Die Valentré-Brücke in Cahors [Via Podiensis 12]

Pont Valentré ist eine bedeutende mittelalterliche Steinbrücke, die zum Wahrzeichen der französischen Stadt Cahors geworden ist. Ihre drei markanten Wehrtürme und die sechs gotischen Brückenbogen machen sie einzigartig in Europa. Dabei erwies sich ihre Entstehung als schwierig, denn sie konnte zunächst nicht in der geplanten Zeit fertig errichtet werden.

Einer regionalen Legende zufolge suchte der zuständige Baumeister deswegen Hilfe beim Teufel. Dieser willigte ein, unter der Bedingung, dass der Brückenbaumeister ihm nach der Fertigstellung der Brücke seine Seele überlasse. Der Brückenbauer hinterging jedoch kurz vor dem Abschluss der Arbeit den Teufel, indem er ihm einen unmöglichen Auftrag gab: er bat seinen unheimlichen Geschäftspartner, seinen Arbeitern Wasser in einem Sieb zu bringen. Dies konnte der Teufel wie erwartet nicht tun und deswegen scheiterte auch der Pakt. Der Brückenbaumeister konnte auf diese Weise seine Seele retten. Der Teufel rächte sich daraufhin und entfernte einen Schlussstein aus einem der Brückentürme. Somit konnte die Brücke vorerst nicht fertig werden.

Wegweiser

15. Limogne-en-Quercy – Poudally

  • Datum: Donnerstag, 30.08.2018
  • Entfernung: 23 Kilometer

Nach einem guten Frühstück in der Herberge „Maison de chemin“, lief ich eine Zeit lang mit Tom und Elen, die ebenfalls aus Australien stammt, zusammen. Elen ist eine lebenslustige und humorvolle Hebamme in ihren Fünfzigern, die viel erlebt und dementsprechend auch viel zu erzählen hatte. Sie lernte auch unseren gemeinsamen Bekannten, Hervé, kennen und verstand ihn genauso wenig wie Tom. Elen konnte auch seinen Namen nicht aussprechen und nannte ihn Harvey, wie sie es uns erzählte.

Im Ort Varreire gab es die erste Möglichkeit, etwas zu essen zu holen, ich habe mich aber dafür entschieden noch vier Kilometer bis zur Ortschaft Bach zu warten. Bach bedeutet im Okzitanischen „schattiger Punkt“. Schattig war der Ort tatsächlich, nur stellte sich leider heraus, dass das einzige Restaurant im Dorf an dem Tag geschlossen war.

Unterwegs trafen wir noch zwei weitere Australierinnen, Margareth und Jenny, Mutter und Tochter, die den Jakobsweg gemeinsam liefen. Sie ließen ihr Gepäck mit dem Pilgerbus transportieren. Ab Bach folgten wir einige Kilometer der historischen römischen Straße „Cami Ferrat“, dementsprechend gerade verlief die Wegführung. Bald verloren wir das sportliche Mutter-Tochter-Gespann aus den Augen.

Ein Kleiner Umweg

Ich verabschiedete mich etwas später von Elen und Tom, um im angrenzenden Ort Valylats etwas zu essen zu holen, dafür musste ich einen kleinen Umweg in Kauf nehmen. In Valylats sah ich ein Frauenkloster, das es vermutlich bereits zur Zeit der Hochphase der Pilgerbewegung gab.

Nachdem ich mich im Dorfcafé gestärkt hatte, kehrte ich wieder zum ausgeschilderten Weg zurück, der einen Bogen um den Ort machte. Unterwegs holte ich noch Elen ein, weil sie zwischendurch mit Tom eine Pause einlegte. Sie erzählte mir, dass Tom noch ein Nachmittagsnickerchen nahm. Er ließ sich tatsächlich durch Nichts und Niemanden aus der Ruhe bringen. Auf dem Weg sah ich noch eine große gelblich-grüne Eidechse und ein Gerät mit dem amüsanten Namen „Brumisateur“, dessen Zweck mir unbekannt blieb. Man muss auch nicht alles wissen. Es blieb beim ominösen Brumisateur.

