Burgund im Herbst [Basel – Cluny 5]

Ein großes Zwischenziel auf meinem Jakobsweg war für mich Taizé, die ökumenische Gemeinde nahe Cluny. In Taizé hatte ich nach dem Abi meinen Zivildienst gemacht. Aus diesem Grund entschied ich mich 2015, als ich meiner Pilgerschaft geplant hatte, für die Strecke zwischen Basel und Cluny, damit ich zwei bis drei Tage in Taizé bleiben kann. Für mich war es wie eine Reise in die Vergangenheit. Ende August 2016 beendete ich aus zeitlichen Gründen meine Pilgerreise in Beaune, wollte jedoch bald zurückkommen, um weiterzulaufen. Während meiner Zugfahrt aus Beaune nach Nürnberg plante ich schon gedanklich die Fortsetzung. Einige Monate später, im Spätherbst des gleichen Jahres, war es dann soweit.

Wegweiser

Anreise nach Beaune

  • Datum: 31.10.2016

Am Vortag der ersten Etappe, den 31.10 2016, reiste ich nach Beaune an. Bereits im Zug merkte ich, dass die Weinberge noch die volle herbstliche Pracht trugen.

Gleich nach meiner Ankunft am Bahnhof ging ich in die Unterkunft, wo mich meine Gastgeberin Marie erwartete. Auch ihr kleiner Hund kam dazu, um mich kennenzulernen. Ich ging gleich in die Stadt und schaute mir die Basilika Stiftskirche Notre Dame von Beaune, für die sich die Baumeister von der großen Klosterkirche in Cluny inspirieren ließen. Im 12. Jh. kamen viele Pilger nach Beaune, um die „schwarze Jungfrau“ zu sehen, die aus Obstbaumholz geschnitzt ist. Die Marienstatue ist der „Jungfrau der Auvergne“ aus Le Puy en Veley nachempfunden ist. Eine weitere Sehenswürdigkeit der Basilika sind die 19-teiligen Wandteppiche, welche das Leben der Jungfrau Maria in mehreren Bildern schildern. Später ging ich zum Hôtel de Dieu, um mir die Innenräume anzusehen.

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Gegessen habe ich dann nach Empfehlung von Marie in einem Restaurant neben dem Hospiz, leider ging es da ein wenig hektisch zu. Schließlich blieb sogar noch Zeit für einen schnellen Einkauf im Carrefour, der bis 20:30 Uhr offen hatte. Ich wollte für die nächsten Tage einkaufen, weil der 01.11. auch in Frankreich ein Feiertag war. Am Abend fühlte ich mich wegen der Lärmbelästigung wie in einer Pilgerherberge in Spanien. Nur schnarchte in jenem Fall niemand, sondern die Ursache war mein Nachbar aus Spanien, der laut am Telefon redete.

16. Etappe: Beaune – Fontenais

  • Datum: 01.11.2016
  • Entfernung: 27 Kilometer

Am Dienstag, 01. 11. ging es dann endlich los. Obwohl der Tag auch in Frankreich ein Feiertag war, blieben viele Geschäfte offen, zumindest bis zur Mittagszeit. Den ganzen Vormittag lief ich durch die Weinberge im Nebel: ein schaurig-schönes Naturspektakel, das mich noch einige Tage begleiten sollte.

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Meursault

Im kleinen Weinort Meursault machte ich in einem Café eine kurze Pause. Die Bedienung im Café war sehr freundlich und erzählte mir, dass sie auch auf dem Jakobsweg gewesen war. Beim Abschied wünschte sie mir „Buen Camino“, was wörtlich übersetzt „einen guten Weg“ bedeutet. Das ist der berühmte spanische Pilgergruß. Das Café befindet sich in einem Hotel, mit dem sehenswerten Graffiti einer Frau statt eines Fensters.

Im Ort begegnete mir ein Franzose, der auf einem Fahrrad fuhr. Er trug eine Baskenmütze und erzählte mir, dass er mehrere Jahre in Deutschland gelebt hatte. Er begleitete mich auf seinem Fahrrad durch das Dorf und zeigte mir den Weg nach Montrachet, meinem nächsten Ort auf dem Weg. Ab Meursault lief ich im Departement Côte d’Or, die „Goldene Seite“, ein Name, der sich von den wertvollen Weinsorten ableitet, die in der Region angebaut werden.

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Von Beaune bis Montrachet begleitete mich die „Route des Grands Crus“ – die Straße der edlen Weine, eine ca. 60 Kilometer Weinroute. Nach wenigen Kilometern kam ich in Chagny an. Dort waren zunächst viele Läden offen, ich setzte mich aber zuerst in ein Café, das an dem Tag leider kein Essen mehr ausgegeben hatte. Als ich das Café verlassen hatte, waren auch die anderen Gastronomiebetriebe schon geschlossen. Zum Glück habe ich am Vortag noch Essen eingekauft.

