toller Bericht über die Urlaubszeit, als die Welt noch ziemlich in Ordnung war. Ich finde, dass deine positive Literatur gerade jetzt sehr willkommen ist und heilsam wirkt.
    Liebe Grüße, Sophie Mai

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  2. Herrenländer? Interessant, da gibt es dann wohl überhaupt keine Frauen bzw. Damen, oder? Die Vertreterinnen der Damenländer liefen bzw. trafen sich dann eventuell separat, nehm ich an .. 😉 🙂

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