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Der Abend in der Herberge von Poudally

Gegen 14:30 Uhr kam ich an meinem Bestimmungsort, Gîte Poudally, bei Mas de Vers an. Hier bewies ich wieder ein glückliches Händchen für Pilgerherbergen, weil mir die Unterkunft in Poudally insgesamt sehr gut gefiel.

Die beiden Herbergseltern waren sehr nett und freundlich. Das junge Ehepaar wohnte mit ihrem Baby selbst darin. Der Australier Tom war wieder dabei. In der Gîte bildete sich ein Grüppchen von mehreren Franzosen, die nicht sehr offen für andere Sprachen waren. Zum Glück verstand ich mich an dem Abend gut mit Tom.

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16. Poudally – Cahors

  • Datum: Freitag, 31.08.2018
  • Entfernung: ca. 18 Kilometer

Am nächsten Morgen frühstückte ich mit Tom und verabschiedete mich von den jungen Herbergsbetreibern. Mein australischer Pilgerbekannter lief wieder voraus, wir verabredeten uns aber für den Abend, weil er ebenfalls in Cahors übernachten wollte. Die Stadt am Lot war gleichzeitig die Endstation seines Pilgerabschnitts, weil er danach nach Italien weiterreisen wollte, um dort Freunde aus Australien zu treffen.

Die Strecke nach Cahors war vergleichsweise kurz, weil ich sie so einplante, damit ich nicht zu spät in Cahors ankommen würde. Mein Ziel war, am Nachmittag genug Zeit für die Besichtigung der Stadt zu haben, weil sie zu den Highlights der Via Podiensis gehört. Der Weg war meistens sehr eben und geradlinig, weil er wieder der ehemaligen römischen Straße folgte. Witzig fand ich einen Zettel, den ein Pilger für einen Freund an einem Verkehrsschild hängen ließ.

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Die Pause am Sportplatz und der Abstieg nach Cahors

Eine längere Pause machte ich neben einem Sportplatz, weil es dort laut meinem Pilgerbuch einen öffentlichen Wasserhahn gab. Später liefen einige Pilger aus meiner Unterkunft in Poudailly an mir vorbei. Ich zeigte ihnen die Wasserstelle, die im wahrsten Sinne des Wortes ein Geheimtipp war.

Wenige Minuten später ging ich weiter und es dauerte nicht mehr lange bis ich die Hochebene von Cahors erreichte. In dieser Gegend bauten die lokalen Winzer den berühmten Wein von Cahors an, wie einer Infotafel zu entnehmen war. Der Abstieg nach Cahors zog sich gefühlt etwas hin, weil die Stadt zunächst gar nicht zu sehen war. Dafür wurde ich dann mit dem Anblick der in der Lot-Schleife gelegenen Stadt belohnt. Auch die beiden berühmtesten Sehenswürdigkeiten der Stadt, die Valentré-Brücke und die Kirche Saint Étienne, konnte ich von oben sehr gut erkennen.

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Empfang in Cahors

Bei meiner Ankunft in Cahors wurde ich gleich nach der Brücke Louis Philippe von einem Team von freiwilligen Helfern empfangen, die in einem kleinen Brückenhäuschen auf Pilger warteten und ihnen darin kleine Snacks und Erfrischungen anboten. Sie fragten mich auch, ob ich bereits eine Unterkunft hätte. Als ich ihnen die Adresse nannte, schlugen sie mir vor, mein Gepäck in die Touristeninformation zu bringen, weil meine Herberge erst später aufmachen wird. Ich folgte ihrem Rat und stellte meinen Rucksack und die Wanderschuhe bei den freundlichen Mitarbeitern im Tourismusbüro ab, um mir daraufhin die Stadt anzusehen.

Die Karte der Gegend rund um Cahors

Die erste Sehenswürdigkeit, die ich mir ansah, waren Überreste des römischen Amphitheaters von Cahors, die sich in einer Tiefgarage unterhalb des Platzes François Mitterand befinden, unweit der Touristeninformation. Das Amphitheater gehört zu den steinernen Zeugen der antiken Vergangenheit von Divina Cadurcorum, wie die Stadt zur Zeit der Römer hieß. Vor den Römern siedelte der keltische Stamm der Kadurker in der Region und gab der Stadt, nach der Zwischenstufe „Cadurca“, ihren Namen. Die Ausgrabungsstätte fand ich jedoch wegen der unwürdigen Parkhausatmosphäre sehr enttäuschend.