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Canal du Centre

Ich erreichte kurz darauf den Canal du Centre und ging bei strahlendem Sonnenschein fast schnurstracks einige Kilometer nach Fontaines, das mein Tagesziel war. Canal du Centre ist 112 Kilometer lang und verläuft größtenteils durch das Département Saône-et-Loire. Unterwegs lief ich an mehreren Hausbooten und Schleusen vorbei.

Das Foto eines der Boote verwendete ich für das Titelbild dieses Beitrags. Der Name „Ulysse“ – Odysseus passt symbolisch sehr gut zu meiner Pilgerschaft, die einer zeitlichen und räumlichen Odyssee gleicht.

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Herzlicher Empfang in der Pilgerherberge von Fontaines

Fontaines ist ein ruhiges Dörfchen, mit steinernen Häusern, typisch für Burgund. Ich habe die Pilgerunterkunft Sainte Juste gleich gefunden, sie ist im ehemaligen Pfarrhaus der gleichnamigen Kirche untergebracht gewesen.

Die Unterkunft bietet Platz für mehrere Pilger, ein großes Wohnzimmer Dusche, Küche und eine kleine Terrasse zum Ausruhen und Trocknen der Wäsche waren da.

Auf dem Tisch im Wohnzimmer waren das Gästebuch und eine Karte mit einem Begrüßungstext vorbereitet. Im Gästebuch entdeckte ich den Eintrag der Autorin des Pilgerführers „Jakobsweg Trier – Le Puy-en-Velay“, den ich für die Strecke verwendet hatte. Die Autorin, Ingrid Retterath, hatte auch in der Herberge übernachtet.

Der Verantwortliche, Herr Hervé G., kam gegen 18:40 Uhr in die Unterkunft, um mich zu begrüßen und mir den weiteren Weg zu erklären. Mein Gastgeber war der Priester von Fontaines in Ruhestand.

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17. Etappe: Fontaines – Buxy

  • Datum: 02.11.2016
  • Entfernung: 24 Kilometer

Wege und Kreuzungen

Am nächsten Tag folgte ich den Wegbeschreibungen meines Gastgeberd, der mir sogar eine detaillierte Karte bis Buxy als Kopie mitgegeben hatte. Der Weg führte am Weinberg Clos l’Evegne entlang nach Russily.

Auch am zweiten Tag war mir das Wetter hold, nur am Vormittag lag ein leichter Nebel über den Weinbergen und Feldern.

Nach wenigen Stunden erreicht ich Russily, der Weg war ein wenig anders als von Herrn Hervé G. beschrieben, aber im Großen und Ganzen nah dran.

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In Jambles fand ich eine offene Kirche, in der ich mich erholen und einen Pilgerstempel verwenden konnte.

Der Aufstieg nach Moroges gehörte zu den schwierigsten auf dem französischen Jakobsweg bis zu dem Zeitpunkt, sogar seit dem Bodensee, wie ich es vermuten würde. Es gab mehrere kleine Tore und Feldabsperrungen, die man selbständig wieder schließen musste, nachdem man sie passiert hatte, damit Kühe und Schafe innerhalb der umzäunten Gebiete bleiben

Ich beschloss, nicht wie geplant nach Buxy zu laufen, auch weil es schon 15 Uhr wurde und ich „vers 16 heures“ – gegen 16:00 Uhr bei meiner Gastgeberin ankommen wollte. Ich verließ den Jakobsweg und ging, mittlerweile dank moderner Mobilfunk-Navigation, auf direktem Weg nach Buxy.

Zunächst lief ich über einen kleinen, zugewachsenen Feldpfad zwischen Weinbergen und Äckern, dann leider auch wieder über Asphalt. Zu dem Zeitpunkt wurde es sonniger. Eine Stunde später erreichte ich die ersten Häuser von Buxy. Auf einem Schild sah ich, dass ich noch ca. 40 Kilometer bis Cluny zu laufen hatte.

Die Unterkunft buchte ich über eine bekannte Internetplattform für Reservierungen von Hotel- und Ferienzimmer. Meine Gastgeber Christine und ihr Mann waren sehr freundlich und zuvorkommend. Ich durfte für einen kleinen Betrag bei ihnen zu Abend essen. Sie haben ein großes und stilvoll eingerichtetes Haus. Christine versprach mir, mich am nächsten Tag zurück zum Jakobsweg zu fahren.

Quellen

Titelfoto: "Odysseus", Fotorechte: Dario schrittWeise
https://www.beaune-tourismus.com

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