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Die Innenstadt von Cahors

Ich schlenderte durch die Altstadt und merkte bald, dass Cahors trotz des alten Kerns sehr urban geprägt ist. Für den Nachmittag nahm ich mir vor, nur die Kirche Saint Étienne und die Valentré-Brücke zu besichtigen.

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Pont Valentré

Am vorläufigen Ende meines Rundgangs nahm ich mir genug Zeit neben und auf der Brücke. Die befestigte Brücke Valentré wurde ungefähr 70 Jahre lang gebaut, von 1308 bis ungefähr 1378. Aus diesem Grund entstand die eingangs erwähnte Legende vom Pakt mit dem Teufel. Auch viele Jahre nach der vermuteten Fertigstellung gab es Berichte von Nachbesserungen und Ergänzungen. Mit der Sanierung im Jahr 1882 ließ der ausführende Architekt eine kleine Teufelsstatue unter das Dach des mittleren Brückenturmes anbringen, als eine kleine Anspielung auf die Legende.

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In der Unterkunft

Nach der ausgiebigen Stadtbesichtigung holte ich meinen Rucksack und meine Wanderschuhe in der Touristeninformation ab und ging in meine Unterkunft. Mit der Pilgerherberge hatte ich jedoch an jenem Tag nicht viel Glück. Sie erwies sich als ziemlich runtergekommen. Ich bekam zwar ein Einzelzimmer, dafür in einer Art Abstellkammer auf dem Dachgeschoss. Der Herbergsbetreiber war freundlich, ich fühlte mich trotzdem ein wenig wie Quasimodo, der Glöckner von Notre Dame, der ebenfalls mit einem merkwürdigen Dachgeschosszimmer vorliebnehmen musste.

Die Kirche St. Etienne

Ich verabredete mich mit Tom vor der Kathedrale Saint Etienne. Wir hatten noch kurz Zeit für die Besichtigung des Gotteshauses. Die Kathedrale gehört wie die Valentré-Brücke zum UNESCO-Weltkulturerbe als Teil des Jakobsweges in Frankreich. Besonders erwähnenswert fand ich die beiden prominent gebauten Kuppeln und den Kreuzgang mit dem Klostergarten. Die Kirche wurde im 11. und 12. Jahrhundert errichtet. Sie hatte auch eine dritte Kuppel, die jedoch im 13. Jahrhundert eingestürzt ist und nicht wieder errichtet wurde.

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Der Abend in Cahors

Tom und ich suchten danach ein Restaurant, um dort zu Abend zu essen. Mich zog es nicht unbedingt schnell in die Unterkunft zurück und Tom buchte über einen bekannten Anbieter für Ferienwohnungen ein einfaches Zimmer in der Altstadt. Nach einem angenehmen Abend verabschiedete ich mich von meinem australischen Begleiter, der seine Pilgerschaft in Cahors beendete. Ich kehrte in meine Unterkunft zurück und plante meine Etappe für den nächsten Tag.

Quellen

Titelfoto: "Pont Valentré", Fotorechte: Dario schrittWeise
Engel, Helmut: "Frankreich: Jakobsweg. Via Podiensis, von Le Puy-en-Velay nach Saint-Jean-Pied-de-Port", Welver, S. 124 - S. 135
http://www.holidays-cahors.co.uk/discover/monuments-and-history/discover-cahors-great-tourist-sites-midi-pyrenees/pont-valentre (zuletzt abgerufen am 18.02.2019)

8 Kommentare zu „Die Valentré-Brücke in Cahors [Via Podiensis 12]

Gib deinen ab

    1. Hi Paul, ich kann mich gut an den steilen Aufstieg erinnern, zum Glück hat es an jenem Tag nicht geregnet. Nach Conques ist es ähnlich steil. Hast du bei deiner Pilgerreise den Umweg über Rocamadour gemacht? Liebe Grüße, Dario 🙂

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      1. Hallo Dario, ja 👣Figeac – Rocamadour mit dem Zug 🚂 zurück und dann 👣 durchs Valle de la Célé mit Abstecher nach Saint Cirq Lapopie. Dieser Umweg hat sich gelohnt. Schönes altes Städtchen mit Aussicht auf den Lot

        Gefällt 1 Person

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